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Goethehof - Sichtbares Gedenken und Erinnern wird ermöglicht

  • Mittwoch, 27. Mai 2026 @ 11:41
Nachdem von öffentlicher Seite keine Errichtung einer Gedenkstele für die Opfer des Nationalsozialismus im Goethehof umgesetzt wurde, wird nun seitens des zivilgesellschaftlichen Vereins „Steine des Gedenkens“ eine Gedenktafel errichtet. Die Eröffnung findet am 19. Juni um 15 Uhr beim Goethehof statt.

In der Donaustädter Bezirksvertretungssitzung vom März dieses Jahres wurde seitens der KPÖ ein Antrag zur Umsetzung einer Gedenkstele für die rund 130 Bewohner*innen des Goethehofs, welche während der nationalsozialistischen Herrschaft vertrieben, verfolgt oder getötet wurden, gestellt.

Bezuggenommen wurde darin vor allem auch auf die vergangenes Jahr stattgefundene Ausstellung „Auch das waren wir“ in Kaisermühlen, deren Ziel die Rekonstruktion von Biografien der von dem Nationalsozialismus verfolgten (ehemaligen) Bewohner*innen des Goethehofs war. Eine solche Gedenkstele könnte nicht nur ein würdiges Erinnern und Gedenken ermöglichen, sondern auch Lehren für heute aufzeigen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der FPÖ von allen anderen Bezirksparteien angenommen.

Die Rückmeldung der zuständigen Stadträtin Elke Hanel-Torsch war jedoch weniger erfreulich. Sinngemäß hieß es darin, dass die finanziellen Mittel von Wiener Wohnen hinsichtlich Erinnerungsarbeit und Gedenkkultur sehr beschränkt sind, das (wirklich gute)Projekt „Der Wiener Gemeindebau während der NS – Zeit“, im Zuge dessen die Ausstellung stattfand, bereits beendet ist und somit eine Umsetzung nicht stattfinden kann. Verwiesen wurde jedoch auf das Engagement zivilgesellschaftlicher Vereine, welche sich mit Erinnerungskultur im öffentlichen Raum auseinandersetzen.

Soweit die bedauerliche Rückmeldung seitens der öffentlichen Institutionen, welche leider den Stellenwert von lokaler öffentlicher Erinnerungs- und Gedenkkultur im Kontext „budgetärer Rahmenbedingungen“ aufzeigt.

Steine des Gedenkens

Umso erfreulicher ist jedoch die Tatsache, dass sich zivilgesellschaftliche Vereine aktiv für eine öffentliche Gedenk- und Erinnerungskultur einsetzen. Einer davon ist „ Steine des Gedenkens “. Mit öffentlich angebrachten Gedenktafeln erinnert dieser Verein an Verfolgte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, recherchiert und informiert über das Schicksal der Betroffenen und setzt damit auch heute ein deutliches Zeichen gegen rassistisches und diskriminierendes Gedenkgut, welches nach wie vor verbreitet ist.

Da es von öffentlicher Seite aus keine finanziellen Mittel für eine Gedenkstele für die durch den Nationalsozialismus verfolgten Menschen im Goethehof gab, nahm sich dieser Verein von sich aus dieser Thematik an und den Goethehof in sein Programm auf. Nun soll beim Goethehof eine Gedenktafel für alle jüdischen und politisch verfolgten Menschen des Hofs, welche von 1938 -1945 gekündigt, vertrieben oder ermordet wurden, errichtet werden.

Die feierliche Eröffnung findet am 19. Juni um 15 Uhr beim Goethehof (Schüttaustraße 1-39, 1220 Wien) statt.