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Schein und Sein im Bezirk

  • Mittwoch, 30. November 2022 @ 13:43
Kostengünstige neue Wohnungen, Verkehrsberuhigung, der Erhalt von Ortszentren – und natürlich ist Wien auch noch die Klimamusterstadt schlechthin - oder?

Laut den Aussendungen der Gemeinde und des Bezirks könnte man meinen, das Paradies wäre ausgebrochen. Schaut man sich die angesprochenen Ankündigungen jedoch etwas genauer an, erkennt man gleich: es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Aktuell gibt es zahlreiche Projekte im Bezirk, welche als unbedingt notwendig und sinnvoll dargestellt werden. Seien dies nun neue Hochleistungsstraßen, wie die geplante Stadtstraße, welche quer durch Wohngebiete geht und angeblich eine Verkehrsentlastung bringen soll, oder die zahlreichen neuen Bauprojekte, bei welchen es sich oftmals um frei finanzierte Eigentumswohnungen handelt, welche gerne als leistbar dargestellt werden, was aber für Durchschnittsverdiener nicht zutrifft. Oder die Tatsache, dass selbst bei neueren Projekten, wo angeblich fortschrittliche Stadtplanung betrieben wird, zu dicht bebaute Betonwüsten umgesetzt wurden, welche zu Hitze- und Windproblemen führen. Man sieht: Es gibt zahlreiche Widersprüche zwischen den Ankündigungen und wirklichen Umsetzungen der Gemeinde.

Umwelt und Soziales – ein Widerspruch?

Egal ob es nun um neue Wohnbauobjekte oder geplante Verkehrsprojekte geht – immer, wenn es zu Protesten kommt, gefällt sich der Herr Bezirksvorsteher, Kritiker*innen als „privilegierte Ansässige, welche keine neuen Nachbarn wollen“, weltfremde „Bobo-Hippies“ oder schlicht als „Heisln“ zu bezeichnen. Sachliche Diskussionen will er nicht führen, vielmehr wird mantraartig wiederholt, dass es unmöglich sei, gleichzeitig die Umwelt zu schützen und sozialen Wohnbau zu betreiben. Dass diese Aussage nicht stimmt, zeigt sich schon daran, was gebaut wird: Denn weder bei umstrittenen Projekten noch bei den angeblich „tausenden günstigen Wohnungen", welche mit dem Bau der Stadtstraße verwirklicht werden würden, handelt es sich um sozialen Wohnbau. Vielmehr handelt es sich auch hier weitestgehend um Anlage- und Spekulationsbauten, bestenfalls um zeitlich begrenzten sozial geförderten Wohnbau. Hätte die offizielle Politik wirklich Interesse daran, leistbares Wohnen zu verwirklichen, sollte sie endlich den versprochenen kommunalen Wohnbau und treffsichere Maßnahmen gegen Leerstand und Wohnbauspekulation umsetzen, anstatt im Interesse von einzelnen Bauträgern und Investoren den Bezirk zu zubetonieren.

Politik in wessen Interesse?

Ein gutes Beispiel dafür, dass viele der Veränderungen im Bezirk nicht im Interesse einer vernünftigen Stadtteilentwicklung liegen, ist auch der Umzug des Donaustädter Amtshauses. Dieses ist noch am Schrödingerplatz ansässig, soll jedoch umziehen und künftig im VIENNA TWENTYTWO, einem riesigen Turm von René Benko, welcher weitestgehend aus Anlagewohnungen bestehen soll, eingemietet sein. Andere Institutionen, wie die VHS sollen ebenfalls neue Standorte bekommen. Das traditionelle Gebäude am Schrödingerplatz wird (laut aktuellen Plänen) abgerissen, die Fläche umgewidmet werden, damit zwei zehngeschossige Blockbauten errichtet werden können. Diese sollen 350 Wohnungen enthalten, die wiederum zur Hälfte freifinanzierte Anlagewohnungen sind. Für die konkrete Gestaltung des öffentlichen Raumes gibt es derweil noch keine Pläne.

Wie kommt es also, dass das Amtshaus aus einem gemeindeeigenen Gebäude auszieht, um sich in einem privaten Bau einzumieten und anstelle des gemeindeeigenen Gebäudes, welches quasi eine Art Kagraner Bezirkszentrum war, wiederrum private Projekte entstehen? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Begründet wird dies mit dem Zustand des Gebäudes und damit, dass „eine Sanierung zu aufwendig und teuer wäre…“ Bis zur Umsetzung sollen jedoch noch ein paar Jahre vergehen. Bleibt also zu hoffen, dass sich die Pläne doch noch ändern werden. Schließlich würden sie zu einer weiteren Betonwüste privater Großbauten und den Ausverkauf von Gemeindeeigentum führen.

Es handelt sich um ein weiteres Beispiel, unter dem Vorwand von Verbesserungen die Profitinteressen einzelner zu bedienen. Einen Mehrwert für die Bevölkerung gibt es nicht. Es lohnt sich also bei „Werbemeldungen“ der Stadtregierung und des Bezirksvorstehers skeptisch zu bleiben, zu schauen, was wirklich dahintersteckt, und sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Nur so können wir es schaffen, dass die Donaustadt ein lebenswerter Bezirk für alle bleibt und kein Spielplatz für Spekulanten und Baukonzerne wird!