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Was bleibt von den alten Ortskernen?

  • Dienstag, 6. Dezember 2022 @ 00:59
Unser Bezirk droht zu einer konturlosen Einheit zusammenzuwachsen


Die Donaustadt besteht bekanntlich aus sieben historischen Teilen. Von Kaisermühlen abgesehen, handelt es um ehemalige Marchfelddörfer, deren Zentren teilweise noch als solche zu erkennen sind und einen Reiz unseres Bezirkes darstellen. So z.B. der Kagraner Platz, die Gegend um das ehemalige Stadlauer Bahnhofsgebäude, der Platz vor der Breitenleer Kirche oder der alte Teil von Hirschstetten, der allerdings besonders durch den Individualverkehr beeinträchtigt ist.

Ein Streifzug durch unseren Bezirk gibt zu Besorgnis Anlass. Die Entwicklung der letzten Jahre und das Verbauen von Feldern und bisher gärtnerisch genutzten Flächen, lassen befürchten, dass die ehemaligen Dorfkerne bald nicht mehr als solche erkennbar sein werden und die Donaustadt – von den Gartensiedlungen am Stadtrand abgesehen – zu einem konturlosen städtischen Einheitsbrei ohne jedes Flair zusammenwächst.

Lediglich Süßenbrunn liegt soweit vom Schuss, dass es auf absehbare Zeit vom Bezirk nicht geschluckt werden wird. Das ist auch fast alles, was dort noch dörflich ist. Von der einst bestanden habenden Infrastruktur (Lebensmittelgeschäfte, Handwerksbetriebe, mehrere Gasthäuser u.ä.m.) ist nichts übergeblieben. Nicht einmal mehr eine Schule gibt es, die Kinder müssen nach Breitenlee fahren! Immerhin gibt es eine Freiwillige Feuerwehr und einen Fußballplatz.

Die Situation im Zentrum von Aspern ist zwar in vieler Hinsicht anders, aber deswegen nicht besser. Ein Grätzl, in dem man alles hat, was man benötigt und das man nur aus Berufsgründen verlassen muss, ist der alte Kern von Aspern schon lang nicht mehr. Die Einkaufsmöglichkeiten sind außerhalb von Sieges- und Heldenplatz, von der früher reichhaltigen Gastronomie ist kaum etwas übriggeblieben, die Städtische Bücherei ist geschlossen. Viel wird den Menschen, die nach Aspern ziehen, nicht geboten.

In Stadlau vermisst man seit Jahren den Genochmarkt, die Stadlauer Straße hat schon bessere Zeiten gesehen und auch hier ist ein beträchtlicher Rückgang bodenständiger Gastronomie zu verzeichnen. Es wird viel gebaut, aber dafür Grünraum geopfert (z.B. vor etwa zwei Jahrzehnten die „Eisenbahnergärten“ zwischen Stadlauer Straße und der Ostbahn). Wenigstens sind hier die Einkaufsmöglichkeiten einigermaßen und es gibt Schulen und Spielplätze.

Im Zentrum von Breitenlee haben zwei renommierte Gasthäuser geschlossen (darunter der über dreihundert Jahren alte Lindenhof), ansonsten hat das Zentrum wenigstens – wenn man von Durchzugsverkehr absieht – einigermaßen seinen ursprünglichen Charakter erhalten. Ähnlich wie Leopoldau im 21. Bezirk.

Kagran und Eßling sind mittlerweile so groß geworden, dass von einem ursprünglich dörflichen Charakter kaum noch etwas zu bemerken ist. Ein Grund mehr, bei den anderen Bezirksteilen wenigstens die noch vorhandenen Reste, die an die eigenständige Vergangenheit erinnern, zu erhalten. Diese Absicht scheinen aber weder die Stadt Wien, noch die Bezirksvorstehung (und insbesondere Bezirksvorsteher Nevrivy) zu haben. Sonst würde nicht ohne Rücksicht auf Verluste gebaut werden; und zwar vielfach Wohnungen, die sich die Menschen nicht leisten können.