Es bleibt noch viel zu tun

Samstag, 21. September 2024 @ 07:56

Radfahrer haben es bei uns noch immer schwer


Man soll nicht sagen, dass aus Brüssel nie etwas Brauchbares kommt. Die EU ist zwar US-hörig, befeuert den Krieg in der Ukraine, ist alles andere als eine Sozialunion und hat auch sonst oft genug Unliebsames zu bieten, gelegentlich zeigt sie sich aber auch von einer positiven Seite: Den Mitgliedsstaaten werden für die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur nicht unwesentliche Mittel zur Verfügung gestellt. Und die Stadt Wien wendet hierfür, eigenen Angaben zufolge, jährlich rund 20 Millionen Euro auf.

Nicht zuletzt dadurch wurde und wird lange Versäumtes nachgeholt, auch in der Donaustadt.

Unser Bezirk ist von den natürlichen Gegebenheiten her für den Fahrradverkehr geradezu prädestiniert. Keine Hügel oder gar Berge erschweren die Fahrt und auch Gewässer sind selten im Weg. Dennoch wird das Rad bei weitem nicht so genutzt wie z.B. in den Niederlanden. Und das, obgleich der öffentliche Nahverkehr keineswegs alle Bedürfnisse abdeckt. Wer nicht gerade von einem Punkt nahe einer Schnellbahn- oder U-Bahnstation zu einem anderen an einem ebensolchen überrangigen Verkehrsmittel will, ist arm dran. Oder halten Sie es für sonderlich einladend z.B. von der Eßlinger Furt in die Invalidensiedlung, vom Schüttauplatz zum Tierquartier oder von der Schippanisiedlung zur Panozzalacke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren?

Freuen wir uns also über Verbesserungen

So ist beispielsweise positiv zu vermerken, dass der Kamelienweg für Fußgänger und Radfahrer geöffnet worden ist, dass die Mayredergasse zwischen der Lackenjöchelgasse und der Breitenleer Straße asphaltiert worden ist, man jetzt von dort bis Raasdorf einen Radweg hat und die Engstelle am Biberhaufenweg beim Naufahrtweg entschärft worden ist. Auch die Verlängerung des Radweges von Kaisermühlen über die Obere Alte Donau hinaus bringt denen, die in die Stadt wollen oder von dort kommen, einiges. Auf einem anderen Blatt steht, dass die Querung der Donau für Radfahrer weiterhin mit Umwegen verbunden ist. Deren Interessen sind nämlich bei der Wiedererrichtung der 1976 eingestürzten Reichsbrücke denen der Autofahrer untergeordnet worden. Ein Prinzip, an dem sich seither leider wenig geändert hat.

Für viele ist trotz der bereits erfolgten Verbesserungen das Fahrrad derzeit keine Alternative zum Auto. Das heißt nicht unbedingt, dass diese Menschen zu bequem sind, in die Pedale zu treten. Oft vermeiden zu schmale Fahrradspuren und damit die Gefahr, gegen eine sich unerwartet öffnende Autotür zu fahren, das Radfahren. Gleiches gilt für gefährliche Teilstücke. Wer z.B. auf der Breitenleer Straße im Bereich um die Ostbahnbrücke mit dem Rad unterwegs sein will, braucht viel Mut oder Routine. Kinder sollte man dort nicht fahren lassen!

Mit einer positiven Erwartungshaltung darf den derzeit in Bau befindlichen Fahrradanlagen entgegengesehen werden. Bleibt zu hoffen, dass sich die Fahrradwege an der Donaustadtstraße und in der Wagramer Straße als praxistauglich erweisen werden. Damit wäre viel gemacht.

Was nicht ist, kann ja noch werden

. In Bezug auf das, was noch nicht in Bau, aber versprochen worden ist, ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Führt man sich nämlich die Ankündigungen der Stadt Wien von Anfang 2022 „Größte Radwegoffensive in der Geschichte der Donaustadt“ in Erinnerung, so zeigt sich, dass man nicht alles, was so angekündigt wird, für bare Münze nehmen darf. Der Radweg auf der Erzherzog-Karl-Straße zwischen Wagramer Straße und Industriestraße hätte schon voriges Jahr fertig sein sollen, von einer Verkehrsberuhigung der Schickgasse ist nichts zu bemerken, Am Langen Felde tut sich in Puncto Zwei-Richtungs-Radweg nichts.

Immerhin, die Möglichkeiten legal gegen die Einbahn „radeln“ zu dürfen sind erweitert worden, und auch an einigen weiteren Kreuzungen ist das Abbiegen nach rechts bei rot (nach Halt) gestattet worden. Das erleichtert das schnellere und sichere Vorankommen durchaus.

Woran es allerdings noch immer hapert:

Mit dem Abstellen des Fahrrades tut man sich schwer. Laternenpfahle und Verkehrsschilder sind nämlich nicht dafür nicht nur nicht gedacht, sondern oft auch nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Hier sollte einiges geschehen, auch wenn es zu Lasten von Parkplätzen geht.

Siehe auch KAKTUS-Bericht vom 7.9.1923</a


KAKTUS - Online / KPÖ-Donaustadt - Es bleibt noch viel zu tun
https://kaktus.kpoe.at/article.php/20240829125621497