Rettet die Böden, mit Blick auf das Umfeld der Lobau
Montag, 17. Februar 2025 @ 18:00
Ein KAKTUS-Onlinebericht von Karin Puder-Wehofer über eine Podiumsdiskussion in Essling am 10.2.2025
Auf die Bilder klicken, dann werden sie groß!
Der Pfarrsaal in Essling war bis auf den letzten Platz besetzt, über 100 Interessierte folgten der Einladung der Initiative „Esslinger für die LobAu“.
Die Diskussion wurde von Aktivist*Innen und dem hochrangigen Experten Uni.Prof.Dipl.Ing.Dr. Gernot Stöglehner, Autor des aktuellen Buches „Rettet die Böden: Ein Plädoyer für eine nachhaltige Raumentwicklung“ geführt.
Stöglehner attestierte der breiten Öffentlichkeit ein zunehmendes Interesse am Thema Bodenverbrauch, was auch damit zusammenhängen mag, dass Österreich leider Europameister im Bodenfraß ist. Der Beginn der Raumplanung wird in den 60er-Jahren gesehen, allein in den letzten 20 Jahren konnten nachweislich 40.000 politische Entscheidungsträger Einzelentscheidungen treffen, von den kleinen Gemeinden bis zu den Ministerien. Mittlerweile stellen aktuelle Problematiken diese Vorgangsweise in Frage: Nachhaltigkeit, Ernährungssicherheit und Klimakrise sind relevante Fragestellungen unserer Zeit. Österreich hat europaweit die größte Supermarkt-Verkaufsfläche pro Person, die Versiegelung schreitet voran, Wohnungs-Leerstandserhebungen sind schwierig, Ausgleichsmaßnahmen sind keine sofort wirksame Lösung, bei Rückbaumaßnahmen kann es bis zu 100 Jahren dauern, bis sie ökologisch voll wirksam sind.
Natürlich wurde von den Aktivist*innen der Bau des Lobautunnels angesprochen: die aktuelle Variante der Lobauautobahn wäre jene mit dem höchsten Bodenverbrauch, während der Bauphase würde 3x die Fläche des 8.Wiener Gemeindebezirkes „vernichtet“. Danach sind 690 ha Betriebsansiedelungen und weiterer Zuzug zu erwarten.
Wie wird sich das auf die Raumerschließung im Großraum Wien – Bratislava auswirken? Schwer zu sagen, fest steht jedenfalls, dass das Marchfeld, die Donauauen und Marchfeldauen zu den Diversitäts-Hotspots Österreichs zu zählen sind. Die anwesenden Experten und Aktivist*Innen waren sich jedenfalls einig: Die Biodiversität, die Vielfalt der Arten und Lebensräume verdienen unseren vollen Schutz!
Mehr und bessere Straßen - mehr Verkehr!
Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten Zuhörer*Innen aus dem Publikum Gelegenheit Fragen zu stellen und Meinungen kundzutun. Es wurde daran erinnert, dass in den 80er-Jahren eine Verlängerung der Tangente Entlastung bringen sollte, passiert ist leider das Gegenteil. Es wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass im 19./20. Jh Gewerbeansiedlungen entlang von Bahnlinien stattfanden, heutzutage geschieht das entlang von hochrangigen Straßen, was das Verkehrsaufkommen enorm erhöht. Ein Zitat aus den Wortmeldungen lautet: „Heute noch neue Straßen zu bauen, ist wie Ratten füttern.“ – denn es werden immer mehr… Angesprochen wurde auch ein zunehmender Wohnungsleerstand in der Seestadt - es ist nicht allein der Neubau der Probleme löst, sondern auch die Leistbarkeit von Wohnungen.
Der großartige Professor Dr. Bernd Lötsch (ehem. Direktor des Naturhistorischen Museums) war ebenfalls zugegen und erinnerte an seinen Freund Friedensreich Hundertwasser, der sagte: „Alles was im Winter weiß ist, soll im Sommer grün sein.“ - er meinte damit alle horizontalen Flächen wie Dächer usw., bekannt als die „Gründach-Idee“. Dr. Lötsch befürwortet im Kampf gegen den Klimawandel auch das Konzept der „swamp-city“, also die Schwamm-Stadt, in der große Mengen an Regenwasser nicht weggeleitet werden, sondern gespeichert werden, um in Hitzeperioden zur Verfügung zu stehen. Es wurde weiters von positiven Beispielen gelungener Raumplanung berichtet, in Paris oder Barcelona, wo der Rückbau von Stadtautobahnen und versiegelten Parkflächen bereits umgesetzt wird. Das Credo von Professor Stöglehner im Hinblick auf künftige Herausforderungen lautet eindeutig: „Bäume, Bäume, Bäume!“
Eine Teilnehmerin stellte zum Abschluss die Frage nach einem Herzenswunsch an den Professor für Raumplanung und Infrastruktur, die Antwort war schnell gefunden: „Nützen Sie die Möglichkeiten der Demokratie um sich für die Bodenrettung einzusetzen!“
Im Anschluss gab es ein kleines Buffet und damit die Möglichkeit, sich mit anderen im Gespräch auszutauschen und zu vernetzen.
Die nächste spannende Veranstaltung[*1] findet am 17.3.um 18:30 im Pfarrsaal Essling statt. mit einem Vortrag von Jutta Matysek von „Rettet die Lobau – Natur statt Beton“ über die Lobauautobahn (ein Vortrag mit Fotos, Grafiken und Plänen).
Buchtipp:
Gernot Stöglehner „Rettet die Böden: Ein Plädoyer für eine nachhaltige Raumentwicklung“ (2024), Falter Verlag
Das Buch ist zum Preis von 24,90 Euro erhältlich. Bestellungen werden online hier[*2] entgegengenommen.