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Klatschen statt Geld?

  • Donnerstag, 26. August 2021 @ 05:08
Georg Högelsberger
Linker Diskurs zur rechten Zeit

Symbolische Handlungen sind toll – vor allem, wenn sie billig sind!
Wir erinnern uns noch alle an das „Beklatschen“ der systemrelevanten ArbeiterInnen im Gesundheits- und Pflegebereich im letzten Jahr. Jeweils um 18 Uhr haben einige Menschen in ganz Österreich jenen Personen die Ehre erwiesen, ohne die eine Bewältigung der Pandemiesituation nicht möglich wäre. Nun erfolgt auch ein finanzielles Dankeschön seitens der Bundesregierung – läppische 500 Euro! Und das – wie seit dem 3. Juli bekannt ist –nicht einmal für jeden!

Ausgerechnet zwei Berufsgruppen, die nicht nur essentiell bei der Bekämpfung des Coronavirus sind, werden von diesem Bonus ausgeschlossen: das Reinigungspersonal, welches nicht fix an seinem Standort angemeldet ist (also Leiharbeiter*innen), und Rettungssanitäter*innen, die den Transport von COVID-Patient*innen im Schutzanzug durchführen.

Beides sind Personengruppen, die die „Drecksarbeit“ erledigen und ohnehin schon zu wenig bezahlt bekommen –wieder ein klarer Fall von „die Ärmsten sind uns wurscht“ seitens der Regierung? Wundern würde mich das nicht.

Einmal abgesehen von dieser eklatanten Ungerechtigkeit: Wie hoch ist der Corona-Bonus der Regierung eigentlich anzurechnen? 500 Euro für das extrem hohe Risiko sich anzustecken? Für außertourlich geleistete Arbeitsstunden – wie etwa das Impfen, welches manche Krankenschwestern übernehmen? Für essentielle Arbeit, ohne die unsere Gesellschaft diese Pandemie nicht überstehen (geschweige denn, besiegen) kann – und obendrein auch sonst nicht funktionieren könnte?

Es ist kein Geheimnis, dass im Pflege- und Gesundheitssektor viel zu schlecht bezahlt wird. Es ist aber richtig schockierend zu sehen, dass sich auch durch eine solche Krise daran immer noch nichts ändert! Und das, obwohl das Bewusstsein für die Wichtigkeit jener Tätigkeiten gerade jetzt noch einmal gestiegen ist. Notwendig wäre keine einmaliger Corona-Bonus, sondern eine deutliche und dauerhafte Erhöhung der Gehälter der Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten! Das wäre für uns alle das Beste, denn jeder Mensch wird einmal krank, und der Großteil der alten Menschen wird früher oder später Pflege benötigen!

Woher das Geld dazu nehmen?

Wir könnten ja damit anfangen, riesigen Konzernen wie zum Beispiel der AUA nicht mehr Millionen und Milliarden zu schenken. Oder wir besteuern Reichtum höher, angefangen mit einer Erbschaftssteuer! Bis dahin wäre es meiner Meinung nach auch eine gute Lösung, wenn die Regierung ihr Motto „Klatschen statt Geld“ auch den Empfänger*innen dieser Form des Dankeschöns zugestehen würde: Dann sollen sich jene Menschen, die beklatscht worden sind, auch beim Einkauf im Supermarkt an die Kassa stellen, fünf Minuten klatschen und dann ohne zu zahlen mit den Lebensmitteln rausgehen dürfen. Dann hätte das Klatschen für sie wenigstens einen konkreten Sinn gehabt!

Wer mit mir über meinen Beitrag ins Gespräch kommen will, ist herzlich willkommen. Wir können uns bei Veranstaltungen der KPÖ-Donaustadt treffen, oder Sie schreiben mir einfach: donaustaedter@kpoe.at