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    Dienstag, 25. Juni 2019 @ 22:34

    Stadlau: Arsen-Bor- "Bombe" - tickt weiter

    BezirksalltagNach dem Bericht vom 16.April machte sich der "Kaktus" über die aktuelle Lage rund um die ehemalige Bor-Fabrik kundig und stieß dabei auf eine Untersuchung des "Umweltbundesamtes" vom November 2006.

    In dieser "Gefährdungsabschätzung und Prioritätenklassifizierung" des "Altstandortes Borfabrik Gotramgasse - Teilbereich Ost" heißt es: "Am Altbestand "Borfabrik Gotramgasse" wurde im Jahr 1883 eine Borfabrik eröffnet und bis 1973 Borax, Borsäure und diverse Borprodukte erzeugt. Zwischen 1938 und etwa 1976 wurden Produktionsrückstände auf einer Fläche von etwa 20 000m² im Bereich des Altstandortes "Borfabrik Gotramgasse" abgelagert. Die Kubatur der kontaminierten Ablagerungen kann mit rund 30 000m³ abgeschätzt werden. Im Jahr 1974 kam es im Zuge der Betriebsschließung vermutlich zur Infiltration hochkonzentrierter Borlösung in den Untergrund. 1984 wurde als Sicherungsmaßnahme der westliche Teil des Altstandortes mit einer Fläche von rund 14 000m² mittels einer einfachen Schmalwand umschlossen und eine Wasserhaltung in Betrieb genommen."

    Jahrzehntelang untersucht, doch nicht entschärft.

    Seither gab es zwischen 1983 und 2006 sieben Untersuchungen des Bodens und des Grundwassers, auch von Seiten der Gemeinde, auf verschiedenen Plätzen und mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die aktuelle Untersuchung bestätigt die jahrzehntelang bekannten Ergebnisse: Der dortige Standort ist mit Bor und Arsen vergiftet! So kann, zum Beispiel, im östlichen Teil außerhalb der Umschließung "ein Bereich von rund 4000m² vor allem aufgrund von Verunreinigungen mit Bor als belastet eingestuft werden, davon rund die Hälfte als stark belastet."

    Gefahr für die Umwelt

    Die stärksten Untergrundverunreinigungen befinden sich zwar innerhalb des umschlossenen Bereichs, aber auch außerhalb, so am Bahndamm, gibt es erhöhte Arsengehalte. Die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchung ergaben einen "Eintrag von Schadstoffen" außerhalb der Abgrenzung. "Dadurch", so die Schlussfolgerung, "wird eine erhebliche Verunreinigung des Grundwassers verursacht. Der östliche Teil des Altstandortes stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt" dar.

    Die Untersuchung stellt abschließend fest: "Maßgebliches Schutzgut für die Bewertung des Ausmaßes der Umweltgefährdung ist das Grundwasser." "Der Untergrund ist vor allem mit Arsen und Bor verunreinigt. Arsen weist aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften eine sehr hohe Stoffgefährlichkeit auf." "Insgesamt ergibt sich für den maßgeblichen Parameter Arsen ein großes Schadstoffpotenzial." Es ist zwar "aufgrund von Art und Alter der Kontamination" "keine weitere Ausdehnung, sondern mittelfristig eine Reduktion der Schadstofffahne zu erwarten."

    Trinkwasser - vergiftet aber nutzbar?

    Das Grundwasser ist, laut Untersuchung, zwar "quantitativ gut nutzbar, aber so lang wie es tatsächlich nicht verwendet wird." Denn derzeit und zukünftig sind "keine Grundwassernutzungen im direkten Abstrom zu erwarten." "Entsprechend der Bewertung der vorhandenen Untersuchungsergebnisse "schlägt das Umweltbundesamt die Einstufung in die Prioritätsklasse 3 vor." Bei den "Sanierungszielen" schlagen die Experten folgendes vor: Es ist zwar keine Nutzung des Grundwassers für Trinkwasserzwecke vorhanden oder zu erwarten (ehemaliger Bahnhofsbereich, Autobahntrasse), aber die "Schadstoffemissionen" "sind so weit zu reduzieren, dass mittelfristig (5-10 Jahre) die (dortigen) Schadstoffkonzentrationen" "auf ein tolerierbares Maß sinken." Derzeit ist der Altstandort zum Teil gewerblich als Lagerfläche und für Parkplätze "uneingeschränkt" benutzbar, bei "allfälligen Nutzungsänderungen" darf es aber zu keinen zusätzlichen Gefahrenmomenten durch "Mobilisierung von Schadstoffen" kommen. Vor zukünftigen Bauvorhaben müssen neuerliche gründliche Boden- und Wasseruntersuchungen durch geführt werden und eventuelle Aushubmaterialien den "geltenden gesetzlichen Bestimmungen entsprechend behandelt bzw. entsorgt werden."

    Keine Säumigkeit?

    Die Wiener Oppositionsparteien werfen der Stadt Wien Säumigkeit in Sachen "Altlastsanierung" vor und warnen vor einer Gefahr für die Wasserversorgung der Lobau. Der Sprecher des Wiener Umweltausschusses weist dies zurück und reicht den "Schwarzen Peter" an das Umweltbundesamt weiter, welches nun eine "Reihenfolge der Sicherung festlegen" möge. "Beim Standort Borfabrik Gotramgasse, der mit niedrigster Priorität ausgewiesen" sei, so der Vertreter der Stadt, wäre "von einem Privaten ein Projekt zur Sicherung zur Förderung bei der Altlastensanierungskommission eingereicht" worden. Also: Jahrzehntelang wurden die Arsen- und Bor-Altlasten in Stadlau zwar untersucht, die eindeutigen Untersuchungsergebnisse aber ignoriert und die Verantwortung für Sicherungs- und Entsorgungsmaßnahmen zwischen Land und Bund hin und hergeschoben. Nicht nur, dass verantwortliche Umweltpolitiker, von schwarz bis rosa-rot, an diesen Spielchen beteiligt waren, jetzt sollen auch noch private Geschäftemacher mitmischen dürfen. Wenn Wien, wie überall plakatiert, "Europameister im Umweltschutz" sein will, muss die Umweltbombe in Stadlau schnellstens entschärft werden!