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Lobau – Verborgene Vielfalt im Auenwald

  • Montag, 20. Oktober 2025 @ 07:36
Einblicke und Diskussionen bei einem Informationsabend in Essling

Am 24. September 2025 versammelten sich zahlreiche Interessierte im Pfarrsaal der Esslinger Kirche in Wien Donaustadt zum bereits fünften Informations- und Vortragsabend der Initiative „Esslinger für die Lobau“. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Lobau – Verborgene Vielfalt im Auenwald“ und versprach spannende Einblicke in die einzigartige Flora und Fauna der Region.

Die Referenten Christian Griebler und Helmut Sattmann beschäftigten sich mit der Bedeutung des Grundwassers und dessen Gefährdung durch den Bau des Lobautunnels sowie mit der vielfältigen Flora und Fauna, die sowohl in der Lobau als auch im Grundwasser der Lobau lebt.

Der Grundwasserökologe Professor Christian Griebler von der Universität Wien erläuterte in seinem Vortrag nachvollziehbar die Entstehung des Grundwassersystems sowie die darin ablaufenden dynamischen Prozesse. Er hob hervor, dass das Grundwasser kontinuierlich mit Oberflächengewässern im Austausch steht: Bei Hochwasser speichert es überschüssiges Wasser, während es in Trockenperioden Flüssen und Bächen wieder Wasser zuführt. Diese Wechselwirkungen unterstreichen die zentrale Bedeutung des Grundwassers sowohl für natürliche Ökosysteme als auch für die Trink- und Brauchwasserversorgung. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Stadt Wien das Grundwasser der Lobau als Trinkwasserreserve nutzt; eine Beeinträchtigung dieses Gebiets und seines Grundwasservorkommens wäre daher aus versorgungsstrategischer Sicht problematisch.

Im Grundwasser der Lobau leben zahlreiche Mikroorganismen und meist winzige Tiere. Die unterirdische Tierwelt, bestehend aus verschiedenen Wurmarten, kleinen Krebsen und Schnecken, zeichnet sich durch eine besonders hohe Vielfalt aus. Obwohl diese Tiere harmlos sind, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht dieses speziellen Lebensraums. Aufgrund des Fehlens von Pflanzen stehen ihnen nur wenige Nahrungsquellen zur Verfügung, weshalb sie äußerst genügsam und widerstandsfähig sind. Auch die Anzahl ihrer Nachkommen bleibt gering. Dank eines langsamen Stoffwechsels und der konstanten Bedingungen erreichen viele von ihnen ein deutlich höheres Alter als ihre oberirdischen Verwandten. Professor Griebler zeigte zudem auf, dass nach der Donauregulierung im Jahr 1869 und dem Bau von unterirdischen Dämmen der Fluss des Grundwassers erheblich verlangsamt wurde, was zu Problemen für das Ökosystem des Grundwassers in der Lobau führte.

Die Lobau zählt zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Etwa 800 Pflanzenarten und rund 11.000 Tierarten, darunter zahlreiche seltene Vertreter, besiedeln die vielfältigen Lebensräume dieses Gebiets. Bereits 1977 wurde die Untere Lobau von der UNESCO als eines der bedeutendsten Feuchtgebiete anerkannt und zum „Biosphärenreservat“ erklärt. Seit 1978 steht die gesamte Lobau unter Naturschutz. Der Status als Biosphärenreservat wurde im Jahr 2017 aufgehoben.

Im weiteren Verlauf des Vortrags wird erläutert, dass einige Tierarten, wie beispielsweise Grundwassertiere, im Untergrund leben, während oberirdisch zahlreiche kleinere und weniger auffällige Arten zur Biodiversität der Au beitragen.

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Der zweite Teil des Abends, gestaltet vom Zoologen Helmut Sattmann, widmete sich verstärkt der Mikrofauna der Lobau sowie der Beschreibung der in den Gewässern der Lobau vorkommenden Tierarten. In diesem Zusammenhang betonte Dr. Sattmann, dass die Muschelfauna der Lobau leider inzwischen nahezu vollständig verschwunden ist und sich stattdessen asiatische Muschelarten finden lassen, die in unserer Region eigentlich nicht heimisch sein sollten.


Der Abend endete mit Fragen aus dem Publikum sowie einigen Informationen der Veranstalter, etwa über die Möglichkeit, kostenlos kleine Transparente mit der Aufschrift „Lobau bleibt“ zu bestellen. Abschließend blieb jedoch vor allem ein größeres Bewusstsein dafür, welch enorme Bedrohung das Tunnelprojekt unter dem Nationalpark für das Ökosystem unserer Region darstellt.

Die Diskussion um die Autobahn wird am 10. November mit dem UVP-Experten Wolfgang Rehm weitergeführt.