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    Thursday, 29. June 2017 @ 12:47

    S 80-Station Lobau vor dem Aus

    Öffis statt noch mehr TöffisDen Interessen der Betroffenen wird von den ÖBB nicht Rechnung getragen!

    Ein Bericht von Walther Leeb

    Urlaubszeit, also manch einer im Ausland, Freitag 14 Uhr, also für die meisten Arbeitszeit, 35 Grad, also ideales Badewetter (und Mühlwasser, Donauinsel, Panozzalacke in der Nähe) – und dennoch: Etwa siebzig Betroffene haben sich im Vereinshaus des Siedlervereins Fischerwiese/Wulzendorf eingefunden. Beweis genug, daß es um ein wichtiges Anliegen und nicht darum geht, sich wichtig zu machen, und „Hauptsache ist, dagegen zu sein“.

    Gegenstand des Ganzen ist ein Informationstag der ÖBB-Personenverkehr AG gewesen, der „offiziell“ eine Vorstellung des Fahrplanes nach dem 2. Oktober 2010 sein sollte, aber – wie die Bürgerinitiative "S80-Lobau" für die Erhaltung der S-80-Station Lobau richtig vorausgesehen hatte (siehe Kaktusbericht vom 13.Juli 2010)– den untauglichen Versuch dargestellt hat, den Betroffenen einzureden, daß die Haltestelle ohnedies unnötig wäre und die neue U2 und das künftige Autobusnetz als Verbesserung betrachtet werden müßten. Kein Wunder, daß die drei Vertreter der ÖBB von den Anwesenden mit einer Vielzahl von Argumenten und herber Kritik konfrontiert worden sind und an Hand von Beispielen dargestellt worden ist, welche Verschlechterungen für viele Bewohner im Einzugsbereich der Station ins Haus stehen. Wenn eine Schülerin geschildert hat, daß ihr Schulweg in den 3. Bezirk erschwert wird, weil er um einiges länger dauern und mit einmal mehr Umsteigen verbunden sein wird, so ist dies nur ein Beispiel für viele persönliche Betroffenheit gewesen. Die Erreichbarkeit des 3., 4., 10. und 11. Bezirks wird mit der Schließung der Haltestelle Lobau für viele beträchtlich eingeschränkt. Und ähnliches gilt für diejenigen, die aus den genannten Bezirken kommend die Lobau stromabwärts der Ostbahnbrücke erreichen wollen.

    Bemerkenswert ist, daß die Vertreter der Bahn den Argumenten der Anwesenden nicht nur nicht allzu viel entgegenzusetzen hatten, sondern ihnen in vielem beipflichteten und bedauerten, auf Grund der geringen Geldmittel nicht mehr bieten zu können. In Bezug auf dies Stati-on Lobau wurde konkret ausgeführt, daß der Bahnsteig nicht mehr den geltenden Sicherheitsbestimmungen entspreche und die Instandsetzung € 600.000,-- (!) kosten würde.

    Was sollten bei der klaren Aussage „Die S 80-Station Lobau wird mit 2. Oktober 2010 definitiv geschlossen“ Visionen, daß man nach 2018 mit einem Viertelstundentakt zwischen der Erzherzog-Karl-Straße und dem Hauptbahnhof rechnen dürfe. „Wir wollen von Süssenbrunn alle halbe Stunden einen Zug zum Hauptbahnhof und vielleicht bis weiter in den Süden führen und nach dem viergleisigen Ausbau nach Marchegg auch halbstündig eine Schnellbahn von dort.“

    Wenn allerdings alle Versprechungen der ÖBB gehalten werden würden, dann wäre vieles von dem, was heute Vision ist, schon längst verwirklicht und gäbe es auf der S 80 nicht einen Halbstundentakt, der dieses Verkehrsmittel wenig attraktiv macht.

    Ich habe in meinem kurzen Beitrag darauf hingewiesen, daß sich die massive Kritik nicht am öffentlichen Verkehr gegen die tausenden Mitarbeiter der Bundesbahn und auch nicht gegen das „mittlere Management“ richte, sondern die Verkehrspolitik in ihrer Gesamtheit im Argen liege. Während wesentliche Bahnprojekte immer wieder auf die lange Bank geschoben würden, entstünden hunderte neue Autobahnkilometer.