Das Werk Gottes
- Dienstag, 8. April 2025 @ 09:17
Seit Schuljahresbeginn ist die Donaustadt um eine Privatschule reicher, die Stella International School. Es ist dies nicht irgendeine Privatschule, sondern eine nach den Regeln des Opus Dei.
Was ist das Opus Dei (lat. für ‚Werk Gottes‘)? Zunächst eine der weltweit mächtigsten fundamentalkatholischen Organisationen, eine Art Geheimbund, der seine Mitglieder dazu erzieht, ihr Leben nach christlichen Werten auszurichten. Das wäre nicht weiter schlimm, ginge es dem Opus Dei nicht auch darum, eine gläubige Elite heranzuziehen und sie in Machtpositionen zu heben, damit sie ihre Wirksamkeit in Gesellschaft und Politik entfaltet. Und zwar im Sinne eines fundamentalen Christentums.
Die Akteur_innen im Vorder- und Hintergrund
In der Stella International School, zwischen DC Tower, Neuer Donau und Reichsbrücke angesiedelt, wird seit September das Stella-Pädagogikkonzept umgesetzt. Aktuell lässt man dieses 400 Kindern und Jugendlichen in Kindergarten, Volksschule und Gymnasium angedeihen, 700 sollen es letztlich werden. Schon der Kindergarten wird von Priestern des Opus Dei ‚pastoral begleitet‘.
Bei der Eröffnungsmesse zugegen waren Vertreter_innen aus Politik, Erzdiözese, Sponsoren, Baufirmen – die Schule wurde von einem Joint Venture aus B+S Gruppe und Strabag Real Estate errichtet –, Eltern und Freunde. Zu den UnterstützerInnen zählt sich auch Gudrun Kugler, ÖVP-Nationalrätin und ihres Zeichens Bezirksparteiobfrau der ÖVP Donaustadt, deren Mann ehemals Pressereferent beim Opus Dei war und die mit Agenda Europe an der Etablierung eines christlichen Think Tanks in Europa arbeitet. Selbstredend ist Gudrun Kugler eine Gegnerin von Abtreibung, Homosexualität und ähnlich abwegig Lebensfeindlichem, gilt es doch, die natürliche Ordnung wiederherzustellen. Sie ist regelmäßige Teilnehmerin an den „Märschen für das Leben“ von Pro Life, einer radikalen NGO für das Recht auf Leben ab der Empfängnis.
Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Stella International School ist die Numerianerin Heidi Burkhart. Numerianer sind die Elite des Opus Dei, mit Burkhart befindet sich das Zepter in Händen einer Frau, die bewusst auf eine Familie verzichtet hat, „um sich ganz für Gott freizuhalten“.
Im Beirat von Volksschule und Gymnasium befinden sich die Träger altehrwürdiger Namen aus dem deutschnational-adeligen und christlich-konservativen Spektrum, z.B. Gordian Gudenus, Guntard Gutmann, Nikolaus Hohenberg, Andreas Thonhauser, Corvin Hummer oder Heinrich Schmid-Schmidenfelden. Marina Gudenus ist Vorständin im Kindergarten.
Finanzierung
Finanziert wird die Stella International School dem Vernehmen nach durch Elternbeiträge. Sie ist grundsätzlich als Vormittagsschule konzipiert – Mütter brauchen ja, wenn überhaupt, nur halbtags zu arbeiten –, das Schulgeld macht 494 Euro zwölf Mal im Jahr aus (obwohl ein Schuljahr bloß zehn Monate hat). Kinder gehören schließlich zu ihren Eltern, sprich: ihren Müttern. Kein Wunder, dass Frau Burkhart bei diesen Ansprüchen bewusst auf eine Familie verzichtet hat.
Die Schule ist in ihren Räumlichkeiten nur eingemietet. Die Gehälter der Lehrer_innen bezahlt die öffentliche Hand.
Bildungsauftrag
Das Bildungskonzept der Schule beruht auf den Säulen akademische Exzellenz, Persönlichkeitsbildung (es geht darum, den „Leader in me“ zu entwickeln), Qualitätsgespräche mit den Eltern, Vermittlung christlicher Werte nach dem Opus Dei-Gründer Josemaria Escrivá und Internationalität durch bilingualen Unterricht in Englisch und Deutsch. Der gelebte Glaube wird als Basis für eine umfassende Persönlichkeitsbildung angesehen. Schüler_innen können auch anderen Glaubensgemeinschaften angehören, bei der Anmeldung ist aber ein Taufschein vorzulegen, was einen gewissen Widerspruch darstellt.
Gemeinsam mit den Eltern werden die liturgischen Feste im Jahreskreis gefeiert – und regelmäßig Schulgottesdienste gestaltet. Neben der Bildung der Kinder spielt jene der Eltern eine zentrale Rolle: Sie haben halbjährlich Vorträge zu besuchen und Gespräche mit Moderator_innen und Coaches zu absolvieren.
Wenn es um die künftige Elite geht, wird also nichts dem Zufall überlassen, ein Abweichen vom vorgezeichneten christlichen Pfad soll keinem Heranwachsenden möglich sein. Dafür sorgen Eltern und außerhäusliche Bildungseinrichtung unisono. Die Frage, ob nicht Eliten eine per se unchristliche Einrichtung sind, erhaben über das gemeine Volk, das gelenkt und geleitet werden muss, stellt sich in dieser Anstalt bei diesem unbeirrbaren Sendungsbewusstsein nicht. Christlicher wäre es da schon, sich für gleiche Bildungschancen für alle einzusetzen, für eine bildungsgerechte Gesellschaft, in der nicht einige Wenige sich eine Bildung nach ihrem Gusto leisten.



