Das Thema leistbares Wohnen ist eines der Brennpunktthemen der KPÖ. Elke Kahr, seit 2021 Bürgermeisterin von Graz, hat sich schon lange der sozialen Wohnpolitik verschrieben. Nicht weit entfernt von der Ungergasse lebt auch sie mit ihrem Mann in einer Mietwohnung im Grazer Bezirk Gries. „Man kann das Thema Wohnen drehen und wenden, wie man will", sagt sie in einem Telefoninterview mit dem Standard. „Aber es ist keine Ware wie jede andere – es ist etwas, das der Mensch braucht."
... „Jessas Maria", denkt sie sich, wenn ihr jemand damit kommt, dass der Markt sich selbst reguliere.
Der Markt reguliert sich selbst?
„Jessas Maria", sagt Kahr. „"Ich bin seit 40 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv, das hört man seit Jahrzehnten." Etwas, das jeder Mensch brauche, benötige den Einfluss der öffentlichen Hand. Von Privaten könne man nämlich nicht verlangen, dass sie von sich aus menschengerechte, soziale Wohnungspolitik machen. Es sei nichts Verwerfliches, dass in den letzten Jahren in Graz immer mehr Wohnungen errichtet wurden. Die Frage sei nur, wer Zugang habe – und zu welchem Preis?
Wohlstand für alle?
Gemeinnützige Wohnbauträger oder von der öffentlichen Hand betriebene Wohnungen wären wichtig, um dem privaten Markt ein Korrektiv entgegenzusetzen. Die Bürgermeisterin spricht sich auch gegen befristete Mietverträge aus. Diese würden nämlich das Geschäftsmodell, Wohnungen zu sanieren, um sie teurer weiterzuvermieten, befeuern.
Aber einfach mehr arbeiten, wenn man arm ist?
„Das ist weit weg von der Realität", sagt Kahr. Sie gönne jedem Menschen sein Eigentum, aber in den heutigen Zeiten könnten sich das auch viele Berufstätige nicht mehr leisten. Leuten, die Wohnungen wie Briefmarken ansammeln würden, müsse man Grenzen setzen. „Wenn man auf der Straße keine Geschwindigkeitsbegrenzungen hätte, würden die Leute auch fahren, wie sie wollen."