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    Montag, 16. September 2019 @ 19:09

    „Migranten demütigen und schlagen Lehrer!“

    Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

    „Skandal! Lehrer spuckt Schüler an!“ So lauten zwei Titel auf YouTube.

    Was sich da an der HTL Ottakring abgespielt hat, ist zweifelsohne entsetzlich. Ein Lehrer spuckt – nachdem sein Schüler seiner Aufforderung, den Klassenraum zu verlassen, nicht nachkommt – ihm ins Gesicht.

    Gott sei Dank, könnte man sagen, laufen Handykameras und dokumentieren die wahren Ereignisse. Und Gott sei Dank auch kann man sich auf YouTube die vielen höchst provokativen Vorereignisse („verbrochen“ von ausschließlich männlichen Schülern mit neoösterreichischem Erscheinungsbild) ansehen, die zur Eskalation geführt haben. Dem folgen auch postwendend die in Zeiten wie diesen erwartbaren „Analysen“ von ausgeprägten Rassisten unter den Kanalbetreibern. Wenn Sie, liebe/r Leser/in, genau hinsehen, werden Sie unschwer auch die Wahrheit erkennen können.

    Der Praktiker aus der Wirtschaft …

    Da steht ein völlig schulunerfahrener Kollege – als solcher ist er kaum erkennbar, sieht aus wie 45 oder älter, kommt neu aus der Wirtschaft und ist im 1. Dienstjahr – einem Haufen von Rüpeln gegenüber. Es muss die Hölle für ihn sein. Er hat jede Menge an Sachverstand aus seinem vorherigen Beruf und möchte dieses Wissen an die ihm anvertrauten Schüler weitergeben. Und dabei macht er falsch, was man nur falsch machen kann. Ich wage die Behauptung: selbst mit profunder Pädagogik-Ausbildung, hätte er diese Fehler genauso gemacht.

    Beseelt von seinem Wissen und dem Glauben, die Schüler seien begierig, wenigstens einen Teil davon von ihm übertragen zu bekommen, geht er nah, ganz nah an sie ran. Er hat wohl mitbekommen, dass man heutzutage als Coach aufzutreten hat, dass man den Schülern in jedem Sinn möglichst nah sein sollte, wenn man als Lehrer erfolgreich sein möchte.

    … und sein Scheitern!

    Dass das Schüler der gezeigten Altersstufe mitunter ganz anders sehen, hat ihm offenbar noch niemand verklickert. Er weiß nichts von einem Lehrer/Schüler-Verhältnis, das grundsätzlich gegensätzlich ist. Wäre er Polizist, dann wär‘s klarer. Den Gedanken hat er sich noch nicht gemacht. Er glaubt daran, die Schule sei dazu da, dass die Jugendlichen etwas lernen, was sie später brauchen. Er glaubt also an die Ur-Lüge von Schule im Kapitalismus.

    Dieses Rudel von jungen Männern in der Spätpubertät sehnt sich nach einem Leittier, das sie beeindruckt. Er sollte bei dieser Unzahl an Provokationen, die sie produzieren, souverän reagieren. Dann würden sie ihm „aus der Hand fressen“ und ihm alles abnehmen, auch den größten Unsinn, und sich ihm unterordnen. Das würde von allen und auch von dieser Gesellschaft als gewünschte Lehrerkunst geschätzt werden. Ausgestattet mit diesen Irrtümern der soziologisch/politischen Art läuft er täglich in bestialisch quälende Situationen, bekommt die grundsätzliche Gehässigkeit nur noch in Extremsituationen mit, brüllt: „Aus der Klasse! Raus! Raus!“ und der Schüler verweigert das, baut sich provokant vor dem Schreienden auf. Und der spuckt dann. Das war‘s.

    Es hat ihm offenbar niemand von den Kollegen rechtzeitig geholfen, einen Tipp gegeben. Der Direktor hat sich auch nicht gekümmert. Kein Wunder, der hat für so etwas doch keine Zeit, ist zugeschüttet mit Organisationsarbeit.

    Der Kollege hätte wissen müssen, dass die Leistungsansprüche an die Jugendlichen ständig steigen, dass die Leistung darin besteht, positive Jahreszeugnisse zu sammeln, der Inhalt der Leistungen gar nicht das Bedeutendste ist, sondern wichtig ist, dass ständig ein paar durchfallen. Damit ist diese Tretmühle, das Hamsterrad sichergestellt, um das es geht.

    Die Angehörigen dieses Rudels an der HTL Ottakring wissen das schon. Gratuliere! An anderen Orten soll es schon Jugendliche gegeben haben, die, wenn sie ausgeschieden wurden, dann Maschinenpistolen zur Rache anwenden. Aber die sind dann ja wahlweise geisteskrank oder haben zuviele Killergames gespielt!

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER

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