Willkommen bei KAKTUS - Online / KPÖ-Donaustadt Montag, 17. Januar 2022 @ 06:45

Es gibt sie doch, die Alternativen!

  • Montag, 6. Dezember 2021 @ 09:45
Margaret Thatcher hatte nämlich nicht recht, meint Hilde Grammel

Die Bezirksvertretung Donaustadt, die Stadt Wien und das Land Niederösterreich brauchen nicht in Ratlosigkeit oder gar Traurigkeit zu verfallen. Zwar hat Bundesministerin Leonore Gewessler dem Bau der S1 mit dem Lobau-Tunnel eine Absage erteilt und so den Nationalpark Lobau für künftige Generationen vorerst gerettet. Das ist gut so und nicht nur wir, selbst die jetzt – ob dieser Entscheidung – noch fassungslosen Politiker*innen werden ihr einmal dankbar sein. Denn Klimapolitik ist weitsichtige Politik.

Jetzt darf man gespannt sein, in welcher Form die Wiener Regierung gedenkt, die Stadtstraße umzusetzen, da Gewessler die nördlich der Seestadt verlaufende S1-Spange ja genehmigt hat. Diese hätte gemeinsam mit der Stadtstraße, über deren Realisierung alleine in Wien entschieden wird, ein Verbindungsstück zwischen der nun nicht realisierten Lobau-Autobahn und der Südost-Tangente sein sollen.

Die Besetzer*innen, deren Engagement es zu verdanken ist, dass das Thema am Tisch blieb, haben jedenfalls angekündigt, auch da ein Wörtchen mitreden zu wollen und werden vorerst die Baustellen und das Basis-Camp nicht räumen. Denn die Frage des nötigen Ausbaus des öffentlichen Verkehrs in Wien und Umgebung ist bis dato ungelöst.

Nicht nur Autobahnen, auch vierspurige Stadtstraßen sind im Zeitalter des drohenden Klimakollapses nicht mehr zeitgemäß. Aufgabe der politisch Verantwortlichen wäre es daher, Alternativen dazu vorzulegen und sich daranzumachen, diese umzusetzen. Schließlich drängt die Zeit. Im Folgenden will ich mich diesen widmen, da es offenbar Aufgabe der Zivilgesellschaft bleibt, diese der Politik vorzuschlagen.

Alternativkonzepte, die dringend geprüft werden sollten

+ Der Wiener Schmetterling: Dabei handelt es sich um ein Konzept für eine innerstädtische Schnellbahnlinie, das alle U-Bahn-Linien mehrfach und alle von Wien abgehenden und in Wien ankommenden Bahnlinien anbindet. Diese wäre noch dazu kostengünstig realisierbar, da die Gleisanlagen ebenso wie die Stationen bereits vorhanden sind.
+ Das von Andreas Gold ausgearbeitete Verkehrskonzept der Grünen: Dieses sieht u.a. die Errichtung von Expressbuslinien vor, die die Donaustadt mit Floridsdorf verbinden. (Alternativ dazu wäre eine U-Bahn denkbar, immerhin leben in den transdanubischen Bezirken fast 400.000 Menschen, Anm. d. Verf.). Die Errichtung jahrelang angekündigter und zusätzlicher neuer Straßenbahnlinien. Der viergleisige Ausbau der Ostbahnbrücke, wodurch dichtere Intervalle möglich wären. Die Verlängerung der S-80 über den Telephonweg nach Raasdorf und Marchegg. Die Wiedereröffnung der S-Bahn-Stationen Hausfeldstraße und Lobau.
+ Die Vervollständigung und der Ausbau des Radnetzes, inklusive der Errichtung von Radschnellrouten von der Donaustadt ins Stadtzentrum und von Langenzersdorf bis Großenzersdorf u.a. Dabei wäre auf ausreichende Breite und bauliche Trennung der Radwege sowohl vom Auto- als auch vom Fußgängerverkehr und auf sichere Kreuzungen zu achten.

Klimaschutz ist parteienübergreifende Aufgabe

Manchmal kann es durchaus sinnvoll sein, sich mit den Vorschlägen der politischen Opposition auseinanderzusetzen und diese nicht als „fetzendeppert“ (wie die FPÖ das gerne - unter stillschweigender bis wohlwollender Zustimmung der SPÖ-Mandatar*innen - nennt) abzutun. Schließlich kann der Kampf gegen den Klimawandel nicht im Gegeneinander, sondern nur in einer gemeinsamen Anstrengung erfolgreich geführt werden. Politisches Profilierungsgehabe und kleinlicher Fraktionsgeist sind in dieser Sache nämlich fehl am Platz. Mit Maßnahmen, die es wagen, die Bewegungs- und Nutzungshoheit der Autofahrer über den öffentlichen Raum in Frage zu stellen, geht es keineswegs darum, sie ärgern zu wollen. Es geht um das Wissen darum, dass wir eine Verantwortung tragen für künftige Generationen und den Planeten!

Zum Thema „Alternativen-zum-Lobautunnel" auch ein Gastkommentar von Prof. Hermann Knoflacher (03.12.2021, Wiener Zeitung).