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    Tuesday, 19. September 2017 @ 15:37

    Seestadt Aspern – Neues Paradies des sozialen Wohnbaus?

    Ein Kommentar von Bernhard Gaishofer, Bezirkssprecher der KPÖ Donaustadt

    Wie schon in den letzten Jahren kolportiert, soll mit der Seestadt Aspern, einem der größten Stadtplanungsprojekten in ganz Europa, eine innovative und fortschrittlich durchdachte „Stadt der Zukunft“ entstehen. In der Donaustadt gelegen soll sie in einzigartiger Weise Wohnen, Arbeiten und Leben verbinden und dies alles in einem sozialen und ökologischen Einklang. Nun wird die Verwirklichung ernst, da das „Seequartier“ als eines der größten geplanten Viertel in den nächsten Jahren fertig gestellt werden soll. Klingt alles sehr schön, doch stellt sich, wenn man die Aussendungen zur Seestadt Aspern durchsieht, vor allem in Bezug auf die soziale Verträglichkeit die Frage, ob die vielen Versprechen gehalten werden können.

    Große Pläne für die „Stadt der Zukunft“

    Liest man sich die Konzepte zur Seestadt durch, klingt alles wunderbar: Sie soll sämtliche Lebensbereiche in einem überschaubaren Umfeld vereinen und quasi Dorfcharakter in der Großstadt Wien bieten. Neben vielen Freiflächen sollen auch großzügig angelegte Grünflächen errichtet werden, dies alles selbstverständlich in U-Bahn Nähe. Ebenso ist die Errichtung eines eigenen Bildungscampus geplant, welcher zahlreiche Lehreinrichtungen in sich vereinen soll. Den Beschreibungen kann man ebenfalls entnehmen, dass auch schon zahlreiche Investoren und Geschäftsleute Interesse an dem neuen Gebiet haben: Hotels, Bürotürme und große Flächen für Handel und Dienstleistungen sind geplant.

    Groß angekündigt wird auch der Bau von 250 Eigentumswohnungen, welche selbstverständlich freien Blick auf den namensgebenden See bieten werden. Schön und gut, aber wie schaut es mit der angepriesenen „sozialen Durchmischung“ und vor allem mit dem leistbaren Wohnraum aus?

    2012 gab es einen Bauträger Wettbewerb für die ersten 760 geförderten Wohnungen und 300 StudentInnenheimplätze. 1.603 Wohnungen sollen im Rahmen der Wiener Wohnbauinitiative errichtet werden. Den Texten ist zu entnehmen, dass bis 2028 in der Seestadt Aspern leistbarer Wohnraum für rund 20.000 errichtet werden soll.

    Wer kann sich’s leisten?

    Von den Eigentumswohnungen abgesehen, welche natürlich in keiner Weise in die Kategorie „günstige Wohnungen“ fallen, sind auch die von der Gemeinde geförderten Wohnungen weit von den Mieten von „normalen“ Gemeindebauwohnungen (welche seit 2004 nicht mehr errichtet werden) entfernt. Freilich sind die Mieten günstiger als bei den meisten Privatwohnungen, doch gerade in Verbindung mit den gestiegenen Betriebskosten kann von sozialem Wohnbau keine Rede mehr sein. Hinzu kommt, dass rund 90 % der geplanten Wohnungen Genossenschaftswohnungen sein werden, wo man selbstverständlich auch den Genossenschaftsanteil und den Eigenmittelbeitrag, welche in der Höhe von tausenden Euro sein können, nicht außer Acht lassen darf. Ob die Vergabe von Förderungen und günstigen Darlehen an externe, „soziale“ Bauträger im Gegensatz zu der Errichtung von echten Gemeindebauten, wie dies von der Stadt Wien in den letzten Jahrzehnten praktiziert wurde, wirklich sinnvoller ist, darf auch bezweifelt werden…

    Die Seestadt befindet sich zurzeit noch in Bau. Dass sie zu einer sozialen Stadt mit viel leistbaren Wohnraum wird ist, trotz den schön geschriebenen Projektplänen, fraglich. Hoffen wir, dass es bei der Gemeinde Wien zum Beispiel in der Wohnungsfrage zu einem Umdenken kommt, indem sie sich unter anderem die Kritik „von Links“ zu Herzen nimmt und sich mit den Vorschlägen der KPÖ zum Thema Wohnenauseinandersetzt.

    Denn es wäre schade, würde die Seestadt Aspern, welche im Grunde eine wichtige und fortschrittliche Idee ist, zu einem reinen Prestigeprojekt der Regierenden verkommt.