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Siamo tutti Antifa – Gemeinsames Gedenken an den Februar 1934

  • Donnerstag, 19. Februar 2026 @ 14:30
Auch heuer fand die von „Rassismusfreies Transdanubien“ organisierte, mittlerweile schon traditionelle überparteiliche, transdanubische Februargedenkkundgebung in Kaisermühlen statt.

Die Veranstaltung in diesem Jahr stand unter dem Motto „Wir sind alle Antifaschist*innen“. Startpunkt war diesmal die Donaucitykirche nahe der U1 Station Kaisermühlen, von wo aus es gemeinsam zum Goethehof ging. Nach Redebeiträgen der beteiligten Organisationen und musikalischen Einlagen des Chors „Hor 29 novembar“, ging es zum Abschluss ins „Werkl“ im Goethehof. Dort klang die Kundgebung bei Speis bzw. Trank und dem gemeinsamen Singen von Arbeiter*innenliedern aus.

Beteiligte Organisationen waren unter anderem: Bündnis 12. Februar, Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Gewerkschaftlicher Linksblock – GLB, die Grünen, die Revolutionäre Kommunistische Partei – RKP, der KZ – Verband und natürlich zahlreiche unabhängige Einzelpersonen. Mit dabei war selbstverständlich auch die KPÖ - Anbei findet sich der Redebeitrag von Bezirksrat Bernhard Gaishofer, welcher als deren Vertreter sprach.

„Verehrte Anwesende, geschätzte Antifaschistinnen und Antifaschisten, liebe Genossinnen und Genossen,

auch ich darf euch alle recht herzlich zu dieser überparteilichen, transdanubischen Februargedenkveranstaltung begrüßen! Gedenken heißt Erinnern, aber auch Lehren daraus für heute zu ziehen. Dies kann in den unterschiedlichsten Formen passieren. Ich darf ich in diesem Zusammenhang auf ein wirklich interessantes Projekt aufmerksam machen, welches vergangenes Jahr in Kooperation zwischen dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und von Wiener Wohnen stattfand und im Zuge dessen zahlreichen Biografien von Menschen aus dem Gemeindebau erforscht wurden, welche entweder verfolgt wurden oder Widerstand leisteten. Auch (euch wahrscheinlich bekannte) Bewohner*innen des Goethehofs wurden darin behandelt: So etwa die Familie Strecha, welche sich schon in den Februrarkämpfen aktiv an der Verteidigung der Demokratie beteiligte und auch während des Nazi Diktatur einen hohen Blutzoll zahlen mussten (z.B. Georg und Valentin Strecha). Oder Anni Haider, welche sich auch an der Verteidigung des Goethehofs beteiligte und während des Nationalsozialismus mit katholischen Ordensschwester Restituta eingesperrt wurde mit der sie eine tiefe Freundschaft verband. Nicht unerwähnt lassen möchte ich eine andere behandelte Familie (zwar nicht aus dem Goethehof, aber von einem Gemeindebau in Kagran und vor allem als ein wirklich beeindruckendes Beispiel von generationsübergreifendem Engagement): Familie Wundsam. Bereits während der Februarkämpfe aktiv, engagierten sich Othmar und Hilde Wundsam auch gegen das Nazi Regime. Hilde und Anna (die Mutter) versteckten auch einen Widerstandkampfer (Josef Zettler), was jedoch bekannt wurde und alle wurden in Konzentrationslager deportiert, sie mussten sich an Todesmärschen beteiligen, welche sie jedoch überlebten. Nach der Befreiung waren sie künstlerisch, politisch und volksbildnerisch ausgesprochen engagiert. Nachbemerkung hierzu möchte ich mir auch noch erlauben: Einen Initiative der KPÖ Donaustadt zur Benennung ihres Wohngemeindebaus nach eben der Familie Wundsam fand bei den anderen Parteien leider keine Unterstützung.

Warum erzähle ich das? Dieses Gedenken und auch die Auseinandersetzung mit Geschichte und Biographien ist weder ein Selbstzweck, noch eine Selbstbeschäftigung oder gar „linke“ Folklore. Es ist ein wichtiger Beitrag zur aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Aber damit darf unser Engagement nicht enden! In diesem Zusammenhang möchte ich noch kurz auf einen weiteren Punkt eingehen, welcher keineswegs ein abstraktes Problem ist, uns alle etwas angeht und natürlich auch mit unserem antifaschistischen Kampf im Zusammenhang stehen muss – die aktuelle Spar- und Kürzungspolitik.

Wie Ihr bereits alle miterleben konntet erleben wir in Wien gerade das größte Einsparungs- und Kürzungspaket in der Geschichte, wobei die Streichung von Leistungen und das Erhöhen von Tarifen quasi jeden Lebensbereich betrifft und tagtäglich spürbar ist. Ähnlich verhält es sich auf Bundesebene wo einerseits (weil es die allgemeinen Sachzwänge notwendig machen) fleißig daran gearbeitet wird möglichst viele Leistungen zu kürzen und arbeitsrechtliche Standards abzubauen, andererseits aber (auch das, weil es die allgemeinen Sachzwänge alternativlos machen) historisch viel Geld für Rüstung und Waffen ausgegeben werden soll. Aber warum erwähne ich das bei einer Februargedenkveranstaltung? Weil ebensolche Entwicklungen des / im kapitalistischen System(s) schon in der Vergangenheit zu einem Aufschwung des Faschismus, eines Aushöhlens bzw. letztendlich Zerschlagens demokratischer und sozialer Standards geführt und eines gegeneinander Aufhetzens von Menschen mit eigentlich gleichen Interessen, geführt haben.

Wir brauchen weder eine moralisierende „Betroffenheit“, noch heuchlerische Lippenbekenntnisse oder resignierendes Schulterzucken, was notwendig ist, ist eine antifaschistische Grundhaltung, aber vor allem auch das Verständnis dafür, dass es für einen konsequenten Antifaschismus notwendig ist die herrschenden Verhältnisse grundsätzlich zu verändern. Denn der Kampf gegen faschistische Tendenzen und für mehr demokratische und soziale Rechte gehört untrennbar zusammen. Es ist uns allen bewusst und hat uns auch die Geschichte gezeigt, dass wer vom Faschismus spricht, den Kapitalismus nicht verschweigen darf!

Zugegebenermaßen erfüllen einen die aktuellen Entwicklungen auf allen Ebenen mit Sorge, nichtsdestotrotz erfüllt es mich mit Freude und motiviert, wenn wir z.B. von so vielen verschiedenen Zusammenhängen kommend und trotz aller weltanschaulicher Unterschiede heute gemeinsamer zu dieser Gedenkkundgebung versammelt sind. Denn wir sind alle Antifaschist*innen. In diesem Sinne bedanke ich mich ganz herzlich für Eure Aufmerksamkeit und vor allem auch für Euer aller Engagement!“