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    Willkommen bei Kaktus
    Thursday, 24. August 2017 @ 08:45

    „Natürlich wird ein Sparpaket kommen!“

    Brief eines Lehreres - von Karl Gugler

    Der Titel ist ein Zitat der Null-Uhr-Nachrichten auf Ö1 zum Stand der Koalitionsvereinbarungen von SPÖ und ÖVP vom 8.11.2013. Sie, die Kapitalisten und ihre Knechte, die Politiker/innen, lassen es uns schon jetzt wissen, was auf uns zukommt. Klar, die Wahlen sind vorbei. Jetzt oder vielmehr demnächst muss wieder ordentlich regiert werden. Und sie können sich getrost auf die Auswirkungen der Gehirnwäsche, die sie tagtäglich an uns vollbringen, verlassen. Krise, Krise allerorten …

    Nicht zufällig ist immer noch Krise angesagt. Das ist sehr zweckmäßig. Damit kann man den Men-schen sehr erfolgreich Angst machen. Dann kuschen die, schnallen bereitwillig den Gürtel noch enger und erklären jeden anderen für verantwortungslos, der gegen diese Frechheiten aufzubegehren vorhat.

    Wie eh und je werden es folgende Kapitel sein: Bildung (also: die Lehrer/innen), Gesundheit (also: die Spitalsmisere), Sicherheit (also: Personalkosten der Polizei) und die Pensionist/innen (also: die Kosten steigen zu sehr, weil die nicht rechtzeitig sterben).

    Zur Sache!

    Zu unserer Schule! Ich höre: „Wir haben null Budget!“ Aber dafür haben wir jede Menge Vorgaben, was nicht alles in Zukunft gehen soll im Bereich jener Schlüsseltechnologie, für die – unter anderen – auch ich zuständig bin: in der Computerei nämlich. Nur einige wenige Unterrichtsräume sind up to date ausgestattet. Für alle anderen gilt, dass die Kolleg/inn/en sich mit Uralttechnologie herumschlagen: Tafeln für Kreidegeschreibsel, VHS-Band-Recorder und 70cm-Röhren-TV-Geräte mit Monolautsprechern. Einen DVD-Player muss frau/man erst aus einem klitzekleinen Fach herausziehen und abenteuerlich verkabeln, wenn ein Film eingespielt werden soll. Seit Jahren fehlt das Geld für einen Schrank und für eine fixe Verkabelung. Billiglösungen soweit das Auge reicht! Whiteboards kennen wir – aus den Prospekten. In 13 von 24 Unterstufenklassen sitzen mehr als 25 Schüler/innen, obwohl die Höchstzahl doch 25 ist. Auch die Anzahl 30 kommt wieder vor.

    Im Jahr 2017 soll ein Teil der Matura internetgestützt und zentral ablaufen. Die vier EDV-Säle im Keller enthalten 56 SchülerPCs. Selbst wenn die alle ausfallssicher funktionierten: die Anzahl der Schüler/innen in den 8. Klassen liegt bei 72! Da fehlen 16, fällt mir auf. Das wird dem Ministerium aber so etwas von egal sein, fällt mir ein. Die werden doch auch in den kommenden Jahren ausschließlich an der Senkung der Kosten für das Ganze interessiert sein. Das motiviert die Mitarbeiter/innen ganz sicher ungemein, sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen, die letztendlich den Schüler/innen dienen würde. Das Gegenteil wird wohl eher der Fall sein … und dieser Trend ist ja kaum noch zu übersehen. Frustration macht sich breit. Hau den Hut drauf! Dienst nach Vorschrift und damit Basta!

    … und wer es hat, das Geld!

    Die Frage, wo das Geld ist, das wir bräuchten, ist recht einfach zu beantworten, wenn man sich den Kapitalismus genauer ansieht. Es ist dort, wo es im Kapitalismus immer hingeht – bei den Kapitalis-ten. Das sind die, die es in allen Lebenslagen besser haben: schönes Arbeitsumfeld, besseres Essen, besseres Wohnen, bessere Urlaube, besseres Autofahren usw. In den letzten Jahren haben alle namhaften Autokonzerne ihre Produktpalette im obersten – also dem teuersten – Segment ausgebaut oder ergänzt. Es gibt wieder einen Markt für Automodelle wie (Porsche) Cayenne, (Audi) Q7 oder (VW) Touareg. Man kann also wieder Geld verdienen mit Autos, die gut und gerne 80.000,- oder 100.000,- EUR kosten, und sie deshalb in größerer Stückzahl herstellen lassen. Der große Vorteil (oder auch Nachteil) dieses Produkts: es ist sichtbar für alle bei seiner Verwendung. Damit wird aber auch sichtbar, wo das Geld ist. Nicht so sehr in der Donaustadt, eher in Hietzing und Döbling häuft es sich.

    Der Vergleich mit der Wiener Wohnungsnot um 1920 und deren Lösung durch Einführung der Wohnbausteuer drängt sich förmlich auf. Die SPÖ tickt in der Zwischenzeit nur völlig anders. Helfen kann hier nur eine Stärkung von uns Kommunist/inn/en. Was sonst?

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER
    schulprobleme@kpoe.at

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