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    Willkommen bei Kaktus
    Dienstag, 22. Oktober 2019 @ 13:53

    Verbessern Videokameras das Miteinander beim Leben im gemeinsamen Wohnhaus?

    WohnenGemeindebau: Immer die Ausländer?

    Im Rahmen der Ausstattung der Gemeindewohnhausanlage "Rennbahnweg" mit Video-Überwachung, ging auch ein Reporter einer Tageszeitung, die sonst immer Objektivität einfordert, vor Ort, um über dort herrschende Zustände zu berichten. Der daraus resultierende Artikel ist von ausländerfeindlichen Aussagen geprägt, ohne dass entsprechende Gegenmeinungen zu Wort gekommen wären.

    Mit Aussagen, wie: "Am Spielplatz sind nur mehr ausländische Kinder und machen Krach", "Von 80 Mietern sind 70 Ausländer" und "Es gibt immer mehr Vandalismus und Autoeinbrüche", werden einschlägige Vorurteile unwidersprochen bedient. Der "Kaktus" fragte in der Wohnhausverwaltung der Gemeinde Wien nach und es entstand, aus Gesprächen, mit erfahrenen Mitarbeitern, ein etwas anderes Bild. So gibt es in Wien derzeit 220 000 Gemeindewohnungen. Die Frage ist: Wer kommt zu einer solchen? Bis vor Kurzem konnten nur ÖsterreicherInnen die Zuweisung erhalten. Dann gibt es noch österreichische StaatsbürgerInnen mit Migrationshintergrund. Das trifft auf zirka ein Drittel der WienerInnen und der GemeindemiterInnen zu. Seit 2006/2007 gibt es die sogenannte "Drittstaatenregelung". Diese betrifft AusländerInnen, die mindestens 5 Jahre in Österreich leben und als "aufenthaltsverfestigt" gelten. In der letzten Gruppe fanden bisher 20000 Gespräche statt, die dann 2000 Anträge und schließlich 500 Zuweisungen zur Folge hatten. So ist also der sogenannte "Ausländeranteil" im Gemeindebau an die 30 Prozent.

    Miteinander reden, miteinander leben

    Zugegeben aus dieser Bevölkerungsstruktur entspringen auch manche Konfliktpotenziale. Die Erfahrung zeigt aber, dass derlei Probleme anfangs oft nur zwischen einzelnen Personen oder Familien entstehen. Ohne entsprechende Kommunikation und eventuelle Mediation, können sich solche Ansätze aber zum Nährboden für größere Konflikte und Vorurteile entwickeln.

    Das Mittel dagegen heißt auf gut Wienerisch: "Beim Reden kommen die Leut' z'amm!"

    Ob die Streitparteien selbst versuchen eventuelle Probleme friedlich aus der Welt zu schaffen oder die Hilfe von Vermittlern in Anspruch nehmen, jede Methode ist besser als pauschale Schuldzuweisungen oder Gewaltlösungen.

    Übrigens: Die Häufung von derlei Streitereien mit und unter "Ausländern", so zeigt die Erfahrung, ist nicht größer als bei Österreichern. Ob Kinder im Hof laut spielen hängt genauso wenig von ihrer Abstammung ab. Und die Vandalenakte haben in den letzten Jahren nicht so stark zugenommen, wie es den "gefühlten" Anschein hat. Und die Rennbahnwegsiedlung war von Anfang an ein "schwieriges Pflaster", auch ohne den Zuzug von "Ausländern".

    Auch die Autoeinbrüche haben, so die Ergebnisse von Ermittlungen, nichts mit den GemeindebaubewohnerInnen zu tun. Diese Diebstähle werden größtenteils von organisierten Banden von außerhalb verübt und gelten in letzter Zeit vor allem den Airbags.

    Das Miteinander beim Leben im gemeinsamen Wohnhaus werden die nun installierten Videokameras nicht verbessern. Da braucht es schon ein Aufeinanderzugehen, mehr Verständnis und Toleranz und eine gepflegte Streitkultur um Probleme jeglicher Art zu beseitigen und nicht in Katastrophen ausarten zu lassen.

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