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Schulprobleme

Wie lügt man mit Bildern?

  • Freitag, 11. September 2020 @ 07:22
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler*)

Erstaunlich schöne Fotos über Schulgebäude in den Zeiten von Covid19 verhöhnen die Realität.

Das hat er ja wirklich toll hingekriegt, unser Bundes-Basti: das erforderliche Krisenmanagement angesichts eines gemeingefährlichen Virus. Und als ganz besonders erfolgreich entpuppten sich die Empfehlungen eines (angeblich) 50-köpfigen Stabes an Medienberatern, die ihm genau vorgaben, wie er was mit welcher Wortwahl und Gestik bei der kommenden Pressekonferenz vortragen müsse, damit die Presse-Fritzen dann das auch so bringen, wie jene es besprochen haben. Toller Erfolg! Die Beliebtheitswerte schossen nach oben. Da sage noch einmal jemand, die Presse würde lügen.

Die Wohlfühlbilder sind alle falsch!

*) kandidiert für die Donaustädter Bezirksvertretung

Das Projekt Berresgasse und sein Bildungscampus.

  • Freitag, 3. Januar 2020 @ 15:01
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Ein weiteres Großprojekt der Stadt Wien ist in Bau.

Zwischen Badeteich Hirschstetten und der Hausfeldstraße nördlich der Quadensiedlung entstehen auf 1700 ha 3000 Wohnungen mit angeschlossenem Bildungscampus. Letzterer hat gerade seinen Betrieb aufgenommen.

Die Hardware …

Offenbar wurde nicht gespart – diesen Eindruck gewinnt man, wenn man sich mit den Details dieses Projekts vertraut macht: nicht bei der Architektur des Gesamtprojektes und auch nicht bei der Ausstattung der Einzelteile des Campus. Kindergarten, Vor-, Volks- und Mittelschule erhielten gute Bausubstanz auf einem weitläufigen Grundstück und gute technische Ausstattung. Man könnte meinen, das „Rote Wien“ bäume sich auf und wolle beweisen, dass ihm das Wohnen und die Bildung – wie in vergangenen Zeiten – sehr am Herzen liegt.

„Migranten demütigen und schlagen Lehrer!“

  • Montag, 1. Juli 2019 @ 11:55
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

„Skandal! Lehrer spuckt Schüler an!“ So lauten zwei Titel auf YouTube.

Was sich da an der HTL Ottakring abgespielt hat, ist zweifelsohne entsetzlich. Ein Lehrer spuckt – nachdem sein Schüler seiner Aufforderung, den Klassenraum zu verlassen, nicht nachkommt – ihm ins Gesicht.

Gott sei Dank, könnte man sagen, laufen Handykameras und dokumentieren die wahren Ereignisse. Und Gott sei Dank auch kann man sich auf YouTube die vielen höchst provokativen Vorereignisse („verbrochen“ von ausschließlich männlichen Schülern mit neoösterreichischem Erscheinungsbild) ansehen, die zur Eskalation geführt haben. Dem folgen auch postwendend die in Zeiten wie diesen erwartbaren „Analysen“ von ausgeprägten Rassisten unter den Kanalbetreibern. Wenn Sie, liebe/r Leser/in, genau hinsehen, werden Sie unschwer auch die Wahrheit erkennen können.

Ihr müsst alle viel mehr trainieren!

  • Montag, 4. März 2019 @ 09:14
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler, Lehrer an der AHS-Theodor- Kramer-Straße

Volle Kraft zurück – zum Ursprung! Schwarz-Blau liefert, was bestellt wurde.

Ab den 2. Klassen der Volksschulen (VS) werden wieder die Noten und damit auch das Durchfallen-Können eingeführt. Für die 3. und 4. Klassen VS und Mittelschule (MS) soll es bald „Kompetenz- und Potentialmessungen“ geben, also das, was man früher den Intelligenzquotienten (IQ) genannt hat. Damit kann man dann klar und gerecht festlegen, wer in die Hauptschule und wer ins Gymnasium gehört. Und damit das nicht so uralt klingt, wie es ist, wird es „Talente-Check“ heißen. Den gibt es ja schon länger, online natürlich, aber jetzt wird ihm ordentlich Bedeutung zugeordnet. Er kommt jetzt neben der 3. Kl. VS auch in die 4. Kl. VS und in die 3. und 4. Kl. der MS. Die Ergebnisse werden darüber entscheiden, wer Arzt wird und wer Paketzusteller – stark vereinfacht dargestellt.

„Wo bleibt die EDV-Milliarde, Herr Minister?“

  • Mittwoch, 28. November 2018 @ 08:43
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Das frage ich mich, einmal mehr, nach der Lektüre der Neuauflage von „Bildung auf einen Blick 2018“ der OECD und des Regierungsprogrammes.

Wieder einmal: eine Studie!

Die OECD wörtlich: „Ein höherer Bildungsabschluss erhöht die Chance, auch einen Arbeitsplatz zu finden. Je höher der Abschluss, desto höher ist auch die Beschäftigungsquote.“

Das ist eine klare Ansage einer Organisation, in der sich die 36 reichsten Industrieländer der Welt zusammengefunden haben. Besonders neu ist diese Erkenntnis aber nicht; den allermeisten Menschen auf der Straße ist sie sehr geläufig, vor allem, wenn sie Kinder haben.

Neue Regierung – neuer Minister – neue Hoffnung?

  • Samstag, 10. März 2018 @ 10:48
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler, Lehrer an der AHS-Theodor- Kramer-Straße

Was soll sich ändern, wenn die Bedingungen gleich (schlecht) sind, wie seit Jahren?

Das Volk hat also neu gewählt. Es sind jetzt andere an der Macht als bisher.

Es sind die, die die Kapitalisten lieber haben, weil denen von vornherein klar ist, dass es zuerst der Wirtschaft gut gehen muss, … usw. Und jetzt werden die Rechnungen formuliert (Regierungsprogramm!) und den WählerInnen in der Folge zugestellt. Das nennt man dann „ordentlich regieren!“

Für Linke wird das grauslich, gewiss, aber es ist schon gut, wenn die Kapitalismuspflege von denen gemacht wird, die gegen dieses irrwitzige Wirtschaftssystem noch nie wirklich Einwände hatten.

Imagine!

  • Freitag, 22. September 2017 @ 07:24
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler
Er kandidiert im Wahlkreis Wien Nord auf Listenplatz 10

„Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr.“ Ich frage mich, ob du das kannst? Keinen Grund für Habgier oder Hunger. Eine Menschheit in Brüderlichkeit. Stell dir vor, all die Menschen, sie teilten sich die Welt, einfach so! Du wirst sagen, ich sei ein Träumer, aber ich bin nicht der einzige!“

Vielleicht, liebe LeserInnen, findet ihr solche Worte überraschend, jetzt nämlich, zu Schulbeginn! Na ja, ich dachte mir, so kurz vor Wahlen, könnte man wieder einmal von einer schönen Welt träumen, so wie das John Lennon mit seinem tollen Lied gemacht hat.

Was wäre anders, wenn die KPÖ stark wäre?

Industrie 4.0, die Schere und die Schule!

  • Dienstag, 27. Juni 2017 @ 12:32
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Es klingt so locker und cool, was die Machthaber da ankündigen – und bedeutet nichts Anderes als ein Desaster für die Werktätigen! Und warum?

Nach dem Sieg des Kapitalismus hat sich diese Wirtschaftsform (fast) den gesamten Erdball einverleibt. Ab sofort ist die Wettbewerbsfähigkeit = Konkurrenz das Maß aller Dinge. In kürzester Zeit wurde klar, dass so manche nationale Wirtschaft nur als Mitglied in einem der drei Superblöcke die neue Konkurrenz überleben würde. Der EU-Block tritt an gegen BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südarfrika) und gegen die USA, die mit Google, Microsoft, Apple, Facebook, Amazon u.v.a. die Schlüsselbereiche der zukunftsträchtigen, profitablen Märkte gewinnen.

Wir frieren – ein Wintermärchen!

  • Samstag, 1. April 2017 @ 13:54
Brief eines Lehrers

Die folgende Geschichte ist ein Märchen. (Es fällt iin die in der Zwischenzeit - hoffentlich - zurückliegende kalte Jahreszeit.) Die geschilderten Vorgänge haben also nie stattgefunden und sind frei erfunden.

Hurra, wir bekommen eine Schule! Vor gar nicht so langer Zeit, genau im Jahre 1994, versammelten sich auf einem Acker hinter dem Kagraner Friedhof eine Handvoll Bauarbeiter mit allerlei schwerem Gerät, um mit dem Neubau einer Schule zu beginnen. Es lebten damals schon viele Menschen rundherum; also sollte die Schule groß werden – aber der Bau sollte auch möglichst wenig Kosten verursachen. Also wurde ein Architekt gleich eingespart und einfach ein bereits bestehender Bau ein zweites Mal errichtet und die Preisanbote der Ausstatter ins unglaublichste Niedrigniveau gedrückt. So mancher Billigstbieter war bereits bankrott, als ihn die Reklamationswelle erreichte.

Was niemanden überraschen wird: die Kosten, die für den Betrieb, für Beheizung und Beleuchtung danach anfielen, waren hoch, sehr hoch; die Fenster entpuppten sich als Dauerreparaturauftrag – ihre Verriegelungsmechanik: viel zu schwach; auch die thermische Isolierung war so billig wie nur möglich ausgeführt. Die daraus folgenden hohen Betriebskosten – mussten runter! Aber wie?

Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“

  • Samstag, 5. November 2016 @ 08:06
Brief eines Lehrers von Karl Gugler

Schulbeginn! Die Publikationen der Stadtverwaltung bejubeln das Schulsanierungspaket. „Wir nehmen dafür auch in den nächsten Jahren viel Geld in die Hand!“ Warum nur aber kommt davon bei der AHS Theodor Kramer Straße so gut wie überhaupt nichts an?

Zum Stand der Dinge …

Ein erster Rundgang in der letzten Ferienwoche in unserem Schulhaus endet am Abend mit depressiver Verstimmung. Alles noch da – so wie im letzten Schuljahr:

Neue Schule – neue Hoffnung?

  • Sonntag, 29. Mai 2016 @ 08:10
Brief eines Lehrers von Karl Gugler

Alljährlich ab Februar werden die wichtigsten Weichen gestellt – von den Eltern für ihre Kinder, die davon anfänglich gar nichts wissen wollen. Sie ahnen nicht, dass sie für die nationale Wirtschaft der so „wichtige Rohstoff“ sind, mit dem die Wirtschaftstreibenden die internationale Konkurrenz zu gewinnen versuchen (zit. nach Dr. Hannes ANDROSCH).

Wollt‘ ihr wirklich SO leben?

  • Mittwoch, 9. März 2016 @ 09:46
Brief eines Lehrers von Karl Gugler

Das frage ich mich entsetzt, seit das Ergebnis der Wien-Wahl 2015 da ist. Nur 1,07 % für Wien Anders ist niederschmetternd.

Auch wenn ich den Anti-Strache-Trick der Häupl-SPÖ gegenrechne, kann einen so ein Ergebnis nur entsetzen und den Glauben an die WählerInnen verlieren lassen.

Was ist …

Von einer besseren Welt träumen!

  • Freitag, 25. September 2015 @ 09:56
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Immer zu Schuljahresbeginn erhalte ich einen Haufen 14-Jähriger anvertraut mit dem Auftrag, ihnen Grundbegriffe der Chemie beizubringen. Nach den Rückmeldungen, die ich von Schülern und Eltern erhalte, gelingt mir das offenbar ganz gut. Besonders interessant für mich sind bei diesem Unterricht jene Momente, wenn Schüler Fragen zur Welt der Erwachsenen, zum Arbeitsleben stellen. Das brennt richtig unter den Nägeln der Jugendlichen und das ist ja auch logisch, wenn man die ersten tollpatschigen Schritte in diese Welt tut. „Lebenskunde“ habe ich solche Unterrichtsabschnitte in der Zwischenzeit getauft. Dieses „Fach“ haben sie sehr gerne. Da habe ich die höchste Einschaltquote.

„Lebenskunde“ enthält Kapitel zur Partnerfindung, Kapitel zur Umwelt und Kapitel zum Arbeitsleben. Zu diesem letztgenannten Thema fällt mir in den letzten Jahren kaum noch Positives ein. Das wäre aber wichtig, weil es den Optimismus der Kinder verstärken würde. Ich kann ihnen fast nur noch Negatives aus der Erwachsenenwelt darüber erzählen.

Sind wir im Sturzflug?

  • Samstag, 25. Juli 2015 @ 18:00
Eine Gemeinheit jagt die andere. Darüber schreibt niemand. Nur der Kaktus!
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Stress im Schulhaus, bei vielen SchülerInnen, aber auch bei den LehrerInnen. Der Juni ist verlaufen wie immer: Tests und Schularbeiten von finaler Bedeutsamkeit mussten organisiert und geschrieben werden, Prüfungen abgelegt; auch die mündliche Matura und zwar in völlig neuartiger Form. Dazwischen: Sprach- und Sportwochen. Kein Wunder also, dass dort und da die Nerven blank gelegen sind. Und teilweise noch liegen. Denn:

Nach wie vor gibt es kein Budget für 2015! Mehrere Computer, Beamer, Audiogeräte, Stromversorgungsanlagen sind tot und dürfen nicht ersetzt werden. Nein, es ist nicht übertrieben: das trifft mich mitten ins (didaktische) Herz! Zurück zur Kreide?

„Bei 22 Stunden Arbeit wär‘ ich dienstagmittags fertig!“

  • Montag, 11. Mai 2015 @ 07:20
„Der wohldurchdachte Sager des Herrn Bürgermeisters in Vorwahlzeiten!"
Brief eines Lehrers an den Kaktus - von Karl Gugler

Sein Ziel: die Gefühle derer anzusprechen, die in den letzten Jahren immer mehr und schneller schuften mussten, dafür – kaufkraftbereinigt – immer weniger Geld zur Verfügung hatten und nun sehen, dass es für ihre Kinder nicht besser, sondern schlechter wird. Zeitgleich wurde denen so gründlich das Hirn gewaschen, dass sie erst gar nicht mehr auf die Idee kommen, die 35 Stunden Woche oder eine 6. oder 7. Woche Urlaub zu fordern.

Das alles haben Sie als Politiker (mit)bewerkstelligt, Herr Bürgermeister. Jetzt rückt der Wahltermin näher und Sie haben offenbar Angst, nicht mehr zu gewinnen. Anders ist mir nicht erklärbar, warum Sie zu schwer untergriffigen und primitiven Aussagen greifen, die man von einem Hrn. Strache kennt, aber ich Ihnen nicht zugetraut hätte. Schließlich sind Sie ein Vertreter einer Partei, die früher einmal einen Bruno Kreisky, einen exzellenten Schul- und Bildungsreformer, an der Spitze hatte.

„Wir alle“ wollen mehr Autonomie!

  • Montag, 2. März 2015 @ 17:05
Brief eines Lehrers von Karl Gugler

„Wir brauchen eine Bildungsrevolution!“, sagt die … Industriellenvereinigung.

Nach zig Jahren Krise bleibt auch der Öffentlichkeit nicht mehr verborgen, dass Verelendung um sich greift. Neben den sogenannten „nicht ausreichend qualifizierten“ Mitmenschen ist davon auch die Infrastruktur, die ein kapitalistischer Staat bereithalten muss, betroffen. Gemäß dieser Logik steht also auch im Bildungswesen eine Neuorganisation an. „Autonomie! Autonomie!“ wird zum neuesten Schlachtruf.

Ganz vorne läuft die Industriellenvereinigung (IV). Was dabei herauskommen soll, wenn der Dachverband der Kapitalisten eine Revolution fordert, ist irgendwo vorhersehbar. Nicht einen Generalstreik will sie, die IV, sondern nur das Bildungswesen sei völlig neu zu machen.

Ihr lasst uns verrotten!

  • Mittwoch, 10. Dezember 2014 @ 08:27
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Und wieder treibt mich eine Jubelmeldung einer stadtregierungsnahen Publikation in intensive Wutanfälle. „wien.at“ vom Oktober 2014, ein Produkt der MA 53, Presse- und Informationsdienst, steuergeldfinanziert vermutlich, schreibt: „Millionen für Bildung – 242 Schulen werden bis 2017 mit 570 Mio EUR saniert!“ Strahlende Kindergesichter und Bildungsstadtrat Oxonitsch allüberall.

Herr Stadtrat, ich lade Sie ein zu einer Begehung unseres Hauses, damit Sie sehen, was Sache ist. Ich will Ihnen ja glauben, dass es auch das Positive – irgendwo – gibt und dass Sie das brauchen. Es sieht hierorts nur so völlig entgegengesetzt zu dem aus, wie Sie es darstellen (lassen).

„Neuer Glanz für Wiens Schulen!“

  • Dienstag, 26. August 2014 @ 07:54
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Das war der Titel eines Artikels im VOR-Magazin vom Juli dieses Jahres. Und weil die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, widmete ich mich sofort seiner Lektüre. Dazu trug auch der viel versprechende Untertitel bei: „Einzigartig! Zeitgemäße und ordentliche Arbeitsplätze für Schüler/innen sind eine wichtige Investition in deren Zukunft.“

Danach machte sich schnell Ernüchterung breit. Offenbar war berichtenswert, dass in Wien mehrere, ziemlich verrottete Schulgebäude repariert werden. Dass das bitter nötig ist, weiß ich aus der Erfahrung mit selbst neu errichteten Schulgebäuden wie unserem, das von Beginn an erhebliche bau- und vor allem ausstattungstechnische Mängel aufwies. Der Kampf um „zeitgemäße und ordentliche Arbeitsplätze“, der kostet mich den größten Aufwand meines Daseins als Lehrer. Fassaden und Dächer reparieren ist gut. Wie aber sehen die Klassenräume im Inneren des Gebäudes aus?

„Wollt ihr die totale Schule?“

  • Donnerstag, 10. April 2014 @ 06:31
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Ich habe lange überlegt und mich mit mehreren geschätzten Kollegen darüber beraten, ob es zulässig ist, das, was gerade mit dem Schulwesen gemacht wird, mit einem furchtbaren Sager von Joseph Goebbels zu überschreiben. Schließlich geht es nicht um Krieg. Niemand im Schulwesen ruft dazu auf, die Angehörigen anderer Völker zu vernichten. Die Rhetorik dazu ist auch bedeutend weniger hysterisch.

Der totalitäre Charakter des neuen Bildungswesens …

„Natürlich wird ein Sparpaket kommen!“

  • Sonntag, 15. Dezember 2013 @ 13:37
Brief eines Lehreres - von Karl Gugler

Der Titel ist ein Zitat der Null-Uhr-Nachrichten auf Ö1 zum Stand der Koalitionsvereinbarungen von SPÖ und ÖVP vom 8.11.2013. Sie, die Kapitalisten und ihre Knechte, die Politiker/innen, lassen es uns schon jetzt wissen, was auf uns zukommt. Klar, die Wahlen sind vorbei. Jetzt oder vielmehr demnächst muss wieder ordentlich regiert werden. Und sie können sich getrost auf die Auswirkungen der Gehirnwäsche, die sie tagtäglich an uns vollbringen, verlassen. Krise, Krise allerorten …

Nicht zufällig ist immer noch Krise angesagt. Das ist sehr zweckmäßig. Damit kann man den Men-schen sehr erfolgreich Angst machen. Dann kuschen die, schnallen bereitwillig den Gürtel noch enger und erklären jeden anderen für verantwortungslos, der gegen diese Frechheiten aufzubegehren vorhat.

Wie eh und je werden es folgende Kapitel sein: Bildung (also: die Lehrer/innen), Gesundheit (also: die Spitalsmisere), Sicherheit (also: Personalkosten der Polizei) und die Pensionist/innen (also: die Kosten steigen zu sehr, weil die nicht rechtzeitig sterben).

Wo bleibt das Positive?

  • Donnerstag, 22. August 2013 @ 07:16
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

25 bisher für diese Zeitung geschriebene Artikel verleiten zur Rückschau (siehe: http://kaktus.kpoe.at/index.php?topic=Schulprobleme). Immer dann, wenn der Termin des Redaktionsschlusses näher kommt, plagt mich das Trauma, das mir meine Deutschlehrerin vor 43 Jahren verabreicht hat. Der Gugler, der ist doch ein germanistisches Nackerpatzl, der kann doch nichts Vernünftiges zu Papier bringen.

25 Artikel zur Eigentherapie einerseits und ein hartnäckiger Kampf, diesen Beruf des Lehrers deutlich besser auszuführen, andererseits, waren die Folge. Die allgemein gültige Leitlinie dafür war bald erkannt: das Wahre, das Gute, das Schöne. Wenn ich es übersetzen darf: die Wissenschaft, die Ethik, die Kunst. So sehen das jedenfalls die Philosophen. Ich fürchte, ich habe die Kunst in meinem bisherigen Geschreibsel etwas vernachlässigt. Sie soll jetzt Platz erhalten, genauer der Teilbereich Musik.

Armut!

  • Mittwoch, 26. Juni 2013 @ 08:46
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Wer hätte in den Siebzigerjahren geglaubt, dass man sich wieder mit Armut auseinander setzen muss? Statt um 2 Wochen Urlaub ging es um 3, dann 4 und 5 Wochen. Von 45 Stunden Arbeit pro Woche waren es bald 42,5, dann 40. Neue Schulgebäude wurden in hoher Anzahl gebaut, der Transport der Kinder dorthin erleichtert, die Schulbücher waren auf einmal gratis. Und wenn man es schaffte, möglichst lange eine weiterführende Schule zu besuchen und daran nicht gehindert wurde, dann rückte da auch schöne Arbeit in Reichweite, noch dazu mit besonders guter Bezahlung.

Na dann, nix wie hin, dachten sich wohl alle Eltern, wenn sie sich die Zukunft ihrer Sprösslinge vor Augen führten. Denn es gilt, damals wie heute: für die eigenen Kinder nur das Beste.

Hoch die internationale ….. Konkurrenz!

  • Samstag, 20. April 2013 @ 17:21
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Wenn ich meine Wochenpläne durchsehe, fällt auf: die „Wettkämpfe“ häufen sich: Wiener Lesetest, Känguru-Mathe-Wettbewerb, Bildungsstandard-Überprüfung Englisch, Evaluierung NMS, PISA-Test, TIMS-Studie, PIRL-Studie, die OECD mit „Bildung auf einen Blick“, dazu das „Jahr der Jungforscher/innen“, der „Talente-Scan Berufsbildung“ des Stadtschulrates für Wien gemeinsam mit der Wirtschaftskammer.

„Wir“ gegen den Rest der Welt!

LehrerInnen – Nörgler, Pessimisten, Jammerlappen.

  • Donnerstag, 20. Dezember 2012 @ 08:57
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Vorsichtige Jubelmeldung in der Wiener Bezirkszeitung: „Druck auf Schulen entschärft – Klassenschülerzahlen in den Gymnasien in der Donaustadt gesunken!“

Fünfundzwanzig pro Klasse – maximal!?

Vor geraumer Zeit wurde von der österreichischen Bundesregierung beschlossen, dass alsbald in keiner Schulklasse mehr als 25 SchülerInnen sitzen sollen. Ich seh' mir also die Klassenlisten der Unterstufe an unserer Schule an und halte hiermit fest: in 14 von 23 Klassen liegt die Anzahl der SchülerInnen bei 26 oder mehr – auch 28, 29 und 30 kommen vor. Das macht 61% Überschreitungsfälle; in den zweiten und dritten Klassen steigt der Satz auf 83%. Wie war das? Druck entschärft?

„MEINE Kinder verdienen die beste Bildung.“

  • Samstag, 27. Oktober 2012 @ 08:05
Brief eines Lehrers – von Karl Gugler

„Was uns bewegt. Die Krone macht’s zum Thema.“ So wirbt die mächtigste Zeitung Österreichs zurzeit. Und man kann sich darauf verlassen, dass die Werbefritzen genau wissen, was das Volk hören will. Genauso könnte man sagen: „Unsere Schi-Asse verdienen das beste Material.“ Die „beste Bildung also für die eigenen Kinder“, die der anderen (welche da wohl gemeint sind?), naja, ist zweitrangig. Zeitungsfritzen müssen eben ihr eigenes Blatt an den Mann / die Frau bringen. Sie schauen deshalb sehr genau dem Volk aufs Maul und erregen damit Sympathie bei ihren Käufer/inne/n.

Politiker/innen denken da schon eine Spur größer...

Barbarei!

  • Freitag, 18. Mai 2012 @ 07:49
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Es ist beeindruckend. Die Kapitalisten veranstalten eine Krise, die dieses Mal von größerer Art ist und deren Auswirkungen sich über mehrere bis viele Jahre erstrecken soll – und die Untertanen zerbrechen sich sofort den Kopf darüber, wie man sie meistern könnte. Da sage noch einmal jemand, dass die Gehirnwäsche nicht funktionierte!

Das Sparpaket folgt auf den Fuß. Die „Beamten“ leisten natürlich wieder einen Beitrag: eine ganze und eine halbe Nulllohnrunde sind es diesmal. Nimmt man als Maßstab für die Einkommenskürzung nicht die (irreführende) Inflationsrate, sondern das Preisniveau des alltäglichen Warenkorbes als Vergleich, dann macht das gut und gerne 10% Lohnkürzung aus.

Und ich dachte bisher, der Herr Neugebauer würde das schon zu verhindern wissen. Nein – der war diesmal rechtzeitig auf Schiurlaub.

Bildungs“volks“begehren!

  • Dienstag, 13. Dezember 2011 @ 17:43
Brief eines Lehrers – von Karl Gugler

Na gut, die Beteiligung des Volkes am Bildungsvolksbegehren war ja nicht gerade berauschend. Ich werde den Eindruck nicht los, dass das Volk teilweise der Meinung anhängt, dass die Inhalte eines solchen Begehrens nicht zum Allerwichtigsten zählen.

Worum es gehen hätte können

Ich gestehe, Frau Direktorin!

  • Samstag, 22. Oktober 2011 @ 09:12
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Es hat Sie also „mit Zorn und Ärger“ erfüllt, als Sie bei der Begehung unseres Schulgebäudes mit einem Inspektor von der Bundesimmobiliengesellschaft hören mussten, dass da ein Lehrer, wildgeworden, ohne ihr Wissen eine „unzulässige bauliche Veränderung“ vorgenommen hat.

Dass Sie Ihrem Unmut darüber vor der voll versammelten Kolleg/inn/enschaft Ausdruck verleihen mussten, geschah vermutlich in der Absicht, es zu verhindern, dass so etwas ein weiteres Mal auftreten könnte.

Lügen, Lügen, nichts als Lügen!

  • Donnerstag, 12. Mai 2011 @ 06:52
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

Vielleicht sollte ich mich wirklich einmal selbstständig machen und eine Hellseherei-Firma aufmachen. Dass die Lehrer-Beschimpferei jetzt aufhören würde, habe ich in der letzten Kaktus-Nummer geschrieben. Dass das mit einer derartigen Vehemenz geschehen würde, hätte ich nicht gedacht.

Das Paradies .....

PISA: „Wir“ unter den Schlechten! Na endlich!

  • Dienstag, 22. März 2011 @ 19:26
Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

„PISA (….) beleuchtet die Qualität von Schulsystemen und deren Eignung, Schüler/innen auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Dazu werden die Kompetenzen der 15/16-Jährigen in drei zentralen Bereichen gemessen: Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft.“ So steht es auf der ersten Seite des BIFIE, des österreichischen Bundesinstituts für Bildungsforschung. Also, in den „Herausforderungen der Zukunft“ haben „wir“ dramatisch Boden verloren – der kapitalistischen Zukunft, würde ich gerne ergänzen...

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