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Wien ist anders– die Donaustadt und die Politiker auch

  • Dienstag, 31. August 2021 @ 05:17
Ausnahmen bestätigen die Regel, machen aber (leider) das Kraut nicht fett.

Unser Wien ist angeblich so ziemlich die lebenswerteste Stadt der Welt. So besagten es zumindest seit einigen Jahren durchgeführte Studien. Mag man auch über die Objektivität derselben zweifeln, so soll nicht bestritten werden, dass wir in einer lebens- und liebenswerten Stadt leben und schwerlich woanders hin zu tauschen brauchen.

Doch bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt, und in vieler Hinsicht braucht Wien nicht stolz darauf zu sein, dass es „anders“ ist. Was immer auch mit diesem Slogan gemeint sein mag, der die Autofahrer an der Stadtgrenze begrüßt hat.

In Bezug auf den Individualverkehr ist Wien im Vergleich zu vielen Großstädten nicht anders: Alles ist auf das Auto ausgerichtet, diesem ist alles andere untergeordnet. Mancherorts hat man allerdings längst umgedacht und ist anders; und zwar ganz anders. Aber dazu später.

Wissen Sie eigentlich, dass und warum die Westautobahn bei Auhof etwa bei Kilometer neun beginnt bzw. Richtung Wien endet? Wenn Sie jünger als sechzig sind, vermutlich nicht. Die Autobahn hätte nach Plänen der fünfziger und sechziger Jahre bis zur Secession führen sollen! Der Naschmarkt wäre auf sie draufgesetzt worden.

Das war die Zeit, wo eine Reihe von Straßenbahnlinien durch Autobusse ersetzt worden sind, das Parkverbot in Schienenstraßen aufgehoben worden ist, eine Vielzahl von Straßen verbreitert worden sind usw. usf. Das alles, um dem Auto Platz zu machen.

Irgendwann war auch vorgesehen, über den Gürtel eine Hochautostraße zu führen. Die Stadtbahn wäre dann darunter verlaufen. Erfreulich, dass diese Pläne nicht verwirklicht worden sind. Viele andere aber sind heute Realität und der Autoverkehr ist auf ein Vielfaches gestiegen und die Knappheit an Parkplätzen ebenso.

Die österreichische und die Wiener Verkehrspolitik haben daraus nichts gelernt. Seit rund zwanzig Jahren träumt man von einer weiteren Donauquerung für Kraftfahrzeuge (Planungsergebnis Lobauautobahn) und glaubt entgegen aller Erfahrung, dadurch Verkehr zu reduzieren.

Wien ist anders? Allerdings!

Anders als die eine oder andere Großstadt. In Südkoreas Hauptstadt Seoul werden seit langem Autobahnen rückgebaut und durch Erholungsräume ersetzt, in zahlreichen europäischen Städten werden Parkplätze verringert und in Grünstreifen verwandelt. Selbst im Dorado für den Autofahrer, den USA, gibt es Städte, in denen Autobahnen statt aus- rückgebaut werden.

Österreich hingegen redet von Klimazielen, forciert den Individualverkehr und verpulvert Milliarden in denselben: Die Stadtstraße und der Lobautunnel sollen unbedingt gebaut werden. Da sind sich die Politiker auf allen Ebenen einig, die erklärte Autofahrerpartei FPÖ, die ÖVP, die SPÖ und Wiens Bürgermeister Ludwig, die Donaustädter Lokalpolitiker mit BR Nevrivy an der Spitze u.v.a.m.. Die Wiener Neos tun sich verständlicher Weise in dieser Frage schwer. Die Wiener Grünen haben nach ihrem Ausscheiden aus der Stadtregierung die Kurve gekratzt und sind jetzt wie die Donaustädter Bezirksgrünen wieder gegen beide umstrittenen Straßenbauprojekte im Bezirk.

Übrigens: Österreichs Verkehr beansprucht laut Verkehrsclub Österreich bereits das Fünffache der Fläche Wiens. Da kommt es Kurz, Ludwig, Nevrivy & Co. wohl auf ein paar Quadratkilometer Beton auch nicht mehr an. Hauptsache Wien ist und bleibt anders.