Wann heißt es endlich, der Lobau-Tunnel kann nicht gebaut werden, weil wir sparen müssen?
Dienstag, 21. April 2026 @ 20:02
Stellen Sie sich vor, Sie wohnen 100 Meter neben einem großen Einkaufszentrum und brauchen eine halbe Stunde oder länger, um dorthin zu gelangen.
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Klingt unwahrscheinlich, aber genau das erwartet Sie in der Donaustadt und zwar bis auf Weiteres. So sehen das zumindest die Bewohner_innen der Neubauten im Grätzl Marlen-Haushofer-Weg / Pogrelzstraße / Raffenstättergasse / Leopold-Kohr-Straße / Schanze. Denn ihr Bezirksteil ist durch die S2 und die Bahn-Trasse vom Gewerbepark Stadlau getrennt.
Aufgrund der Sparmaßnahmen der Stadt wird nun der Bau des geplanten Fußgänger- und Fahrradübergangs verschoben., die Station Forstnergasse der Straßenbahnlinien 26 und 27, beide halten bei Gewebepark Stadlau, liegen in die entgegengesetzte Richtung zu Ihrer Wohnung und zum Gewerbepark, in dem Sie vielleicht einkaufen gehen wollen.
Als Radfahrer:in haben Sie sich vielleicht schon gefreut, von Kagran aus, ihre Freund:innen in der Berresgasse, in der Seestadt oder in Eßling zu besuchen oder im Sommer im Badeteich Hirschstetten schwimmen zu gehen. Oder sie wohnen am Oberen Hausfeld und wollten mit dem Rad zum Kagraner Platz zur Arbeit fahren. Aus all diesen Plänen wird nun nichts.
Die 700 m lange Rad- und Fußgängerbrücke entlang der Straßenbahnlinie 26 und 27 hätte € 28 Mio. gekostet. A propos: Überlegenswert wäre, die beiden getrennt zu führen, zumindest sehen das viele potentielle Nutzer:innen so, glaubt man deren Stimmen im Internet. Das sollte bei der Umsetzung also bedacht werden. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Sparstiftpolitik, die ausgerechnet bei den Nutzer:innen klimafreundlicher Mobilität angesetzt wird. Gerade so als wären diese Verkehrsteilnehmer:nnen zweiter Klasse. Wo nämlich nicht gespart wird ist beim Ausbau der S1 Lobau-Autobahn samt Tunnel. Dieses Projekt kostet € 6 Mrd., hat großflächige Bodenversiegelungen und einen Eingriff in die Grundwasserversorgung der geschützten Aulandschaft der Lobau zur Folge.
Die KPÖ hatte im Dezember 2025 eine die besagte Fußgänger- und Radbrücke betreffende Anfrage an den Bezirksvorsteher gestellt. Die Antwort damals lautete, dass es sich bei dem Vorhaben um eine „Einzelmaßnahme mit besonders hohem Investitionsvolumen“ handelt. Wie wir gesehen haben, ist der Begriff des „hohen Investitionsvolumens“ ein relativer und gilt nicht für alle Vorhaben gleichermaßen. Auch der Bezirk sieht, dass „… es sich grundsätzlich um eine wichtige lokale Fußwegeverbindung und Teil einer bezirksübergreifenden Radverkehrsachse handelt“, weshalb eine Weiterführung angestrebt wird.
Hoffen wir also, dass diese nicht auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben bleibt. Und dass die Gemeinde ihre verkehrspolitische Prioritätensetzung überdenkt.