Viel Lärm um nichts? - Bürger_innenversammlung MS Afritschgasse

Samstag, 21. Juni 2025 @ 10:35

ein Bericht von KPÖ-Bezirkssprecherin Hilde Grammel

Viel Lärm um nichts - Diesen Eindruck konnte man gewinnen, besuchte man am 11.6.2025 die von ÖVP und Team H.C. einberufene Bürger_innenversammlung zur Situation in der Mittelschule Afritschgasse. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatten sich im Bezirksparlament ja hochdramatische Szenen zu dieser Causa abgespielt, angeblich drohte das halbe Lehrpersonal, es würde sich lieber nach Niederösterreich versetzen lassen als in Containerklassen zu unterrichten. Die FPÖ malte Horrorszenarien von syrischen Kindern an die Wand, derentwegen der Sportplatz unbenutzbar gemacht würde, weil dort Platz für Containerklassen geschaffen wurde.

Nichts von alledem ist geblieben. Die Bürger_innenversammlung verlief sehr unaufgeregt und sachlich. Anwesend waren etwas mehr als 40 Personen, inklusive Moderator_innen, Bezirksvorsteher, Vertreter_innen der MA 56 (Städtische Schulverwaltung), Klubobfrau Löff von der ÖVP und der Obmann des Elternvereins. Aufgeregte Hysterie war also wenig zu spüren, vor allem, weil die FPÖ fehlte.

In erster Linie ging es um den Zubau zur Schule, der die Mobilklassen ablösen soll. Die Betriebsgenehmigung für letztere läuft mit Ende des Schuljahres 2027/28 aus. Danach werden auch die aktuell zum Teil noch verstellten Sportflächen wieder voll nutzbar sein.

Der Obmann des Elternvereins beklagte, dass die Stadt Wien die Eltern noch nie nach ihrer Meinung gefragt hätte, wo der Zubau errichtet werden solle. Darauf stellte die Vertreterin der MA 56 klar, dass es bereits im April einen Termin mit dem Direktor der Schule gegeben hat und dass es dessen Verantwortung ist, die Eltern zu informieren, nicht jene der MA 56. Die Planungsphase für den Zubau dauert 17 Monate, Ende 2027 wird mit den Bauarbeiten begonnen. Die Planung und den Bau begleitend werden Workshops mit Elternverein, Lehrer_innenteam und den Kindern stattfinden.

Die Rolle des Schuldirektors
Diskutiert wurde auch die Frage, weshalb überhaupt Container aufgestellt worden wären, obwohl sie angeblich gar nicht notwendig waren. In den letzten zehn Jahren waren in Wien über 1.200 neue Schulklassen geschaffen worden, wobei die Planung auf die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung ausgerichtet war, so die Leiterin der MA 56. Aufgrund zweier unvorhergesehener Ereignisse (Ukrainekrieg und Familiennachzug) waren 4.000 schulpflichtige Schüler_innen zusätzlich zu beschulen gewesen, weshalb mit der Errichtung von Mobilklassen reagiert wurde. Die Schule in der Afritschgase war als ein dafür in Frage kommender Standort ausgemacht worden. Anstatt die dazugekommenen Kinder in den Containern unterzubringen, entschied der Direktor, die Schüler_innen im Stammhaus unterzubringen, sodass die Container aktuell nicht voll ausgelastet seien. Derzeit befänden sich nur vier Klassen dort, im September kämen weitere zwei dazu. Ursprünglich hatte der Direktor gemeldet, dass es im Stammgebäude nur Platz für eine zusätzliche Klasse gäbe, inzwischen seien dort aber fünf untergebracht. Alle Kinder seien aus der Donaustadt. Da der Direktor selbst nicht anwesend war, war es nicht möglich, eine Stellungnahme von ihm einzuholen, weshalb er mit der dichten Belegung des Stammhauses die Qualität der pädagogischen Arbeit gefährdet. Unbeantwortet blieb auch die Frage, weshalb die Container bis 2028 stehenbleiben, wenn dort nur 20 Kinder untergebracht sind, die Container aber gleichzeitig den Sportplatz für 400 Kinder halbieren. Die kleine Klassengröße in den Containern wurde damit begründet, dass es sich bei den dort untergebrachten Kindern um solche mit besonderen Bedürfnissen handelt.

Einige Zeit wurde darauf verwendet, die herbeigeredete Gefahr möglicher Ausfälle der Klimaanlage in den Containerklassen zu zerstreuen.

Die Vertreterinnen der MA 56 sprachen sich gegen „Bussing“ aus. Darunter versteht man die Verbringung von Schüler_innen in andere Bezirke als dem Wohnbezirk mit Bussen. Stattdessen setze man auf Schülerstromlenkung innerhalb der Bezirke, um eine wohnortnahe Schulversorgung zu gewährleisten.

Ein anwesender Anrainer bestätigte, dass die Sportflächen von den Kindern der Nachbarschaft genutzt würden, trotz Containern. Insgesamt sei ein Sechstel des Sportplatzes mit den Containern belegt.

Allseitiges Bemühen
Einen Schulneu- oder -zubau könne man nicht in kurzer Zeit umsetzen, man ist an das Bundesverfahrensgesetz und die daran geknüpften Ausschreibungen gebunden, so die Vertreterin der MA 56. Bis Ende des Jahres hoffe man aber, mit der Konzeption fertig zu sein. Auch ist zu berücksichtigen, dass das Schulhaus unter Denkmalschutz steht. Deshalb könne derzeit noch nicht mit 100%iger Sicherheit gesagt werden, ob der von Elternverein, Schulleitung und MA 56 favorisierte Platz für den Zubau – dort, wo jetzt der Beachvolleyballplatz liegt – auch tatsächlich der Standort des Zubaus sein wird.

Um die Kinder vor Baulärm zu schützen, wird sichergestellt, dass während Schularbeiten nicht gebaut wird. Zunächst ist eine Baugrunduntersuchung via Bohrung durchzuführen, danach rechnet man mit einer Bauzeit von eineinhalb Jahren, wobei die lärmintensivsten Bauaktivitäten, bspw. die Durchbrüche durch die Wand des Schulgebäudes, in den Sommerferien stattfinden. Letztlich werde der Zubau 7 bis 9 Klassenräume, einen Gymnastiksaal und eine Lehrküche beherbergen.


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