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Ein Wochenende des Dialogs, des Nachdenkens und der inhaltlichen Auseinandersetzung

  • Dienstag, 6. Mai 2008 @ 09:42
KPÖ in der Donaustadt Unter diesem Motto stand im April ein Wochenende zu dem die KPÖ Donaustadt und Ihr Kaktusteam luden. Etwas mehr als 25 Interessierte haben an beiden Tagen teilgenommen. Davon etwa ein Drittel, die der KPÖ nicht als Mitglieder angehören. Ein sehr aktuelles politi-sches Problem nämlich,

"Verkehr Umwelt, Klima"

stand am Sonntag zur Diskussion.

Dazu wurde der des deutsche Verkehrs- und Umweltexperte Dr. Winfried Wolf, eingeladen. In mehreren kurzen Referaten und einer äußerst regen Diskussion, an der Telnehmer (KPÖMitglieder und Sympathisanten, Aktivisten gegen den Bau der Lobau-Autobahn, einem Repräsentanten von Global 2000 usw.) bildeten den Ausgangspunkt einer regen Diskussion.

Winfried Wolf war von 1994 bis 2002 für die PDS Abgeordneter des Deutschen Bundestages und dort Mitglied des Verkehrsauschusses, ist unter anderem Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von Attac-Deutschland und Herausgeber einer Reihe von Fachbüchern zum Thema Umwelt und Verkehr.

Der Referent hat an Hand vielschichtiger Beispiele aus seinem Buch "Verkehr. Umwelt. Klima - die Globalisierung des Tempowahns" deutlich gemacht, dass die derzeitige Entwicklung des Verkehrs unweigerlich zu einem baldigen Verbrauch der Erdölreserven und zu irreversiblen Umweltschäden führen muss. Wenn z.B. von vielen so genannten Experten behauptet wird, dass die fossilen Brennstoffe noch für viele Jahrzehnte reichen, so wird dabei im wesentlichen vom heutigen Verkehrsaufkommen ausgegangen. Gern übersehen wird jedoch, dass beispielsweise in China und Indien derzeit nur etwa gleichviel Kraftfahrzeuge zugelassen sind wie in vier deutschen Bundesländern! In beiden asiatischen Ländern geht aber die Entwicklung dahin, auf Dauer eine Motorisierungsdichte wie in Europa zu haben.

Eine sehr negative Rolle bei der Vergeudung von Energie und Belastung der Umwelt kommt auch dem stetig anwachsenden Flugverkehr zu. Wenn man bedenkt, dass derzeit die Hälfte aller weltweiten Flüge auf US-amerikanische Binnenflüge entfällt und der Trend in Richtung extremer Verbilligung des Fliegens geht, kann man sich vorstellen, was bei unveränderter Politik auf die Menschen und ihre Umwelt zukommt.

Äußerst kritisch hat sich Winfried Wolf auch in Bezug auf Praktiken des internationalen Warenverkehrs geäußert. Nicht selten kommt es vor, dass Waren über Kontinente transportiert werden, da oder dort behandelt werden, um womöglich wieder nach tausenden Kilometern beinahe an ihren Ausgangsort zurückzukehren. Als einprägendes Beispiel sind chinesische Walnüsse genannt worden. Während in der EU hunderte Tonnen ungeerntet bleiben, hat China 2002 6.721 t Walnußfleisch in die EU exportiert. Und warum: Weil die Arbeitskraft in China einen Bruchteil dessen kostet, was in Europa aufgewendet werden müsste.

Die Diskussionsteilnehmer und Winfried Wolf haben in geradezu allen Punkten übereingestimmt. Dass Verkehr vermieden gehört, der öffentliche Personennahverkehr und der nicht-motorisierte Verkehr und Projekte wie autofreien Stadtteile gefördert, der Flugverkehr reduziert und unnötiger Güterverkehr eingedämmt werden müssen, ist nach der Veranstaltung die Ansicht nahezu aller gewesen.

Nur in einem Detail haben einige Teilnehmer den Referenten nicht überzeugen können. Winfried Wolf ist zwar kein Gegner der U-Bahn, aber der Ansicht, dass die Straßenbahn aus Kostengründen der Untergrundbahn vorzuziehen ist. Diese sieht er nur in den städtischen Zentren, wo an der Oberfläche nicht ausreichend Platz für eine Straßenbahn ist, als die richtige Lösung. Die KPÖ Donaustadt glaubt jedenfalls, dass die U-Bahn als Verkehrsmittel für unseren Be-zirk wichtig und richtig ist und die Mittel für sie richtig eingesetzt sind. Auf Grund der großen Entfernungen reicht die Straßenbahn bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme in einer Großstadt wie Wien nicht aus. Auch sind die Kosten für den Bau in Hochlage im Vergleich zu Tiefbau wesentlich geringer.

"Eine Gesprächsrunde ohne Tabu: Wie sehen wir die KPÖ heute?" gab es am Samstag

Dem sehr inhaltsreichen Sonntag war am Samstag ein mit SympathisantInnen und anderen Interessierten zwangloser Gedankenaustausch unter dem Motto "Eine Gesprächsrunde ohne Tabu: Wie sehen wir die KPÖ heute?" vorangegangen, der von Melina Klaus, Bundessprecherin der KPÖ, moderiert wurde. Eine dabei für die KPÖ Donaustadt besonders wichtige Frage: Wie sehen wir uns heute und wie die KPÖ außerhalb der Partei wahrgenommen wird. Die "Quintessenz" muss einerseits als wenig überraschend, anderseits (dennoch) als ernüchternd bezeichnet werden. Noch immer gilt: Wer sich nicht - aus welchen Gründen auch im-mer - für die KPÖ interessiert, nimmt sie als Gesamtpartei so gut wie gar nicht wahr. Von den Massenmedien so gut wie totgeschwiegen, gelingt es uns (noch) nicht, von einzelnen Anlässen abgesehen, der Öffentlichkeit unsere Existenz und unserer Meinung ausreichend und nachhaltig näher zu bringen. Hier warten noch große Aufgaben auf uns, schließlich sind die finanziellen Mittel, die der KPÖ seit der De-facto-Enteignung im Zuge des Novum-Prozesses" zur Verfügung stehen, äußerst gering.

Einen kleinen Schritt vorwärts hat in dieser Hinsicht die KPÖ Donaustadt, so die Gäste dieser gesprächsrunde, gemacht. Auf "Bezirksebene" gelingt es immer besser, die Vorstellungen der Kommunisten zu verbreiten. Ein wesentlicher Faktor dabei ist unsere Bezirkszeitung "Kaktus" und vor allem ihr Erscheinen im Internet.