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LobAu-Autobahn: Monsterprojekt mit irreversiblen Folgen!

  • Freitag, 21. März 2025 @ 06:25
Ein KAKTUS-Onlinebericht von Karin Puder-Wehofer über einen Vortrag von Jutta Matysek in Essling am 17.3.2025

Jutta Matysek, die Obfrau der Bürgerinititative Rettet die Lobau- Natur statt Beton hielt im Pfarrsaal Essling einen Vortrag und weit über 100 interessierte Bürger*innen folgten dieser Einladung.

Der Informationsabend wurde von der Initiative Esslinger für die LobAu im Rahmen der Vortragsreihe „LobAu soll leben" organisiert und fand in gewohnter Qualität und Informationsdichte statt.

Neben vielen Bildern, Grafiken und Zahlen wurden auch eine große Anzahl an Hintergrundinformationen dargeboten, somit also ein aktuelles Update zur leider noch immer drohenden Autobahn durch den Nationalpark Donau-Auen/LobAu, gegeben.

Betreffend die S1-Nordostumfahrung inklusive Lobautunnel sind nach wie vor 6 Verfahren der Behörden und vor Gerichten im Laufen. Neben naturschutz- und wasserrechtlichen Beschwerdeverfahren (Bundesverwaltungsgericht) hat die ASFINAG selbst auch Projektänderungsverfahren zum UVP-Verfahren eingereicht, eines betrifft die Tunnellüftungsanlagen und Tunnelsicherheit, eine weitere eine deutliche Erhöhung der erforderlichen Anzahl an LKW-Fahrten während der Bauphase. Das BVwG hat nun den EuGH eingeschaltet, denn es stellt sich die Frage, ob die Bundesstraßengesetz-Novelle aus dem Jahr 2006 nicht unionswidrig ist.

Das Bundesverwaltungsgericht hat übrigens kürzlich gegen den Bau der Marchfeld-Schnellstraße S8 entschieden. Die S8 sollte Wien mit Bratislava verbinden, wurde aber als „nicht umweltverträglich“ erkannt, da sie durch das Natura 2000-Gebiet geführt hätte.
2020 wurde auch die geplante Waldviertelautobahn abgesagt - die Nachteile hätten überwogen. Gute Gegenargumente können also doch etwas bewirken.

Nicht zu unterschätzende Fürsprecher...

Der Flughafenvorstand wünscht sich gleich eine breitere Variante, schließlich bedeutet die bequemere Erreichbarkeit auch höheres Passagieraufkommen und damit ein weiteres Argument für eine 3. Piste. Für die Esslinger bedeutet das durchaus ein worst-case-Szenario: mehr Lärm durch Flieger plus Autobahn …

...aber ebenso viele Gegenargumente
  • Keine guten Aussichten bestehen auch für das große Feld beim Autokino, denn der jetzige Feldweg neben dem Reitstall würde zur Transportstraße für täglich hunderte LKWs ausgebaut, der Aushub müsste ja dort zwischengelagert werden. Hier würde auch der Tunnel in der Baustellenphase an die Oberfläche kommen, später erfolgt dann eine Einhausung bis zum Tunnelportal. Schlussendlich ist ein 10m hoher Abgasturm neben dem Autokino geplant.
  • Die Lobau ist eine Au, ein Wasserwald, während der Bauphase müsste permanent Grundwasser abgepumpt werden - was das für unsere Hausbrunnen bedeutet? Wer kann das mit Sicherheit sagen, wie sich der Grundwasserspiegel verhalten würde, die gleiche Sorge haben auch die Gemüsegärtner auf der Schwechater Seite des Tunnels…
  • Nach der sicher Anrainer-belastenden Bauphase können wir laut ASFINAG mit einer stark steigenden Verkehrsbelastung in den nördlichen Donaubezirken rechnen: 60.000 Fahrzeuge täglich.
    Der ÖAMTC verspricht sich eine Verkehrsentlastung der Südosttangente, allerdings nur kurzzeitig. Ebenso schaut es mit der Esslinger Hauptstraße aus, einem Rückgang würde binnen weniger Jahre wiederum ein Anstieg auf die jetzige Anzahl folgen. Für den Lobautunnel gibt’s bereits Stauprognosen: Richtung Norden jährlich 161 Stunden, Richtung Süden jährlich 264 Stunden. Fix ist auch die Zunahme von Abgasen, Feinstaub, Straßen- und Reifenabrieb (LKW-Reifen um 150% mehr), auch Mikroplastik und CO2-Emissionen. In den Bezirken nördlich der Donau könnte die Schadstoffbelastung um 60% zunehmen.
  • Der Verlust von 178 Hektar Ackerland und weitere Bodenversiegelung durch die Ansiedlung von Industrieflächen und einem Gewerbe-Speckgürtel, der den sogenannten Doughnut-Effekt mit sich bringt, also die Verlagerung des Shoppingverhaltens weg von den Ortkernen ins Stadtumland.
Ein drohendes Milliardengrab!

Die geschätzten Kosten für die geplante Lobau-Autobahn sind während der letzten 20 Jahre auch deutlich angestiegen, sprach man 2004 noch von 1,4 Milliarden Euro, so wird es laut Umweltbundesamt mittlerweile um 1 Milliarde teurer, allerdings steigen Bau-, Material- und Personalkosten beständig weiter an, was auch für die spätere Erhaltung des Tunnels gilt. Die zusätzlichen Kosten durch unvorhergesehene Ereignisse können noch gar nicht abgeschätzt werden, beispielsweise weil die Dichtwände von den Altöllagern, die sich in der Lobau befinden, durchbohrt werden müssen. Das Altlast-Tanköllager Lobau stammt aus dem zweiten Weltkrieg, dort wurde auch verstärkt bombardiert, Blindgänger kann man natürlich nicht ausschließen, das gilt auch für die Schwechater Seite. Das Schwechater Tief wiederum ist eine tektonische Störungszone mit Tiefenwässern (siehe Oberlaa), die geologische Tiefenstruktur besteht aus Kiesen und Sandschichten, also kein besonders fester Untergrund beim Tunnelbau.

Die EU investiert übrigens 6,5 Milliarden Euro um Autobahnen „Panzer-fit“ zu machen, was das für die Lobauautobahn bedeutet, ist noch unklar…

Die TU Wien und die TU Graz sind sich einig.
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Ihre Empfehlung lautet KEINEN Lobautunnel zu bauen und das Umweltbundesamt berechnete Alternativen mit vergleichbarer Verkehrsentlastung mit 0,4 Milliarden Euro.

Jutta Matysek konnte mit ihrem umfassenden Faktenwissen, den Zahlen, Grafiken und Bildern einmal mehr klarstellen, dass es ausgesprochen wichtig ist, sich gegen den Lobautunnel und für klimafreundlichere Alternativen einzusetzen.

Veranstaltungsempfehlung: Mobilitätskonzepte und Verkehrsszenarien
mit Dipl.-Ing. Ulrich Leth (Verkehrsforscher und -planer, TU Wien)
am 5.5.2025 um 18:30 wieder im Pfarrsaal Essling.