Mehr Demokratie und Mitbestimmung durch Kultur

Dienstag, 26. Mai 2026 @ 13:32

Ein Bericht von Donaustädter KPÖ Bezirksrat Bernhard Gaishofer

Vergangene Woche fand im Klimacamp bei der kleinen Stadtfarm ein sogenanntes legislatives Theater zum Thema Hitze in Wien statt. Organisiert wurde dies vom „Theater der Unterdrückten“.

Aber klären wir zu Beginn noch die Frage was ein legislatives Theater überhaupt ist? Dabei handelt es sich um eine, in den 1990ern in Lateinamerika entwickelte Form des Theaters, welche politische Beteiligung und Auseinandersetzung niederschwellig ermöglichen soll. Konkret geht es darum, dass in Form eines Theaterstückes (lokale) Probleme dargestellt werden. Anschließend hat das Publikum die Möglichkeit in die Szenen einzugreifen und dargestellte Verhältnisse so zu verändern, dass aufgezeigt wird wie die Probleme gelöst werden könnten.

Auf Basis dieser neuen Szenen werden dann gemeinsam konkrete Forderungen und Ideen gesammelt, welche Lösungen es in der realen Welt geben können. Diese werden dann einem sogenannten „Umsetzungsrat“ vorgelegt (das sind Personen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, wie Parteien, NGOs, wissenschaftlichen Institutionen…), die dann anhand dieser Lösungsvorschläge konkrete Veränderungen bzw. Aktionen umsetzen. Ziel soll neben konkreten Verbesserungen vor allem auch die Demokratisierung von Politik und Entscheidungsprozessen durch Mittel des Theaters sein.

Um was ging es konkret?

Behandelt wurde das Thema Hitze in Wien, wobei die genaue Fragestellung wie folgt lautete: „Wie können wir Wiens Hitzeadaptionsmechanismen nachhaltig und die Kommunikation darüber inklusiv und zugänglich gestalten? Und wie können alle Menschen ihre Sorgen und Bedenken dazu adäquat äußern?“

Für den lokalen „Umsetzungsrat“ wurden unter anderem Vertreter*innen der Armutskonferenz, von „System Change, not Climate Change“, der Grünen und der KPÖ geladen.

Zu Beginn fand das Theaterstück statt, welches anhand mehrerer Szenen, z.B. heiße Wohnung und fehlende Möglichkeit Kühlungen zu installieren, allgemeine Verbauung und dadurch voranschreitende Aufheizung, Kommerzialisierung und Rückgang konsumfreier kühler Räume, fehlende Informationen zu Kühlungs- und Beratungsmaßnahmen,… die Probleme aufzeigte.

Sehr schnell wurde klar wo strukturelle Mechanismen vorhanden sind, welche für eine Verbesserung der Situation verändert werden müssten. Und diese Veränderungen wurden von Seiten des Publikums in einigen Szenen, welche nochmals aufgeführt wurden, dargestellt. Unter anderem wurden Beratungsangebote besser dargestellt, frei zugänglicher öffentlicher Raum wieder hergestellt oder die Verbauung zurückgedrängt.

Anhand dieser Punkte wurden dann konkrete Forderungen und Vorschläge diskutiert um Hitzeadaptionsmechanismen in Wien nachhaltig zu gestalten, wobei die Vorschläge von unmittelbar umsetzbaren Aktionen, wie Begrünung, Beratungsangebote über mehr konsumfreie Räume, Maßnahmen gegen Leerstand, bessere und kostenlose Öffis, bis hin zu grundlegenden Fragen wie Stadtplanung und Eigentumsverhältnissen reichte. Schlussendlich wurden diese Vorschläge in folgende vier Überbereiche aufgeteilt: Wohnen/Bauen, Stadtplanung/Verbauung, Verkehr und Krieg/Klima.

Letztendlich äußerten sich die Mitglieder des „Umsetzungsrates“ welche Ideen sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten umsetzten oder vorantreiben können. Was aus den Forderungen dann wirklich wurde, soll in absehbarer Zeit überprüft werden.

Gemeinsam für Veränderung

Bis jetzt kannte ich die Form des Theaters nicht, aber es hat mich sehr gefreut so eine partizipative Form von Kultur miterleben zu dürfen. Es zeigt wirklich auf eine sehr niederschwellige Art wie aktuelle Probleme und Lösungen gemeinsam behandelt werden können. Gerade das Thema Hitze in der Stadt betrifft alle von uns und wird durch die aktuellen Verhältnisse bedingt immer schlimmer. Alleine schon diese Veranstaltung hat gezeigt mit was für einer Vielzahl an Maßnahmen, von ganz einfachen Dingen bis hin zu Grundlegenden, es zu Veränderung kommen kann. Vorschläge, Ideen usw. wären also genug vorhanden, jetzt geht es „nur“ noch darum, dass diese auch umsetzt werden. Leider fehlt hierzu oft schlicht und ergreifend der politische Wille. Aber ich denke dennoch, dass so eine Veränderung welche allen nützt, mit Hilfe (und vor allem auch den Druck) aller auch möglich ist – notwendig wäre es in jedem Fall, man denke nur an die aktuellen Temperaturen!


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