Den öffentlichen Raum menschengerecht gestalten
- Freitag, 12. September 2025 @ 15:34
Haben Sie auch schon mal dringend ein WC benötigt und sind dann bei einer U-Bahn-Station vor versperrten Klotüren gestanden? Ein WC ist zwar da, nur nicht zugänglich. Besonders unangenehm wird das, wenn man schon damit gerechnet hat, eine benutzbare Toilette vorzufinden, und dem dann nicht so ist. Während Männer sich eher problemlos am nächsten Baum erleichtern können, ist dies Frauen und (Klein-)Kindern nicht so einfach möglich. Auch ältere oder kranke Leute haben da durchaus ihre Probleme.
In der Donaustadt wurden in den letzten Jahren bei vielen U-Bahn-Stationen WC-Anlagen geschlossen, aus Gründen, über die im Detail nur Vermutungen angestellt werden können.
Zum Beispiel Kagran: Von Montag bis Samstag können wir das Donauzentrum aufsuchen – die dort befindlichen Anlagen müssen besonders für ihre gute Betreuung gelobt werden –, aber was tun wir an Sonntagen?
Oder Hausfeldstraße: Das dortige WC wurde geschlossen, als ein paar Meter weiter die Protestbewegung von „Lobau bleibt!“ ihre Pyramide aufgebaut hatte. Ob das ein Zufall ist? Während die Besetzung schon lange geräumt ist, ist das WC seither nicht wieder zur allgemeinen Nutzung geöffnet.
Viele U-Bahnstationen betroffen!
Die Versperrung von vorhandenen WCs betrifft die U1-Stationen Kagran, Rennbahnweg, Alte Donau und Donauinsel und die U2 Stationen Donaustadtbrücke, Hardeggasse, Aspernstraße, die Hausfeldstraße und Aspern Nord. Möglich, dass die Sauberhaltung von öffentlichen WCs personal(kosten)intensiv ist. Die inzwischen standardmäßig eingebauten Metall-Anlagen sollten aber die Reinhaltung erleichtern, wenn schon die Nutzer_innen manchmal Ferkel sind oder auch Dinge hinterlassen, die auf Zweckentfremdung schließen lassen. Auch das wissen wir. Dennoch bleibt das menschliche Grundbedürfnis, das vor allen anderen Überlegungen Vorrang haben sollte.
Es muss ja nicht gleich wie in Tokio sein, wo öffentliche WC-Anlagen zu Touristenattraktionen geworden sind, deren Besichtigung für TouristInnen gegen Erwerb eines Tickets möglich ist. Sie sind nicht nur sauber, sondern auch als Kunstwerke gestaltet und verfügen über alle möglichen technischen Finessen. Jede WC-Anlage ist anders gestaltet. Was steckt dahinter? Es wäre nicht der Kapitalismus, wenn es nicht ums Geld ginge. Die Einnahmen aus den Besichtigungstouren füllen die Stadtkassa. Und Touristenströme werden vom Stadtzentrum in Viertel umgelenkt, die weniger frequentiert sind.
Uns reichen die soliden und mit dem Nötigsten ausgestatteten Anlagen. Nur sollen diese wieder zugänglich sein. Das wäre für viele Menschen sehr stressreduzierend.



