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Die Klima-Aufrührer*innen und ihre Feinde

  • Dienstag, 23. November 2021 @ 15:05
Seit Wochen sind nun Umweltschützer*innen in der Donaustadt, um den Baubeginn der „Stadtstraße“ und die im Osten daran anschließende S1 und den Lobautunnel zu verhindern.

Viele Menschen, die in den drei Stützpunkten des Klimacamps regelmäßig zu Besuch sind, um notwendige Dinge wie Essen, Holz etc. zu bringen, konnten sich bisher von der absoluten Ernsthaftigkeit der Menschen, die dort ausharren, überzeugen. Und das sind im Übrigen nicht nur junge Leute, denn auch im fortgeschrittenen Alter kann man seinen Verstand noch gebrauchen, um zu sehen, welcher Wahnsinn hier vorbereitet wird.

Nun wird es den Feinden des Umweltschutzes aber ganz offensichtlich zu viel. Der Wiener Bürgermeister, der sich ja weigert, die Protestcamps zu besuchen, weiß trotzdem genau, ohne jemals persönlich dort gewesen zu sein, welche Leute sich dort befinden, nämlich „eh nur junge Leute aus besserem Haus, die von der Mama mit dem Auto zu den Kundgebungen gebracht werden.“

Nun wir können dem Herrn Bürgermeister aushelfen und haben dazu unsere Mitstreiterin und gegen die „Stadtstraße“ seit vielen Jahren engagierte Anrainerin aus Hirschstetten, Margarete Lazar für unsere jüngste KAKTUS-Zeitungsausgabe befragt.

„Ich war bei sämtlichen Demonstrationen im letzten Jahr, habe nur Leute mit Fahrrädern kommen gesehen oder solche, die aus der U-Bahn ausgestiegen sind. Die stereotype Aussage des Bürgermeisters ist eine Beleidigung, um nicht zu sagen, eine Lüge, die nur dazu dient, die „Aufrührer“ zu diskreditieren. Weiters stimmt seine Aussage, dass es sich „nur um einige wenige Personen“ handelt, ebenso nicht. Als Bewohnerin der Donaustadt, die mit vielen Leuten in Kontakt ist, kann ich dem Bürgermeister versichern, dass die AktivistInnen regelmäßig Besuch von allen möglichen Menschen bekommen, die ihnen Mut zusprechen und dankbar sind, dass sie sich wochenlang in Zelte legen, etwas, was ich mir beim Herrn Bürgermeister nur schwer vorstellen könnte.“ hält Margarete Lazar ihre Wahrnehmungen im Widerspruch zu jenen des Herrn Bürgermeisters fest.

Welchen Sinn ergeben 3 km „Stadtstraße“ mit Tunnels und Querungen aller Art, welche das Grätzl (neuerdings ein Lieblingswort der Stadtregierung!) nachhaltig zerstören würden, wenn man dort ohnehin nur 50 km pro Stunde fahren dürfte, und wozu wird vierspurig und mit Optionen zur Ausweitung auf sechs Spuren geplant?

Tatsache ist vielmehr, dass das ganze Monsterprojekt nicht zur Verkehrsentlastung führen, sondern ein Teil der „TEN Nord-Süd-Transitstrecke von Danzig bis zur Adria“ werden soll, um die berühmt-berüchtigten „Lieferketten“, die ja momentan nicht so funktionieren, wie es sich die Konzerne vorstellen, verlässlicher zu machen.

Was sonst noch auffällt

Woher die Aussagen des Bürgermeisters stammen, soll auch noch kurz beleuchtet werden. Sie stammen nämlich aus dem FALTER (morgen@falter.at - 4. Oktober 2021: Michael Ludwig im großen FALTER_Interview: Kein Entgegenkommen für Klimaaktivistinnen in der Donaustadt) mit Herrn Klenk als Oberinterviewer, der ganz stolz am Anfang berichtet, dass der Herr Bürgermeister persönlich in die Falterredaktion gekommen sei, um die oben angeführten Weisheiten von sich zu geben. Es fragt sich nur, welche Rolle der FALTER und Herr Klenk hier spielen. War der FALTER nicht einst eine widerständige Zeitung? Jetzt klingt das ganz so, als würde er Herrn Ludwig ein Forum bieten, das vordergründig zwar progressiv herüberkommen soll, aber dennoch kein freundliches Wort für die AktivistInnen findet. Dass die Fronten verhärtet sind, wusste man bereits ohne dieses Interview. Professor Knoflacher u.a. haben vor kurzem eine profunde Lobau-Erklärung abgegeben. Wenn es dem Falter wichtig gewesen wäre, etwas zur Lösung dieser „Verhärtung“ beizutragen, hätte er ja eine Gesprächsrunde mit BefürworterInnen und GegnerInnen machen können. Aber da wäre wahrscheinlich der Bürgermeister nicht in die Redaktionsstube gekommen, denn diesen Fachleuten, die wissen, wovon sie reden, wäre er nicht gewachsen gewesen.

„But these are radical times, and in radical times it is moderate to do radical things“(Sam Waterstone).

Für weiter Interessierte hier noch einige brandneue Links aus dem GUARDIAN, denn entgegen der Meinung des Wiener Bürgermeisters gibt es einen weltweiten Aufruhr. Wien ist nicht anders!

https://www.theguardian.com/environment/2021/oct/30/beyond-extinction-rebellion-the-protest-groups-fighting-on-the-climate-frontline

https://www.theguardian.com/environment/2021/oct/30/capitalism-is-killing-the-planet-its-time-to-stop-buying-into-our-own-destruction

https://www.theguardian.com/environment/2021/oct/30/its-the-protests-which-are-giving-me-hope-activists-descend-on-glasgow