Die Donaustadt – ein Bezirk ohne Partnergewalt?

Sonntag, 14. September 2025 @ 17:45

Glaubt man der Bezirksvertretung, ist die Donaustadt mit ihren über 200.000 Einwohner_innen eine Zone frei von häuslicher Gewalt. Hier schlägt kein Mann seine Partnerin, hier wird keine psychische Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder ausgeübt. Wieso das wohl so ist? Unsere Bezirkssprecherin Hilde Grammel fragt nach...

Ich vermute, dass das an der Donaustädter Luft liegt, die Männer besonders sanftmütig macht. Oder enthalten unsere Gewässer, einen Inhaltsstoff der besonderen Art? Jedenfalls befand die Bezirksvertretung Donaustadt, dass es nicht nötig wäre, die Kampagne „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ zu unterstützen. Die Grünen haben 2022 einen Antrag in der Bezirksvertretung eingebracht, StoP zu unterstützen, der dann seinen Weg durch die Sozialkommission machte und endgültig im Juni 2023 vom Plenum abgelehnt wurde.

Dabei handelt es sich um ein Gewaltpräventionsprojekt, das dort ansetzt, „wo häusliche Gewalt passiert: am Wohnort, in der Nachbarschaft. Nachbar*innen werden dazu ermutigt, Zivilcourage zu zeigen und Partnergewalt nicht zu verschweigen oder zu dulden. StoP informiert und hilft, häusliche Gewalt früh zu erkennen und zu unterbrechen.“

Fragen über Fragen

Wir wollen natürlich wissen, was die Statistik über die Anzahl von Wegweisungen, Betretungs- und Annäherungsverboten im Bezirk sagt. Weiters: Was hätte die Umsetzung von StoP gekostet? Und welche Hintergrundinformationen, die damals eingeholt wurden, haben die anderen Parteien zur Ablehnung des Antrags bewogen?

Wir finden nämlich, dass Gewaltschutz auch eine Verantwortung des Bezirks ist. Und dass Menschen dazu ermutigt werden sollen, der Anwendung von Gewalt zu entsagen. Dabei ist uns klar, dass Gewaltschutz im bestehenden System mit Kleinfamilie und materieller Abhängigkeit von Frauen (und Kindern) seine Grenzen hat. Vielmehr braucht es eine Politik, die Frauen eine eigenständige Existenzsicherung ermöglicht, sodass sie sich und ihre Kinder aus toxischen Beziehungen lösen können.

Solche und ähnliche Situationen sollen endlich der Vergangenheit angehören: „Wieder war es der Türstock, den sie in der Dunkelheit übersehen hat; oder die Treppe, über die sie zum x-ten Mal gefallen ist. Und ja, die Tasse ist ihr tatsächlich aus dem Schrank direkt ins Gesicht gefallen.“ Es sind immer dieselben Geschichten, die Frauen erzählen, wenn sie vor häuslicher Gewalt flüchten. Warum sie trotzdem den Täter decken? Weil sie Angst haben, dass eine Trennung oder eine Anzeige ihre Situation noch verschlimmern würde. „Wenn diese Frauen Zuflucht im Frauenhaus suchen, verlieren sie praktisch die Wohnung, sie müssen ihre Kinder neu einschulen, und sie haben so viel zusätzliche Arbeit mit dieser Situation“, sagt Sabine Stövesand, die Initiatorin von StoP, Professorin für Soziale Arbeit aus Hamburg.

In Wien wurde StoP 2019 von den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern (AÖF) initiiert, bei denen auch die Gesamtkoordination liegt. Das Projekt wird mittlerweile in zwölf Bezirken umgesetzt. Was wird konkret gemacht? Ein Netzwerk an Aktivist_innen wird zum Thema Gewaltprävention ausgebildet, diese bauen durch Gespräche an der Wohnungstür und Frauen*- und Männer*tische Beziehungen zu Menschen in der Nachbarschaft auf und sensibilisieren so für das Thema „Gewalt an Frauen und Kindern“. Eigentlich ein sehr unterstützenswertes Projekt, finden wir.


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