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Sie haben Hainburg nicht gebaut – sie werden auch den Tunnel nicht bauen!

  • Dienstag, 17. August 2021 @ 08:11
Eine Antwort an jene, die sich vor einer Bürger:innenversammlung drücken wollen!

Ein Bericht von Judith Wieser, die an dieser Kundgebung teilgenommen hat.

Auf Biegen und Brechen sollen Lobautunnel und „Wohnzimmer-Autobahn“-Hirschstetten durchgesetzt werden – ohne Bürgerbeteiligung. Ein Antrag der Donaustädter Grünen in der Bezirksvertretung, eine Bürger:innenversammlung dazu abzuhalten, wurde von der SPÖ, mit Unterstützung von FPÖ und ÖVP, abgelehnt. (Siehe KAKTUS-Beitrag vom 10.08.2021!)

Am 16.08. wurde der Bezirksvorstehung eine überparteiliche Unterschriftenliste, gezeichnet von 12 Berzirksrät:innen der Grünen, Neos, Bierpartei und einer unabhängigen BRin) mit Unterstützung durch Anrainer:innen und mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen, überreicht (Ernst Nevrivy war leider nicht anwesend). Das Ziel: Die Bürger:innenversammlung mit der Geschäftsordnung des Bezirksparlaments zu erzwingen. Mit anderen Worten: Eine demokratische Vorgehensweise einzuforden.

Für Bezirksvorsteher Nevrivy scheint es offenbar völlig absurd, Bürger:innen wahrheitsgetreu zu informieren (oder wenigstens informieren zu lassen), geschweige denn, anzuhören.

Expert:innen unterschiedlicher, themenbezogener Fachrichtungen werden (oder wurden bis vor kurzem) fast ausschließlich im Rahmen zivilgesellschaftlicher Organisationen angehört und selbst jetzt, da sich ein paar wenige Medien des Themas Lobautunnel angenommen haben, wird die ständig wiedergekäute Mär über die angebliche Verkehrsentlastung, gleichwertig gegenübergestellt – egal, wie wenige Expert:innen bereit sind, dieses Vorhaben gutzuheißen. ‚False balance‘ – diesen Begriff kennen ja schon viele nach den letzten 1 ½ Jahren.

Ich bin keine dieser Wissenschaftler:innen, aber ich höre ihnen seit Jahren zu:

Der Lobautunnel ist kein Verkehrsentlastungsprojekt für die Donaustadt – er ist Teil eines Fernverkehrsnetzwerkes, das es „braucht“, um noch mehr LKW kreuz und quer durch Europa fahren zu lassen. Der Lobautunnel ändert auch nichts am Pendlerverkehr in die Stadt. Er wird die Grundwasserverhältnisse in der Gegend ändern - das wird Auswirkungen auf den Nationalpark und die Landwirtschaft im wiener/niederösterreichischen Grenzgebiet haben. Stadtautobahn und Tunnel erfordern auch massive Bodenversiegelungen, was nicht nur neue Hitzequellen schafft, sondern weitere Anbauflächen vernichtet. Das wiederum bedeutet, dass regionales Gemüse, das wir hier in den Supermärkten kaufen, weniger wird und aufwendiger/verschwenderischer bewässert werden muss. Das heißt, mehr Importe (durch mehr LKW) und eine Gefahr für die hier bereits großflächige Biolandwirtschaft (ironischerweise gerade die Landwirtschaft der Stadt Wien), wenn fehlende Felder durch Anbau“intensivierung“ ausgeglichen werden müssen.

Die Staus in Essling und Breitenlee werden nicht weniger, sondern bald mehr (zur Gefahr der breitflächigen Bodenverseuchung bis ins Naturschutzgebiet durch das jetzt ruhende ölverseuchte Erdreich im Hafengebiet und die „kleine Erdbebenspalte“ (Leopoldauer Graben) unter dem künftigen Tunnel, sag ich heute nichts weiter).

Aber, da war doch was? „Klimahauptstadt“ hieß das, wenn ich mich nicht täusche… Bodenversiegelung, Steigerung des CO2-Ausstoßes und Gefährdung eines Nationalparks passen da jedenfalls wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Es ist geradezu ‚irrwitzig widersinnig‘.

Und weil ich die rufenden Fragen nach Alternativen höre – die gibt es. Gute und machbare Alternativen – auch unter Berücksichtigung des stetigen Zuzugs in die Vorstadt. Viele davon haben wir im Kaktus schon beschrieben – die großen Medien wollen darüber noch kaum sprechen.

Mit 15 habe ich mich an einer Umweltschutzaktion (vermutlich im Prozess der „Nationalparkwerdung“) beteiligt und von einem Monats-Taschengeld (50 Schilling waren das damals) bei meiner Bank einen Quadratmeter Donauau gekauft. Das war vor 30 Jahren. Seit 10 Jahren lebe ich tatsächlich „an der Au“ – mit meinen Kindern, die hier Schwimmen gelernt haben und ihren Haupterholungsort und ihr Lebensumfeld nicht für die Kassen von Industriellen und Transportunternehmen opfern wollen. Auf die Autobahn und den Tunnel zu verzichten, ist kein Verzicht für „uns“ – nur für die tiefen Taschen einiger weniger, die sich ihre Villen und das Vermögen für ihre Nachkommen mehrerer Generationen schon längst gesichert haben.

Der Bezirksvorsteher wird sich der Bevölkerung zuallererst stellen müssen, dann die Stadt und die Bundesregierung.

Ich war zu Zeiten der Hainburg-Bewegung noch ein Kind und ich komme aus keiner „grünen“, sondern einer KPÖ-Familie – aber unsere Freude, als das Kraftwerk zugunsten des jetzigen Nationalparks Donauauen verhindert wurde, habe ich nicht vergessen. Der kraftvollste Moment der heutigen Versammlung vor dem Bezirksamt Donaustadt war der, als ich mein „insgeheimes“ Motto durch ein Mikrophon gehört habe:

„Sie haben Hainburg nicht gebaut – sie werden auch den Tunnel nicht bauen!“

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