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Umzug des Donaustädter Bezirksamtes – alles neu, alles gut?

  • Samstag, 17. Dezember 2022 @ 10:44
Ein Kommentar von Bernhard Gaishofer

„Wir sind umgezogen!“ wird nun seit einiger Zeit per Postwurfsendung und via Inserate den Donaustädter*innen mitgeteilt. Konkret geht es darum, dass das Donaustädter Amtshaus von Gebäude beim Schrödingerplatz nun zum Dr.-Adolf-Schärf-Platz 8 zieht. Dort wurden ja in den letzten Jahren unter dem klingenden Titel Vienna Twentytwo zwei riesige Hochhaustürme (größtenteils Eigentumswohnungen und Büroräume) errichtet.

Das Donaustädter Bezirksamt bzw. die Donaustädter Bezirksvertretung ziehen also von einem gemeindeeigenen Gebäude aus und mieten sich ein einen Prestigebau des, gerade in letzte Zeit wegen fragwürdigen Verbindungen zur Kurz Regierung oft in den Medien genannten, Immobilieninvestors René Benko, ein. Dies sei notwendig und vernünftig, da laut dem Büro von Wohnbaustadträtin Katrin Gaal eine Sanierung des eigentlichen Amtsgebäudes zu teuer wäre.

Auch wenn ich diesbezüglich keine genauen Zahlen kenne, fällt es schwer zu glauben, dass es langfristig günstiger kommt sich privat einzumieten, als eine gemeindeeigene Immobilie zu renovieren. Ganz abgesehen vom politischen Aspekt, dass es eher fragwürdig ist wenn sich eine öffentliche Institution in die Abhängigkeit von privaten Immobilienträgern bringt. Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass bei diesem Umzug letztendlich doch wieder nur einige wenige massiv profitiert haben!

Was wird aus dem Schrödingerplatz?

Glaubt man den bisher verlautbarten Plänen der Gemeinde Wien dann offensichtlich ein kleines Paradies auf Erden. Unter dem Motto „Schrödingerplatz Auf dem Weg zu „Kagrans neuem Zentrum“ wurden vor kurzem grobe Vorstellungen bekanntgemacht, wie sich das Areal entwickeln soll, unter anderem mit leistbaren Wohnungen, viel Grünraum, einer neuen Bücherei und einem Veranstaltungssaal. Das klingt auf den ersten Blick natürlich verlockend, aber als gelernter Donaustädter ist man bei solchen Aussendungen mittlerweile vorsichtig geworden und spätestens wenn Planungstadträtin Sima von einem „klimafiten Zentrum“, welches „alle Register moderner Stadtplanung“ spielt, spricht, wird man ein wenig stutzig.

Konkret sollen nämlich statt dem ehemaligen Bezirksamt und dem Parkplatz zwei massive Blockverbauungen, mit 350 Wohnungen, davon die Hälfte freifinanziert, entstehen. Da diese Gebäude bis zu zehn Stockwerke bekommen sollen wird eine neue Flächenwidmung notwendig. Auch wenn nun von großzügigen, begrünten, öffentlichen Flächen die Rede ist besteht die Sorge, dass letztendlich wieder eine neue zugige Betonwüste mit Placebo-Bäumchen entsteht. Einen interessanten Beitrag zur Geschichte des Amtshauses am Schrödingerplatz gab es auch in der Wiener Zeitung .

Es wäre schön und wünschenswert würde man den Schrödingerplatz wirklich als lokales Zentrum nutzbar machen und ich möchte wirklich kein Schwarzmaler sein, aber bedenkt man die zahlreichen stadtplanerischen „Glanzleistungen“ (Achtung: Anführungszeichen!) der Gemeinde, insbesondere im 22. Bezirk in den vergangenen Jahren, so kommen mir doch Zweifel, dass das Projekt so sozial, ökologisch und kulturoffen werden wird, wie angekündigt...