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Die „Mega-Radweg-Offensive“

  • Mittwoch, 23. Februar 2022 @ 23:27
Was aus unserer Sicht davon zu halten ist


Grafik von mobilitätsagentur wien und Stadt Wien

„Bis 2025 sollen 80% der Wiener Wege mit dem Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden“, heißt es im Wiener „Fachkonzept Mobilität“. Da dazu auch der Fahrradverkehr beizutragen hat, soll nun die Radinfrastruktur in der Donaustadt ausgebaut werden, kündigen Ulli Sima und Ernst Nevrivy in einer Presseaussendung am 17.2. 2022 an.

In der Tat sind die Pläne beachtlich, wenngleich die Umsetzung mancher der Vorhaben schon für 2021 projektiert war. (Wir wollen mal nicht kleinlich sein.) Wer regelmäßig an den Sitzungen der Bezirksvertretung Donaustadt teilnimmt, in denen die von den Grünen eingebrachten Vorschläge zur Verbesserung des Radnetzes im Bezirk seit Jahren von SPÖ, FPÖ und ÖVP beharrlich als „Autofahrer-ärgern-Wollen“ abgelehnt wurden, weiß, dass der Sinneswandel ein gewaltiger ist.

Was also sind die Pläne, die für das Jahr 2022 und als „Auftakt“ zu einer noch viel weiterreichenden Radwegoffensive angekündigt sind und nicht weniger als 18 km zusätzliche Radwege bereits 2022 bringen sollen? Die Stadt ist bereit, dafür € 20 Millionen in die Hand zu nehmen. Auch wenn das im Vergleich zu der alleine für die umstrittene Stadtstraße vorgesehenen halben Milliarde „a Lerchalschaß“ bleibt, wollen wir die Radwegausbaupläne keinesfalls kleinreden.

Verbindungen im Hauptradverkehrsnetz

Aus den Mitteln der Stadt sollen folgende Straßenzüge mit Radinfrastruktur ausgestattet bzw. ihre Nutzung für Radfahrer_innen verbessert werden:

+ Donaustadtstraße: ein 2,5 km langer Zwei-Richtungs-Radweg zwischen Wagramer Straße und Neuhaufenstraße, errichtet in drei Etappen und 4 m breit. 2022 werden nur die Teilstücke zwischen Langer Allee und Neuhaufenstraße und zwischen Wagramer Straße und Erzherzog-Karl-Straße umgesetzt, der mittlere Abschnitt kann aufgrund der Errichtung eines Gemeindebaus erst 2023 gebaut werden.

+ Breitenleer Straße: Diese bekommt zwischen Kagraner Platz und Am Langen Felde einen Ein-Richtungs-Radweg und zwischen Am Langen Felde und Ludwig-Reindl-Gasse einen eingefärbten Bus- und Radstreifen auf beiden Straßenseiten. Außerdem sollen noch heuer durchgängige Gehsteige errichtet und 40 neue Bäume gepflanzt werden. In weiterer Folge wird dann die Lücke im Radnetz auf der gesamten Breitenleer Straße bis zur Stadtgrenze zur Gänze geschlossen werden.

+ Wagramer Straße: In der zweiten Jahreshälfte 2022 wird zwischen Arbeiterstrandbadstraße und Siebeckstraße ein baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg geschaffen, wobei der über die Kagraner Brücke führende Abschnitt neben der Fahrbahn und vom Fußgänger_innenverkehr getrennt verlaufen wird. 2023 ist dann die Realisierung von Ein-Richtungs-Radwegen zwischen Siebeckstraße und Kagraner Platz geplant, wobei der Platz dafür durch Entfernung der dort noch befindlichen Straßenbahngleise geschaffen wird.

+ Mayredergasse: Der Abschnitt zwischen Lackenjöchelgasse und Breitenleer Straße wird befestigt und so für Radfahrer_innen auch bei Schlechtwetter nutzbar gemacht.

+ Erzherzog-Karl-Straße: Zwischen Wagramer Straße und Industriestraße werden auf beiden Seiten Radwege errichtet, die in einem nächsten Schritt zur Kreuzung Donaustadtstraße weitergeführt werden sollen.

+ Schickgasse – Vernholzgasse: Die Schickgasse wird verkehrsberuhigt und fahrradfreundlich gestaltet und via Langobardenstraße mit der Vernholzgasse verbunden, die allerdings für jeglichen Verkehr geöffnet bleibt.

+ Kaisermühlenstraße: Ein Zwei-Richtungs-Radweg zwischen Mühlwasserstraße und Donaustadtbrücke soll die Lücke auf der Route zur Donauinsel schließen.

Allein diese Verbesserungen der Radinfrastruktur umfassen eine Länge von 14 km.

Zusätzliche Bezirksprojekte im Umfang von 2 km.

Darüber hinaus werden aus dem Bezirksbudget für folgende Straßenzüge Radinfrastruktur errichtet:

+ Am Langen Felde zwischen Wagramer Straße und Breitenleer Straße ein 670 m langer Zwei-Richtungs-Radweg.

+ Die Ludwig-Reindl-Gasse erhält zwischen Breitenleer Straße und Rennbahnweg ebenso einen Zwei-Richtungs-Radweg.

+ Entlang des Barbenwegs entsteht eine Radverbindung zur Kaisermühlenstraße.

+ Die Tietzestraße erhält zwischen der Erzherzog-Karl-Straße und der Donaustadtstraße einen Lückenschluss im Radnetz, in welcher Form genau, ist allerdings noch nicht bekannt.

+ In der Wiethestraße wird das letzte noch unbefestigte Stückchen von 100 m Länge zwischen Kiwischgasse und Stadtgrenze befestigt – endlich, könnte man sagen!

+ Eine Querung der A23 soll Radfahrer_innen (und hoffentlich auch Fußgänger_innen) durch Verlängerung der Oberfeldgasse ermöglicht werden – die Varianten hierzu befinden sich allerdings noch im Prüfungsstadium.

Mit weiteren Maßnahmen, wie Radfahren gegen Einbahnen, der Errichtung von verkehrsberuhigten Bereichen und gemischten Geh- und Radwegen sollen die restlichen ein bis zwei Kilometer einer verbesserten Radinfrastruktur geschaffen werden.

Kritische Anmerkungen

So wird seitens der Grünen bemängelt, dass in der Donaustadtstraße und der Wagramer Straße der Radweg nur auf einer Seite gebaut werden soll, ebenso das Fehlen eines eigenen Radweges auf der quasi neu angelegten Breitenleer Straße, auf der sich Radfahrer_innen mit Bussen einen farblich markierten Fahrstreifen teilen müssen. Vor allem für Kinder wird darin ein großes Gefahrenpotential gesehen.

Sinnvoll wäre auch die App „Sag’s Wien!“ für Vorschläge von Radfahrer_innen zur Verbesserung der Radinfrastruktur nutzbar zu machen, denn schließlich sind sie es, denen es am ehesten auffällt, wenn ihr Fortkommen plötzlich unmöglich oder erschwert ist.

Gemischte Gefühle

Insgesamt bleiben bei aller auch berechtigten Kritik die Pläne beachtlich. Es ist dennoch anzumerken, dass sich die Presseaussendung von Stadträtin Sima angesichts ihres sturen Festhaltens an der umstrittenen „Stadtstraße" ein bisschen wie eine Abbitte für das ,Beton-Monster Stadtstraße‘, und für viele klimabewußte Donaustädter_innen als eine PR-mäßig aufgeblähte und schön verpackte Alibihandlung liest.

In welche Teufelsküche haben sich die SPÖ Wien und der Bezirk Donaustadt von wem und warum auch immer reiten lassen, um den Bau der „Stadtstraße" überhaupt in Erwägung zu ziehen? Sie konterkariert nämlich den angestrebten „Modal Split von 80:20 bis 2025".

Aber das sei nur am Rande angemerkt.