Im Rahmen der Vortragsreihe „Lobau soll leben“ fand am 05.05 im Pfarrsaal der Kirche Essling ein Informationsabend zum Thema „Verkehrshölle Essling adieu?“ statt. Es war der vierte Infoabend der Reihe und ein würdiger Abschluss vor der Sommerpause.
Der Schwerpunkt lag diesmal auf den Verkehrsauswirkungen der Umfahrung sowie möglichen „Alternativen“ – oder besser gesagt „Lösungen“. Denn da die Umfahrung die Probleme nicht behebt, brauchen wir keine bloße Alternative, sondern wirklich andere und effektive Lösungen für die Herausforderungen in unserem Viertel.
Es war auch ziemlich reizend zu erfahren, dass Essling sogar eine Hymne hat. Der Künstler Willy Vranotsky bot uns einen musikalischen Auftakt und präsentierte „Wenn die Kirschenallee erblüht“. Durch dieses Lied wurden die vielleicht nicht so geschätzten Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten – sowohl historisch als auch landschaftlich – von unserem Essling hervorgehoben.
Der Abend wurde von Sabine Zwierschitz, Helmut Sattman und Johann Wieland moderiert – alle drei sind Veranstalter der Initiative „Esslinger für die Lobau“ und Initiatoren des Abends. Der Saal war voll, und die ZuhörerInnen waren interessiert und größtenteils bereits erfahren. Der Hauptpunkt war sicherlich der Vortrag von Herrn Dipl.-Ing. Ulrich Leth, Verkehrsplaner an der TU Wien, der seit Jahren die Auswirkungen der Umfahrung auf die Verkehrslage in der Region erforscht und bislang an mehreren wissenschaftlichen Studien mitgewirkt hat. Der Vortragende hat im Rahmen seines detaillierten Vortrags wissenschaftlich die Argumente der Entscheidungsträger widerlegt. Herr Dipl.-Ing. Leth hat die vier „Hoffnungen“, die mit dem Bau der Umfahrung verbunden sind, sachlich entkräftet und am Schluss reale „Lösungen“ angeboten.
Der Lobautunnel soll den Verkehr auf der Tangente entlasten...
Eine Studie aus dem Jahr 2018 der Expertengruppe zeigt jedoch, dass dadurch zusätzliche Fahrzeuge auf die Straße (S1, A23) gezogen werden: aktuell 230.000 in 24 Stunden, mit dem Tunnel über 300.000. Die Fahrzeuge, die auf der A22 unterwegs sind, würden von der Umfahrung nur wenig profitieren.
Eine generelle Entlastung des Straßennetzes wäre absolut nicht gegeben.
Auch die Entlastung der Ortsdurchfahrten würde nicht stattfinden, da die Autos, die in die Stadt fahren, letztendlich dennoch durch unser unzureichendes Straßennetz fließen müssten.
Auch die Hoffnung auf eine positive Beschäftigungswirkung ist nicht begründet. Laut WKW soll der Bau zwar unmittelbar 17.000 Arbeitsplätze schaffen – doch unter welchen Arbeitsverträgen? Unbestritten ist jedoch, dass nachhaltige Investitionen langfristig bessere Auswirkungen haben. So bewirkt eine Erhöhung der Staatsausgaben um 1 % im Bereich Bildung eine Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens um 0,54 %, während die gleiche Investition in die ASFINAG lediglich eine Erhöhung von 0,08 % zur Folge hat.
Was wirklich hilft, sind daher keine neuen Straßen, sondern eine Verbesserung des Schnellbahn-Netzes mit der Umschließung der S45 und S80 um Wien sowie die Reaktivierung der S10.
Darüber hinaus wäre die Verlängerung der Linie 25 bis Groß-Enzersdorf mit der Errichtung einer Park-&-Ride-Anlage sinnvoll. Zudem braucht es ein besseres Busnetz mit mehr Busspuren – auch auf der Tangente – sowie zusätzliche Expresslinien. Schließlich sollte auch der Fuß- und Radverkehr verstärkt gefördert werden.
Für die KPÖ ist die Verantwortung daher groß, und die Aufgabe enorm.
Es gibt viel zu tun: unsere Präsenz in den Gebieten der Donaustadt und in der Zivilgesellschaft zu stärken sowie unsere Vernetzungen weiter auszubauen.
Die Interessen, die sich um diesen Bau bewegen, sind enorm. Die großen Profiteure erheben ihre Stimmen – doch die Natur, wie eine Teilnehmerin treffend formulierte, hat keine Stimme. Unsere Aufgabe ist es, der Natur, unserer Lobau, durch unsere Arbeit eine Stimme zu geben.