Fluglärm in Transdanubien, Corona und die dritte Piste

Mittwoch, 26. August 2020 @ 11:59

Beitrag von Ute Glentzer *)

Wie jeden Abend ziehen die Flieger im Tiefflug über den 22. Bezirk. An ein Gespräch am Balkon ist nicht zu denken. Alle zwei bis drei Minuten anschwellender und abschwellender Motorenlärm, der jedes Wort übertönt. Etwas später ist auch das Schlafen bei offenem Fenster nicht drin. Wer in Essling wohnt, weiß, wovon ich rede. Doch auch in der Seestadt fängt sich das Dröhnen der im Landeanflug befindlichen Flugzeuge in den Höfen und meldet sich als stundenlanger Ruhestörer.

Und dann ist von einem Tag auf den anderen alles vorbei. Mit dem von der österreichischen Regierung verordneten Lockdown ist das Fliegen für Monate Geschichte. Im Juni 2020 sinkt das Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahr um ca. 95% von 3 Millionen auf 138.000 und das, obwohl die Flugbewegungen im Vergleich zum April und Mai schon wieder steigen. Das heißt, lauschige Abende im Freien verbringen zu können und vom morgendlichen Vogelgezwitscher statt von Motoren geweckt zu werden. Ich hatte es schon fast vergessen, wie wunderbar die Stille sein kann, in die sich nur die leisen Klänge der Natur mischen.

Mir drängen sich zwei Fragen auf. Bedeutet dies eine längerfristige und nachhaltige Entspannung der Fluglärmsituation in Transdanubien? Und andererseits, wollen wir damit leben, dass die Reisefreiheit auf Dauer eingeschränkt wird und bleibt?

*) Kandidatin für die Donaustädter Bezirksvertretung

Die Zahlen sprechen für sich.

Die annähernde Verdoppelung der Passagierzahlen in den letzten zehn Jahren ließ die Treibhausgas-Emissionen in die Höhe schießen. Der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) stellt fest, dass der Flugverkehr ein besonders großer Klimasünder ist.1) Was der Natur und dem Klima schadet, bekommen wir nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren. Untersuchungen zeigen, dass dauerhafter Fluglärm sich negativ auf den Gesundheitszustand sowie auf die Schlafqualität auswirkt.2)Sollen wir der Politik glauben, wird ein Comeback des Flugverkehrs geplant, nein sogar der Ausbau des Flughafens mit einer dritten Piste ist im Realisierungsprozess, nachdem jahrelanger Widerstand von Bürger*inneninitiativen durch ein Letzturteil des Verwaltungsgerichtshofes zunichte gemacht wurde. Obwohl dies politisch umstritten ist,3) unterstützen sowohl das Land Niederösterreich als auch die Stadt Wien, die als Flughafen-Aktionäre natürlich von dem Ausbau monetär profitieren, das Vorhaben. Was das für uns Donaustädter*innen heißt, wir, die wir uns auf eine neue und anhaltende Fluglärmquelle gefasst machen müssen, brauche ich nicht weiter auszuführen. Jetzt ist es noch nicht zu spät. Der Bau ist noch nicht umgesetzt. Viele NGOs und Klimaaktivist*innen, die sich für eine lebenswerte und nachhaltige Umweltpolitik einsetzen, werden weiterkämpfen.

Zur Frage der Einschränkung der Reisefreiheit: Ich wünsche mir keine Verbote, aber Kostenwahrheit bei der CO2-Besteuerung und einen weitgehenden, selbstbestimmten und freiwilligen Verzicht auf klimaschädliche Transportmittel! Meine persönliche Devise lautet: Lieber in Ruhe schlafen als ständig durch die Welt jetten. In dem Sinne setze ich mich jetzt noch raus auf ein Achterl und höre dem Konzert der Grillen zu.

1) https://vcoe.at/presse/presseaussendungen/detail/20181205-co2-emissionen-flugverkehr-oesterreich
2) https://d-nb.info/990870308/34
3) https://www.stadt-wien.at/wien/flughafen/dritte-piste-genehmigt.html


Kaktus
http://kaktus.kpoe.at/article.php/20200813115942369