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Niemals vergessen! - Eindrucksvolle Gedenkkundgebung in Wien Stadlau

  • Freitag, 14. März 2008 @ 09:34
Mehr als 50 AntifaschistInnen, Mitglieder der KPÖ Donaustadt aber auch zahlreiche Parteiungebundene und AntifaschistInnen anderer Parteizugehörigkeit kamen zu der von der KPÖ Donaustadt und ihrem Kaktusteam am 12.März 2008 anlässlich der Ereignisse vor 70 Jahren durchgeführten Gedenkkundgebung.

Unter den KundgebungsteilnehmerInnen waren auch Regina Stelzel (rechtes Bild oben, erste von rechts) und Helene Bahrfuss (Bild rechts unten mit einem ihres Vaters aus dem Jahr 1942), Töchter der, auf Grund ihrer für die KPÖ illegale Tätigkeit von den Nazis hingerichteten, Väter Franz Stelzel und Andreas Morth.

Weiters nahmen AktivistInnen der überparteilichen Friedensinitiative Donaustadt, der Initiative "Transdanubien gegen Schwarz Blau" und auch drei BezirksrätInnen der Donaustädter Grünen an der Gedenkveranstaltung teil. "Wir sind stolz darauf, was Mitglieder unserer Partei im Widerstand geleistet haben. Niemand sollte aber der Versuchung erliegen, den antifaschistischen Widerstandskampf alleine für seine Partei und weltanschauliche Richtung zu reklamieren." stellte Johann Höllisch, Bezirkssprecher der KPÖ Donaustadt in seiner Ansprache fest.

Auch heute gebe es Menschen und politische Kräfte, die die Verbrechen des Naziregimes verniedlichen und leugnen. Neofaschismus, Antisemitismus, Rassismus und Krieg seien in unserer Gesellschaft bis heute nicht überwunden.

Ein mehr als eigenartiges Geschichtsverständnis

"Betroffen aber macht, wenn verantwortliche Politiker und Medien der Auseinandersetzung mit solchen Haltungen ausweichen oder wenn sie solche Haltungen in ihrer Politik oder Berichterstattung noch fördern .
Kommunisten Die FPÖ hat es in unserem Bezirk fertig gebracht, einer Straßenbenennung nach Sophie Scholl und der Errichtung eines Antifaschistischen Mahnmals für die in der Lobau von den Nazis zu Tode geschundenen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die Zustimmung zu versagen." stellte er in diesem Zusammenhang mit Besorgnis fest. "Dass so viele Österreicherinnen und Österreicher bei der Enteignung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Juden so große Mitschuld auf sich geladen haben", sei ein Beleg, auf welch fruchtbaren Boden der Nationalismus und Rassenwahn des Hitlerregimes auch in Österreich gefallen sei, hielt er dem vom ÖVP-Parlamentsklub aus der politischen Mottenkiste als Redner zurückgeholten Otto Habsburg entgegen.

Spät aber doch arbeitet die KPÖ auch eigene dunkle Seiten ihrer Geschichte auf.

"Ja, es hat auch im Namen des Sozialismus Missachtung der Demokratie, autoritäre Machtausübung, Willkürlichkeit und auch gegen viele aufrechte Antifaschistinnen und Antifaschisten gerichteten Terror gegeben" führte Johann Höllisch auch zur eigenen Geschichte der kommunistischen Bewegung aus, deren kritische Aufarbeitung auch bei einem solchen Anlass nicht unerwähnt bleiben dürfe.

"Die vielen Versuche, uns mit den Faschisten im Umgang mit Demokratie, Freiheit und Menschenrechten gleichzusetzen, und die offene Ignoranz des Beitrages der Kommunistinnen und Kommunisten für ein freies und unabhängiges Österreich im heutigen offiziellen Geschichtsbild, dürfen uns davon nicht abhalten Auch deshalb sind wir uns das selbst schuldig, weil viele ehrliche Kommunistinnen und Kommunisten, zu den ersten Opfern der stalinscher Verbrechen zählen"

Die Vergangenheit aufarbeiten um für die Gegenwart und Zukunft zu lernen!

All jene, die die KPÖ bisher wegen "fehlender Geschichtsaufarbeitung" kritisiert haben, fordert Johann Höllisch auch dazu auf, sich auch der Aufarbeitung der eigenen Geschichte nicht weiter zu verschließen.

"Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" Es gehe darum, auch in Zukunft, wo immer nötig gegen Neofaschismus, Rassismus und Menschenverachtung gemeinsam aktiv zu werden, stellte er zum Abschluss seiner Rede fest.

Die Rede von Johann Höllisch im Wortlaut - hier klicken!

Kommunales Wahlrecht für MigrantInnen in anderen Ländern bereits längst demokratiepolitischer Standard!

Obwohl von Bürgermeister Häupl im November 2004 versprochen habe, das kommunale Wahlrecht für MigrantInnen (Nicht EU-BürgerInnen) mit einer "neuen Regierung nochmals anzugehen", sei dazu bisher nicht viel passiert, berichtet Franz Wagner, als weiterer Redner für die überparteiliche Initiative "Transdanubien gegen SchwarzBlau" , welche auch nach der Ablöse der schwarz-blau-orangen Regierung weiter besteht und für die Durchsetzung der damals erhobenen Forderungen auch weiter politisch wirken wird. "Also dürfen sich Bezirksräte nicht äußern, wer sie wählen soll?", fragte er unter Hinweis auf die letzte Bezirksvertretungssitzung. (siehe auch Kaktusbeitrag vom 13.03.08 - hier klicken)

Die Rede von Franz Wagner im Wortlaut - hier klicken!

"Sie bleiben uns für immer nah!"

Im Verlauf der Kundgebung wurden an beiden in der Wurmbrandgasse vorhandenen Gedenktafeln, die an von den Nazis hingerichtete an WiderstandskämpferInnen erinnern, Kränze angebracht. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied "Die Moorsoldaten" und einem von Ernst Toman verfassten und vorgetragenen Lied "Sie bleiben uns für immer nah!" " wurde die Kundgebung auch musikalisch umrahmt.

Videoclip 1.Teil/3 Musikalische Einstimmung und Rede von Johann Höllisch - 1.Teil

Videoclip 2.Teil/3 Rede von Johann Höllisch - 2.Teil, Antifaschistsiches Lied von Ernst Toman

Videoclip 3.Teil/3 Rede von Franz Wagner, Musikalischer Abschluss -