Ein sinnloses Projekt braucht keine Alternativen.

Sonntag, 16. November 2025 @ 11:33

Ein KAKTUS-Online-Bericht von Fabio Testasecca

Im gewohnten Rahmen des Pfarrsaals der Pfarre St. Josef in Essling fand das letzte Treffen der sechsteiligen Veranstaltungsreihe der Initiative „Esslinger für die Lobau“, zum Nationalpark Lobau und zu den Auswirkungen des Baus – nicht nur des Tunnels, sondern auch des Streckenabschnitts der Lobauautobahn, der Süßenbrunn mit Schwechat verbinden soll – statt.

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Als Gast des Abends, in einem so voll besetzten Saal wie nie zuvor, war der Experte Wolfgang Rehm anwesend, Koordinator des Umweltvereins „Virus“ und Forscher an der BOKU Wien im Bereich des Forschungsrisikos.

Rehm betitelte seinen Vortrag mit „S1 Lobautunnel (V)verfahren“, einem Wortspiel, das auf die jahrzehntelangen Verfahren und eine „verfahrene Situation“ anspielt.
Der Forscher begann seine Präsentation mit einer Warnung: „Was die Politik will, ist nicht immer das, was die Politik auch tun darf.“ In einem Rechtsstaat sind es nicht die Politiker, die entscheiden, sondern Experten und Gerichte, die auf Grundlage technischer Unterlagen und nicht aufgrund politischer Spekulationen urteilen.

Das Thema ist äußerst komplex und vielschichtig, und es ist eine enorme Herausforderung, in jahrzehntelangen Verfahren und einem mehr als 15.000 Seiten umfassenden Material für Klarheit zu sorgen. Dennoch ist es ernüchternd zu sehen, dass österreichische Politiker – von der SPÖ über die FPÖ bis hin zur ÖVP – wenig Sachkenntnis zeigen und ihre Aussagen auf ideologische Vorstellungen statt auf Fakten stützen.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache!

Fakt ist, dass Studien der Universität belegen: Selbst, wenn heute ein Tunnel vorhanden wäre, würde die Belastung auf der Tangente in zehn Jahren nahezu unverändert bleiben – sie würde von 243.300 auf 243.500 Fahrzeuge im Jahr 2035 steigen. Weitere Untersuchungen zeigen, dass auch der Verkehr auf der Esslinger Hauptstraße in zehn Jahren mit 23.100 Fahrzeugen pro Tag auf dem aktuellen Niveau verharren würde. Neue Straßen führen nur dazu, dass insgesamt mehr Autos unterwegs sind.

Die Kritik an diesem Projekt stützt sich nicht nur auf seine mangelnde Wirksamkeit bei der Reduzierung des Verkehrs im betreffenden Bereich, sondern auch auf den enormen Flächenverbrauch: Über 150 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche würden versiegelt und bebaut werden. Die Stadt Wien nutzt das Grundwasser des Nationalparks als Trinkwasserreservoir für die Stadt. Vor diesem Hintergrund erscheint es umso unverständlicher, dass ein Projekt verfolgt wird, das auch in dieser Hinsicht ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt.
Oft hört man den Satz: „Es gibt keine Alternativen.“ Doch ein Projekt, das selbst keine Alternativen bietet, braucht diese auch nicht. Vielmehr sind wirksame Lösungen gefragt – etwa die Stärkung des regionalen Schienennetzes. Es ist außerdem kaum vorstellbar, dass die Entwicklung des östlichen Österreich sich auf die Donaustadt und das Marchfeld konzentrieren soll, verbunden mit Plänen zur Versiegelung und zum Bau von über 30.000 neuen Wohnungen allein in der Donaustadt sowie weiteren Wohn- und Gewerbebauten entlang der S1praktisch in ganz Niederösterreich.

Das vielleicht besorgniserregendste Element des gesamten Projekts ist der Bau des über 8 Kilometer langen Tunnels: Einige Grafiken, die in Boulevardzeitungen erschienen sind, sollen die Sicherheit der Bohrungen belegen und zeigen, dass das Grundwasser nicht beeinträchtigt wird. Wenn man jedoch die tatsächlichen Projektunterlagen studiert, wird deutlich, dass der Tunnel mit einem Durchmesser von 15 Metern – also 10 Meter mehr als von der Politik behauptet – auf sandigen Böden in unmittelbarer Nähe der Grundwasserreservoirs gebaut werden soll. Dies stellt, wie bereits erwähnt, ein zu großes Risiko dar – sowohl für die öffentliche Gesundheit als auch für die durch den Klimawandel ohnehin schon belastete Flora und Fauna der Region.

Es sollte außerdem auf das Problem der Abgase hingewiesen werden, die an den Tunnelenden in Richtung Autokino und Schwechat austreten und die umliegende Region belasten würden. Hinzu kommt die enorme Menge an Mikroplastik, die vor allem durch den Abrieb der Reifen von Autos und LKW entsteht: Bei einer Verkehrsmenge von lediglich 200.000 Fahrzeugen pro Tag wird die Produktion auf etwa 8 Kilogramm Mikroplastik täglich geschätzt – das sind fast 3 Tonnen pro Jahr. Diese Partikel würden aus beiden Tunnelausfahrten in die Umgebung gelangen und sich dort ausbreiten, was absehbare Folgen für Umwelt und öffentliche Gesundheit hätte.

Weitere Argumente sind hier nicht mehr notwendig, deshalb komme ich zum Schluss und erinnere daran, dass ich zu Beginn des letzten Treffens zu diesem Thema gesprochen habe. Die Initiative „Esslinger für die Lobau“ hat folgerichtig den Übergang zur zweiten Phase beschlossen. Nun gilt es, möglichst viele Menschen auf den Straßen und Plätzen der Donaustadt und darüber hinaus zu mobilisieren, um unser Nein zu diesem sinnlosen Projekt sichtbar zu machen.

Wir als Aktivistinnen und Aktivisten der KPÖ sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, um Umwelt, nachhaltige Mobilität und die öffentliche Gesundheit gegen die Interessen von Eliten und großen Kreisen der lokalen und nationalen Politik zu verteidigen.

Bisherige Veranstaltungen der „Esslinger für die Lobau“:
  • Rettet die Böden, mit Blick auf das Umfeld der Lobau (10.02.2025)
  • LobAu-Autobahn: Monsterprojekt mit irreversiblen Folgen! (17.03.2025)
  • Verkehrshölle Essling adieu? (05.05.2025)
  • Verborgene Vielfalt im Auenwald (24.09.2025)


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