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Auch in diesem Jahr – Gemeinsam gegen Faschismus und für eine sozialere Gesellschaft!

  • Sonntag, 21. Februar 2021 @ 18:03
Widerstand in Transdanubien Auch in diesem Jahr fand beim Goethehof in Kaisermühlen ein
überparteiliches, transdanubisches Februargedenken statt.

Neben dem gemeinsamen Erinnern an die Februarkämpfe stand bei vielen Redner*innen auch der aktuelle Bezug hinsichtlich Demokratie, Antifaschismus und Kapitalismuskritik im Fokus. Gernot Trausmuth und Hanni Wagner von der überparteilichen Initiative „Rassismusfreies Transdanubien“ moderierten die Veranstaltung und führten durch die vielfältigen und durch die Bank hochaktuellen Redebeiträge.

Gernot Trausmuth leitete die Veranstaltung mit einem historischen Vortrag über die Februarkämpfe ein und stellte fest, dass einerseits der Kampf wirklich weitestgehend von den österreichischen Arbeiter*innen (manchmal sogar von Kindern) geführt wurde, dass Gedenkveranstaltungen aber auch zu Mythenbildung neigen. Denn eigentlich waren die Kämpfe 1934 nicht mehr die Verteidigung von Demokratie (diese gab es zu diesem Zeitpunkt in Österreich bereits nicht mehr), sondern eher der verzweifelte Versuch die letzte Zerschlagung der österreichischen Arbeiter*innenbewegung zu verhindern. Die Gemeindebauten waren Zentren der Kämpfe, doch die Stromabschaltung, welche einen Generalstreik hätte auslösen sollen blieb weitestgehend folgenlos. Es gab keine direkten Befehle und auch der Schutzbund war schon sehr geschwächt. Zwar konnte er kurzfristig die Kontrolle in Floridsdorf, Kagran, Stadlau und Kaisermühlen erringen, doch die Niederlage war absehbar. Für viele Menschen war diese Niederlage auch der Niedergang einer ganzen Welt, so beging eine ganze Familie im Goethehof nach Ende der Kämpfe Selbstmord. Abschließend nahm er noch auch einzelne Personen wie Anni Haider, Anna Wundsam oder Josef Gerl, welcher auch nach den Februarkämpfen weiter Widerstand leistete, Bezug. Die letzten Worte vor seiner Hinrichtung 1934 waren: „Das Ideal stand mir höher als mein eigenes Leben“.

Für die Freiheitskämpfer*innen Donaustadt sprach Camila Garfias (Im Bild Vierte von links), welche betonte, wie wichtig auch in schwierigen Zeiten der Kampf für Menschenrechte ist. Und in schwierigen Zeiten leben wir: Corona Leugner und Neonazis gehen gemeinsam auf die Straße, Hass und Hetze sind wieder salonfähig und es findet eine gezielte Spaltung der Gesellschaft (in kleinen Schritten) statt. Rechte Parteien benutzen die Unsicherheit der Menschen um faschistische Ideen umzusetzen. Die ÖVP betreibe Doppelmoral – sie inszeniere sich als "christlich-soziale" Partei, schiebe aber gleichzeitig Kinder ab bzw. bleibe bei Flüchtlingslagern tatenlos. Auch die Grünen und in der Vergangenheit die SPÖ tragen hier eine Mitverantwortung. Heute komme es darauf an, dass wir gemeinsam für fortschrittliche Mehrheiten, echte Sozialpolitik und Hoffnung für ein besseres Leben arbeiten.

Heide Sequenz, Gemeinderätin der Grünen (im Bild Zweite von links), nahm in ihrem Redebeitrag auf Ungarn Bezug, wo Orban innerhalb kurzer Zeit ein autoritäres Regime etablieren konnte. Wie konnte das geschehen? Es wurden wirtschaftliche Abhängigkeiten geschaffen, oppositionelle Medien unterdrückt bzw. marginalisiert und z.B. auch ethnischen Ungarn aus dem Ausland das ungarische Wahlrecht ermöglicht (welche in einer Mehrheit für Orban stimmten). Die Opposition an sich sei zerstritten, konnte aber zuletzt bei einer Wahl in Budapest mit einer gemeinsamen Liste gegen Orban erfolgreich sein.

Von der Junge Linke ergriff Serafin Fellinger (im Bild rechts) das Wort. Er erinnerte daran, dass die Februarkämpfe der erste bewaffnete Kampf gegen Faschismus in Europa war und dass der Aufstand bzw. die gesamte Situation in der Zwischenkriegszeit eine andere als heute war. Nichtsdestotrotz kann und muss die Linke aus der Geschichte lernen. Sie muss es wieder schaffen Geschichte selbst zu schreiben und die Utopie einer guten Welt in die Herzen und Köpfe der Menschen bringen, um einerseits aktiv gegen den Faschismus, aber auch das herrschende System vorgehen zu können.

Für die KPÖ Donaustadt sprach Bernhard Gaishofer (im Bild Dritter von links), welcher in seinem Redebeitrag vor allem auf die Krisen des aktuellen, kapitalistischen Systems einging, welche durch die Corona Krise deutlich werden und die Wichtigkeit von sozialer Veränderung im Zusammenhang mit Antifaschismus betonte.

Sein Redebeitrag im Wortlaut – Hier klicken!

Ernst Wolrab (in Vertretung für Dagmar Schindler) vom KZ Verband Wien (Zweiter von rechts), betonte, dass das letztes Jahr von uns allen viel von uns abverlangt habe und es immer mehr Parallelen zu 1930er Jahre gibt, unter anderem seien Rechtsextreme sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir Linke müsten daher aus der Geschichte lernen, unter anderem, dass Querfronten (mit Rechten) noch nie etwas gebracht haben. Vielmehr müsse jetzt Solidarität, aber auch Rücksicht und Respekt aktiv umgesetzt werden.

Von der Sozialistischen Jugend Donaustadt sprach Clemens Weigl (im Bild links), welcher betonte, dass sich eine Gedenkveranstaltung auch dazu eigne, innezuhalten und die aktuelle Situation zu analysieren: So müsse natürlich festgestellt werden, dass das vergangene Jahr unser aller Leben verändert hat, die eigentlichen, grundlegenden Probleme – das neoliberale, kapitalistische System aber schon vor Corona bestanden hat. Daher sei es grundlegend, dass bei allen politischen Aktivitäten auch gegen das neoliberale Wirtschaftssystem aktiv vorgegangen wird.

Selbstverständlich gab es auch heuer ein kulturelles Programm:

Einerseits wurden von der „Roten Kapelle“ klassische Arbeiter*innenlieder vorgetragen. Andererseits präsentierte Hanni Wagner zwei literarische Beiträge aus der Anthologie „Im Kältefieber“ von Erich Hackel. Dieses Werk ist eine Sammlung von verschiedenen Literaten, welche sich mit Februarkämpfen auseinandergesetzt haben. Zu hören bekamen die Teilnehmer*innen einen internationaler Blick auf die Kämpfe von Ilja Ehrenburg und einen eher romanhaftet Bericht von Veza Canetti.

Die gesamte Veranstaltung zum Nachhören– Hier klicken!

Abschließend noch ein großes Dankeschön an alle Organisator*innen und alle beteiligten Antifaschist*innen, welche zu dieser gelungenen und hochaktuellen Gedenkveranstaltung beigetragen haben.