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    Montag, 16. September 2019 @ 19:10

    Opel will weitere 400 Beschäftigte kündigen!

    Ein Rück- und Ausblick auf die Entwicklungen im Asperner Opel-Werk

    2017 veräußerte der Mutterkonzern General Motors die ihm seit 1929 gehörende deutsche Automarke Opel an die französische Groupe PSA, Europas zweitgrößten Autohersteller. PSA implementierte einen konzernweiten Effizienzplan, demzufolge bisher 30% der Fixkosten gespart werden konnten. Auch im Asperner Opel-Werk, das Getriebe und Motoren herstellt, wird seitdem ein noch schärferer Sparkurs gefahren als bisher.

    Im April 2018 wurde der Belegschaft in einer Betriebsversammlung vorerst mitgeteilt, dass 140 Stellen wegfallen sollen. Daraufhin gewährte die Stadt Wien im Juni 2018 dem Konzern eine Förderung von € 1 Million, einstimmig beschlossen vom Wiener Gemeinderat. Diese sollte den Fortbestand des Werkes sichern und der Investitionsfreude des Konzerns auf die Sprünge helfen. Die meisten der 140 Mitarbeiter wurden dennoch verabschiedet. Außerdem hat man im Zuge des dazu abgeschlossenen Vertrages darauf vergessen, auch die Zahl der Arbeitsplätze, die erhalten bleiben müssen, festzulegen, kritisieren die Vertreter*innen der Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp – weshalb jetzt 400 Leute, ein Drittel der Belegschaft, abgebaut werden sollen.

    Erneut springt die Stadt Wien wieder helfend zur Seite. Sie übernimmt 200 der 400 Gekündigten, die bei den Wiener Linien in den Bereichen Fahrzeugtechnik und Fahrdienst unterkommen sollen. Den Beschäftigten wurde ein „Golden Handshake“ angeboten, wenn sie bis Jahresende „freiwillig“ aus dem Unternehmen ausscheiden. Beim WAFF (Wiener Arbeitnehmer*innen-Förderungsfonds) wurde eine Arbeitsstiftung eingerichtet, die aus Mitteln der Stadt Wien, des AMS und Opel finanziert wird. Die Betroffenen können bis zu vier Jahren in dieser verbleiben, etwa um Lehrabschlüsse nachzuholen oder eine FH-Ausbildung zu machen.

    „Freiwilliger“ Lohnverzicht offenbar „für die Katz“

    Noch im Jahr 2015 wurde zwischen Belegschaft und Geschäftsführung (damals noch unter dem alten Eigentümer General Motors) ein „Standortsicherungspaket“ vereinbart. Damals verzichteten die Beschäftigten auf 2% ihres Gehalts. Im Gegenzug verpflichtete sich das Unternehmen, ein ausreichendes Produktionsvolumen weiterhin sicherzustellen. Mit dem Eigentümerwechsel fühlt sich der Konzern offenbar für seine Verpflichtungen nicht mehr zuständig, weshalb die Gewerkschaft nun Klage gegen die „Lohnabschmelzung“ einbringt, um so den Arbeitnehmer*innen das Geld, auf das sie verzichtet haben, rückwirkend zu erstreiten.

    Gewinne werden privat angeeignet, Verluste sozialisiert

    Analog zum Titel von Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ (1929) kann gesagt werden: „Im Kapitalismus nichts Neues“. Konzerne und ihre Geschäftsführungen entscheiden, was produziert wird. Für menschliche Kollateralschäden und Auffangnetze fühlen sie sich bestenfalls bedingt zuständig. Sie werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln durch die Allgemeinheit finanziert. Was also fehlt, ist eine Wirtschaftspolitik, die sich nicht der Gewinnmaximierung, Standortkonkurrenz und Effizienzplänen unterordnet. Ob dies unter kapitalistischen Verhältnissen gelingen kann, ist allerdings fraglich.

    Letztlich im Raum steht auch die Frage nach der Zukunft des motorisierten Individualverkehrs, sprich: des Autos. Dieser verursacht ja fast 30% der schädlichen Treibhausgase. Die AK fordert im Hinblick auf die bis 2030 zu erreichenden Klimaziele (bei deren Nichterreichen Zahlungen in Milliardenhöhe drohen) eine „Just Transition“ für die Facharbeiter*innen von Opel-Aspern, die aufgrund des Umstiegs von Verbrennungs- auf E-Motoren nicht mehr gebraucht werden. Dies ist ein Konzept, das auf die 1980er Jahre zurückgeht, als die Friedensbewegung um Bündnisse mit den Arbeitenden der Rüstungsindustrie bemüht war. Dabei wurde gemeinsam für eine Konversion der Produktion zugunsten von zivilen Produkten Druck aufgebaut.

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