Ankündigungen der Stadt Wien versprechen oft viel mehr als dahintersteckt
Was verstehen Sie, werte Leserin, werter Leser unter einem „Wäldchen"? Mindestens ein Dutzend nicht allzu kleiner zusammenstehender Bäume? Manche unserer Stadtmütter und -Väter sehen das offenbar anders. Für Frau Vizebürgermeisterin Dr. Sima stellen ein (!) Baum und eine Fülle von Stauden, über die er ein wenig herausschaut, ein „Wäldchen" dar! Wenn Sie das nicht glauben wollen, dann überzeugen Sie sich selbst und schauen sich das „Wiener Wäldchen“ in der Langobardenstraße bei der neuen Schule an!
Das grüne Geviert ist durchaus nett und mag den Schülern auch wie vorgesehen zur Beobachtung des Pflanzenwachstums dienen, die Propaganda, die damit betrieben worden ist (der KAKTUS hat darüber berichtet), mutet allerdings seltsam an.
Wissen wir also jetzt, was man als Donaustädter unter einem „Wäldchen" zu verstehen hat, stellt sich die Frage, was für die Stadt Wien und unsere Bezirksvorstehung ein Wald ist. Die Frage lässt sich (vielleicht) bei einem Lokalaugenschein bei uns im Bezirk beantworten. Wir haben nämlich den Norbert-Scheed-Wald. Bald nach dem Ableben des Bezirksvorstehers im Jahre 2010 wurde jener – unter einem gerüttelten Maß an Selbstbeweihräucherung der Stadt und des Bezirks – errichtet und eröffnet. Wer die Versprechungen von Stadt und Bezirk glaubte, durfte sich ein beachtliches Naherholungsgebiet erhoffen. Die Realität sieht etwas anders aus.
Wo dieser Wald tatsächlich ist, wissen nur Eingeweihte. Wir dürfen Sie zu einem Erkundungsgang einladen. Vielleicht sind Sie erfolgreich. Ein Tipp: Suchen Sie eher im Osten des Bezirks und lassen Sie die Hoffnung fahren, das Gesuchte auf einem Stadtplan zu finden. Auch in der Nähe der Scheedgasse ist der „Hain“ nicht. Und noch etwas: Halten Sie nicht nach etwas Ausschau, was in Ihren Augen ein Wald ist!
Angesichts der großspurigen Ankündigungen („größer als der Helmut-Zilk-Park hinter dem Hauptbahnhof“) darf man gespannt sein, wie der Park hinter den Neubauten an der Berresgasse und das „riesige Natur-2000 Gebiet“ auf dem Gebiet des ehemaligen Verschiebebahnhofs Breitenlee aussehen werden. Ob der Park naturnah oder steril sein wird, wird sich weisen. Die Felder, die noch vor einigen Jahren auf diesem Gebiet gewesen sind, wird er nicht ersetzen.
Bahnhof Breitenlee: Zu viele Eingriffe in die Natur
„Wien holt sich die Natur zurück“. Unter diesem Titel bewirbt Klimastadtrat Jürgen Czernohorsky die Pläne für die rund 90 Hektar große Fläche auf dem ehemaligen Verschiebebahnhof Breitenlee. Es wird versprochen, streng geschützten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu schaffen, versiegelte Flächen zu beseitigen und artenbedrohende Pflanzen zu beseitigen. Das ist durchaus erfreulich, muss man doch froh sein, wenn frei gewordene Flächen nicht verbaut werden.
Allerdings wird hierbei übersehen, dass sich die Natur in den letzten Jahren schon vieles selbst zurückgeholt hat und in diesen Prozess nur vorsichtig eingegriffen werden sollte. Wenn von mehreren „Einstiegsstellen“ für Besucher, einem Leitsystem und Beobachtungsplattformen die Rede ist, so mag das auf die Pflanzen wenig Einfluss haben, die Tierwelt wird um einen Rückzugsort ärmer. Für ein Sich-zurück-holen der Natur wäre weniger mehr.