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Der Kriminalfall Benko und die Donaustadt

  • Sonntag, 31. August 2025 @ 17:01

Warum in Wien nicht zu wenig gebaut wird, sondern das Falsche. Ein Fallbeispiel

Am 23. Jänner 2025 war der Medienrummel in der Justizanstalt Wien-Josefstadt groß. Überstellt wurde der milliardenschwere Immobilieninvestor René Benko. Dessen mutmaßlich kriminelles Geschäftsmodell, der Signa-Konzern, fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen, als der Nachschub an „Gratisgeld“ für Immobilienkonzerne durch Leitzinssenkungen und geänderte Praktiken der Großbanken zum Erliegen kam.

Benkos Netzwerk reichte nicht nur zur hohen Politik, sondern auch in die Donaustadt. Direkt vor der U-Bahn-Station Kagran wurde kürzlich eines seiner ehemaligen Gebäude fertig gestellt, der Vienna Twenty Two Komplex. Dieser wurde als Joint Venture zwischen Benkos Signa und der ARE (Austrian Real Estate), einer Tochter der staatlichen BIG (Bundesimmobiliengesellschaft), gestartet. Solche staatlich-privaten Kooperationen sollen angeblich die Baukosten durch das Anwerben privater Gelder senken. Genau diese Aufgabe hätte die Signa übernehmen sollen.

Mutmaßlich strafrechtlich Relevantes dazu berichtet NEWS: 22,5 Millionen € wurden statt wie vorgesehen in das Vienna Twenty Two Projekt direkt in die Signa-Gruppe geschleust. Schlussendlich musste die staatliche ARE den Komplex selbst übernehmen, da mit der Pleite der Signa-Gruppe ein extrem kostspieliger Baustopp im Raum stand. Anstatt staatlichen Bau günstiger zu machen, dürften Österreichs Steuerzahler*innen so wohl noch einmal einen mehrstelligen Millionenbetrag zur Konkursmasse der Signa beigetragen haben.

Was wurde dort eigentlich gebaut?

Neben dem neuen Donaustädter Amtsgebäude, welches in diesem neuen Gebäude eingemietet ist, vor allem Büroräumlichkeiten und Privatwohnungen. Eine Eigentumswohnung mit 4 Zimmern ist dort um 3.150.000 € zu bekommen. Verkauft wurden schon fast alle der exorbitant teuren 347 Eigentumswohneinheiten. Wir wagen aber nicht vorherzusagen, wie viele davon tatsächlich bewohnt, und wie viele als Spekulationsanlage „genutzt“ werden. Erste Mietwohnungen sind auch schon auf dem Markt, für 72 m² zahlt man 1.670 € monatlich.

Zusammengefasst:

Hier wurde sehr viel Steuergeld verbraten, um Luxuswohnungen zu bauen, die sich ohnehin fast niemand leisten kann. Im besten Fall werden diese Wohnungen reichen Einzelpersonen als Zweitwohnsitz fürs Fortgehen am Wochenende dienen. Mit bekannten gentrifizierenden Auswirkungen. Gilt ein Stadtteil erst einmal als hip, kommt reicher Zuzug, der die Mieten am privaten Markt massiv nach oben treibt.

Im schlimmsten Fall wurde hier mit viel Steuergeld eine leere Kapitalanlage geschaffen, die niemandem etwas bringt. Es ist der Wahnsinn des Kapitalismus in einem Gebäude: Anstatt endlich dringend notwendige neue Gemeindewohnungen zu bauen, wirft die Republik mit dem Segen der Stadt Wien unser hart erarbeitetes Steuergeld neureichen Schnöseln und mutmaßlichen Heuschreckenkapitalisten ins Maul – welch wirtschaftliche Effizienz! Warum gerade in Anbetracht der sozialen Krise eine derartige Verschwendung knapper Ressourcen, Geld, Arbeitskraft, Baufläche, Quarzsand und anderer Baustoffe notwendig sein soll, muss uns auch die SPÖ-Wien erklären.

Als KPÖ stehen wir für eine sozialistische Baupolitik. Steuergelder müssen in kommunalen Gemeindebau gesteckt werden statt in Joint Ventures mit Immobilienkonzernen. Es braucht eine eigene Flächenwidmungskategorie für sozialen Wohnbau, um Flächenversiegelung und Spekulationsbauten einen Riegel vorzuschieben. So kann günstiger und nachhaltiger Wohnraum für alle zur Verfügung gestellt werden.

Und seien wir ehrlich:

Eigentlich gehören diese privaten Immobilienkonzerne ohnedies alle enteignet. Denn mitten in einer sozialen Krise braucht eine 72 m² Wohnung um 1.670 € pro Monat wirklich niemand.