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    Friday, 17. November 2017 @ 18:34

    Industrie 4.0, die Schere und die Schule!

    Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

    Es klingt so locker und cool, was die Machthaber da ankündigen – und bedeutet nichts Anderes als ein Desaster für die Werktätigen! Und warum?

    Nach dem Sieg des Kapitalismus hat sich diese Wirtschaftsform (fast) den gesamten Erdball einverleibt. Ab sofort ist die Wettbewerbsfähigkeit = Konkurrenz das Maß aller Dinge. In kürzester Zeit wurde klar, dass so manche nationale Wirtschaft nur als Mitglied in einem der drei Superblöcke die neue Konkurrenz überleben würde. Der EU-Block tritt an gegen BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südarfrika) und gegen die USA, die mit Google, Microsoft, Apple, Facebook, Amazon u.v.a. die Schlüsselbereiche der zukunftsträchtigen, profitablen Märkte gewinnen.

    Doch Deutschland – und mit ihm der EU-Block – gibt sich nicht geschlagen und holt nun zum großen Gegenschlag aus. Denn die Gelegenheit ist günstig für deutsche „Player“ (SAP, KUKA): ein neuer Schlüsselmarkt tut sich gerade auf, nämlich der der Warenproduktion und -verteilung über vernetzte (=„smarte“) Fabriken („Industrie 4.0“), in denen nur noch höchst entwickelte Roboter rund um die Uhr werkeln („Internet der Dinge“), aber kaum noch Menschen.

    DIESEN Kampf in der Konkurrenz, den müssen jetzt zur Abwechslung einmal „WIR“ (der EU-Block) gewinnen. So lautet die nächste Vorgabe der „Wirtschaftsweisen von Davos“. Die Robotik wird zwar bis zu 50% aller Arbeitsplätze vernichten, aber dafür wird’s der Wirtschaft wieder gut gehen. Und die Löhne der anderen 50%? Die werden „unter Druck geraten“ – so sagen sie die Zukunft an – ungeschminkt, wie immer.

    Die Schere, die Schere, die Schere … !

    Die Schere der Einkommen wird also weiter auseinander gehen. Selbst bei den Kapitalist/inn/en finden sich nicht wenige, die meinen, dass für die 50%, die dann ihr Frei-Sein von Lohnarbeit genießen dürfen, mit einem Grundeinkommen vorzusorgen ist. Die müssen sich dafür dann endgültig vom Arbeitsmarkt verabschieden, haben dann viel Freizeit, werden dann viel vor dem Fernseher und in Einkaufszentren herumsitzen und dort die vielen schönen Dinge anstieren, die sie sich nicht leisten können. Das ergibt dann einen Boom beim Alkoholkonsum und so mancher wird in die „Schattenwirtschaft“ abdriften oder gleich zu Einbruch und Diebstahl neigen.

    Die Wut über das Establishment und die Lügenpresse zeigen die Loser ja schon. Unwissend, wie sie sind, reagieren sie nationalistisch und ahnen nicht, dass sie damit den Bock zum Gärtner machen und sich selber ins Knie schießen.

    Hilft die Schule gegen die Schere?

    Mit dem Beginn des Schulbesuchs hoffen Eltern und Kinder, naturgemäß, auf die Bildungschancen, die ihnen vorgegaukelt werden, welche aber nichts anderes als ein Lottospiel sind. Sie treffen auf ein systematisch unterfinanziertes Schulsystem (Ausgaben in Ö.: 1999: 4,2% des BIP, 2013: 3,2%; Quelle: OECD, Education at a Glance 2016), dessen neueste Reform die Abschaffung der Klassenschülerhöchstzahl und der Gruppenteilungszahlen vorsieht. Einmal mehr nennen die Machthaber das Ganze „Autonomie-“ und nicht Sparpaket.

    Die Kinder treffen auf Staatsorgane, deren Auftrag, ihnen etwas beizubringen, zügig immer schwerer von der Funktion überlagert wird, sie nach der Beendigung der Schulpflicht jenen Schularten zuzuweisen, wo sich die Loser sammeln, also jene werdenden 50%, die die untere Schneide der Schere ausmachen.

    Jene Eltern, die sich selber bei den Gewinnern wähnen haben Angst, dass ihre Kinder bei den Verlierern landen könnten. Eltern, die schlechte Jobs haben, kämpfen wie die Löwen, damit ihre Kinder es zu den Gewinnern schaffen. Die in dieser Organisation tätigen Staatsorgane sind größtenteils beseelt vom lebenssinnspendenden Dasein des Sozialberuflers. Aber es fällt ihnen zunehmend auf, wie sie mit hoffnungslos veralteter Ausstattung dahindilettieren (müssen). Sie beschweren sich dann auch bei ihrem Dienstgeber, machen ihm Vorwürfe und wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass das alles doch kein Fehler, sondern wohlkalkulierte Absicht ist, weil der seine Prioritäten anders gelegt hat.

    Das sollte man spätestens dann merken, wenn irgendein sogenannter Bildungsfachmann im Fernsehen von sich geben darf, dass „mehr Geld nicht automatisch bessere Bildungsqualität bedeute“. Daraus kann man ja erschließen, dass es nur um Kostensenkung und Effizienzsteigerung geht, also um das Auspressen einer Tube, in der „noch ein biss‘l was drin ist“. Wenigstens das haben die Lehrer/innen mit den Noch-Arbeitsplatz-Besitzern gemeinsam.

    Aber, liebe vor allem junge Mitmenschen, wollt ihr wirklich auf diese Art – nämlich mit ständiger Angst – euer ganzes Leben zubringen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER

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