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    Willkommen bei Kaktus
    Montag, 20. August 2018 @ 08:31

    Zur Faktenlage Lobautunnel

    Ein Bericht von Judith Wieser

    Im März fand im Pfarrsaal Essling ein Informationsabend der Initiative „Stop – Lobauautobahn“ mit mehreren Experten zum Thema statt. Dabei wurden Fehleinschätzungen seitens der Stadt Wien und weitere kritische Punkte besprochen.

    Gegenwärtige und künftige Verkehrssituation

    Nur etwa 4% des Gesamtverkehrsaufkommens der Donaustadt sind reiner Durchzugsverkehr. 96% werden also durch den Wiener und bezirksinternen Verkehr verursacht. Eine leichte Entlastung wird die Stadtstraße für die Breitenleer Straße bringen, Raasdorf und Groß Enzersdorf betrifft das allerdings genauso wenig wie den Stadtteil Essling. Grotesk erscheinen auch die zu erwartenden Zahlen: Während der 10-jährigen Bauphase ist mit einer deutlich höheren Verkehrsbelastung der angrenzenden Gebiete zu rechnen. Die geschätzte Entlastung der Donaustadt und der A23 von 10 - 15% nach Fertigstellung soll aber nach nur drei Jahren wieder ausgeglichen sein – dann sei die Situation wieder wie gehabt. Außerdem würde in diesem kurzen Zeitraum lediglich der Durchzug über die Nord/Süd-Verbindung verringert, während Staus vor allem die Ost/West- Querung betreffen. Die Theorie der Stadtexperten, Autofahrer würden die S1 nach Schwechat, die A4 stadteinwärts, und schließlich A23 und A22 zur Ost/West-Querung nutzen und so die Donaustadt großräumig umfahren, klingt „minder realitätsnah“. Die fortführend geplante S8 Marchfeldschnellstraße, würde wiederum mehr LKWs im Gebiet „sammeln“.

    Lärmbelastung

    Die Asfinag veranlasste Messungen an ca. 45.000 Fassadenpunkten zwischen Süßenbrunn und Groß Enzersdorf - das Ergebnis ist ernüchternd: In manchen Gegenden wird es zu Lärmsteigerungen von +10 dB kommen, die Lärmreduktion anderenorts wird lediglich 1 dB (für Menschen nicht wahrnehmbar) betragen.

    Wirtschaftsausblick

    Um neue Autostraßen entstehen Einkaufszentren – wie auch an der künftigen S8 geplant. So kann für Wien wirtschaftlicher Schaden gegenüber dem Umland entstehen. Denn bisherige Erfahrungen zeigen: Autobahnen saugen Kaufkraft ab (siehe Parndorf, G3, SCS). Da die S1 direkt nach Schwechat führen wird, plant die Wirtschaftsagentur „ecoplus“ bereits alles, was an Wirtschaftskraft über den (erweiterten) Flughafen ankommt, auch dort zu behalten – durch massiven Ausbau von Hotels und Konsumzentren vor Ort.

    Bodenbeschaffenheit

    Besonders „erschütternd“ präsentierte sich der Blick in den „Untergrund“. Dieser ist entgegen offizieller Behauptungen nämlich nicht „dicht“, sondern mit Schotter, Sand und Wasser gefüllt, was die Gefahr erhöht, dass künftige Baugruben abgepumpt werden müssen. Berechnungen zufolge bis zu 190 l Wasser pro Sekunde! Dies würde sich auf den Grundwasserspiegel auswirken, der sich nach dem Bau wienseitig aufstauen, auf der niederösterreichischen Seite senken würde. Auch besteht eine hohe Gefahr der Nachrutschung durch riesige, alte, ölverseuchte Erdflächen. Schwierig gestaltet sich auch die Berücksichtigung des Leopoldauer Bruchs – einer tektonischen Bruchstelle im Grundgestein mit deutlichem Höhenunterschied unterhalb des Tunnelgeländes, das durch leichte Beben und lockeres Erdreich „empfindlich“ bleibt. Bei der Veranstaltung gezeigte Bilder belegen, dass diese Störungszonen im Boden aus den Bauplänen wegretuschiert wurden.

    Nach Kenntnis dieser Fakten ist die Position der Stadtregierung (und der Opposition), wonach die Stadtstraße samt Tunnel durch das Naturschutzgebiet absolut unumgänglich seien, von Grund auf unverständlich. Auch das „Mantra“, es müsse schnellst möglich mit dem Bau begonnen werden, da wir anderenfalls in fünf Jahren im Verkehr „ersticken“, ist bereits zwei mal fünf Jahre alt, ohne dass dieses Szenario eingetreten wäre. Noch bleibt Zeit. Neben der noch nicht abgeschlossenen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) stehen weitere Prüfungen aus (Wasser-, Forst-, Naturschutz- und Nationalparkrecht) und es gilt alle Möglichkeiten auszuschöpfen, dieses veraltete Milliardenprojekt zu verhindern. Denn „Verkehr für Menschen“ statt für Fahrzeuge muss die Devise für zukunftsbewusste Planungen sein.

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