Geheime Energie in der Seestadt
- Donnerstag, 11. September 2025 @ 17:16
Ein Bericht von Fabio Testasecca.
Die Beschriftungen schaffen schnell Klarheit: Es handelt sich um das erste Geothermiekraftwerk Wiens. Es bleibt ein gewisses Unbehagen bestehen, das durch diese Form der Geheimhaltung und das Verbot, die Anlage selbst aus der Ferne zu fotografieren, noch verstärkt wird.
Der Besuch der Einrichtung, abgesehen von dem Gefühl aus der Area51 (die geheime US-Basis, auf der angebliche Beweise für die Existenz von Außerirdischen aufbewahrt werden), ist überhaupt nicht kompliziert und so nutzte ich die Gelegenheit, um mir ein Bild zu machen.
In Begleitung eines freundlichen Technikers von Wien-Energie war es möglich, einige Container zu besichtigen, die den Informationsbereich repräsentieren. Der Zutritt zur Baustelle blieb verständlicherweise verboten. Die erste interessante Entdeckung ist die Ähnlichkeit zwischen dem Raum Wien und der Region des Flusses Tagliamento in Friaul-Julisch Venetien: Wien ruht auf einer riesigen Masse von Kieselsteinen, die sich über Dutzende und Dutzende von Kilometern erstrecken und in der Tiefe die ideale Umgebung für die Erzeugung von geothermischer Energie durch die Entnahme von heißem Wasser aus dem Untergrund darstellen.
Durch diese glückliche Beschaffenheit ist es möglich, Wasser zu gewinnen, ohne die Stabilität des Territoriums zu ruinieren.
Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Wasser nicht zum natürlichen Kreislauf gehört: Da es aufgrund der kalkhaltigen Sedimente sehr salzig ist, ist es nicht trinkbar und kann von der Natur nicht verwendet werden, Es kommt also nicht zu einer Beeinträchtigung des Grundwasserleiters. Die Bohrung reicht bis zu drei Kilometer unter die Oberfläche, wo das Wasser eine Temperatur von etwa 130°C hat und bis zu 100 Liter pro Sekunde gepumpt werden können. Interessant ist auch das System aus drei Perforationen, durch die das Wasser an die Oberfläche gebracht wird. Das noch zu lösende Problem besteht darin, dass die Energieproduktion im Sommer und Winter konstant ist und es noch nicht möglich ist, die überschüssige Energie, die im Sommer erzeugt wird, wenn der Wärmebedarf geringer ist, entsprechend umzuverteilen. Noch befindet sich das Projekt in einer experimentellen Phase. Es besteht die Erwartung, den Bedarf von 200.000 Haushalten zu decken. Dieses Ziel soll im Laufe der 2030er Jahre erreicht werden. Der kollektive Nutzen des Projekts ist daher zurzeit noch sehr begrenzt.
Es ist zu hoffen, dass zumindest dieses Mal eine technologische Verbesserung der Gemeinschaft und nicht nur den Dividendenbezieher*innen zugutekommen wird.



