Wollt‘ ihr wirklich SO leben?

Mittwoch, 9. März 2016 @ 10:46

Brief eines Lehrers von Karl Gugler

Das frage ich mich entsetzt, seit das Ergebnis der Wien-Wahl 2015 da ist. Nur 1,07 % fĂŒr Wien Anders ist niederschmetternd.

Auch wenn ich den Anti-Strache-Trick der HĂ€upl-SPÖ gegenrechne, kann einen so ein Ergebnis nur entsetzen und den Glauben an die WĂ€hlerInnen verlieren lassen.

Was ist 


Dabei werden die BrutalitĂ€ten, die wir zu akzeptieren haben, ja gar nicht verschwiegen. So meldet Ö1 am 4. JĂ€nner, die „Arbeitslosigkeit ist weiter heftig gestiegen. Sie hat jetzt den höchsten Wert seit Ende des 2. Weltkrieges erreicht!“

Sie ist vorgesehener Bestandteil des Kapitalismus und nicht ein Fehler und zeigt sich dann mit alles vernichtender Wucht, wenn irgendwo die GeschÀftsgrundlage, das Profite-Machen, nicht mehr geht. Dann wird alles dicht gemacht und woanders hingegangen.

Der Staat, so höre ich als Einwand, sei dann dazu da, mich als Arbeitslosen zu beschĂŒtzen und mir zu helfen. Gute Idee, aber ziemlich unzutreffend. Der versteckt sich doch hinter dem Schlagwort „Krise“ und moderiert dann das Elend, das sein BĂŒndnispartner auslöst. Er beschönigt mit abwegigen Verhaltensweisen die Arbeitslosenrate, verteilt Almosen, verkauft Mini-Jobs als Erfolg, spart das Gesundheits-, das Sicherheits- und das Bildungswesen kaputt.

Oder, liebe Mitmenschen – um ein paar aktuelle Beispiele anzufĂŒhren – habt ihr eine andere ErklĂ€rung dafĂŒr, warum die Abteilungen Auge und Haut am SMZ-Ost jetzt geschlossen werden, warum am Kölner Hauptbahnhof jede zweite Kamera funktionsuntĂŒchtig und viel zu wenig Polizei verfĂŒgbar war und warum wir Lehrer mit unglaublichem ausstattungstechnischen Schrott eure Kinder „fordern und fördern“ sollen?


 und was noch kommen wird!

Seit der Beendigung des Ostblockkommunismus – und ich wein‘ ihm keine TrĂ€ne nach – geht’s bergab. Das ist kein Zufall. Gesiegt hat der Kapitalismus. Der EU-Block holte sich ein FiletstĂŒck nach dem anderen; erst mit der Ukraine ging‘s nicht mehr ganz so reibungslos. Jetzt kommt die totale Konkurrenz auf euch zu, Mitmenschen! Das ist lustig fĂŒr die Kapitalisten, aber nicht fĂŒr euch. Ihr macht euer Leben oder vielmehr das eurer Kinder vom Glauben daran abhĂ€ngig, dass der EU-Block die Konkurrenz gegen den USA-Block und den BRIC-Block (Brasilien, Russland, Indien, China) gewinnt? Na dann denkt das doch einmal zu Ende. TĂŒchtigkeit und Überlegenheit in dieser Konkurrenz gibt es nur, wenn ihr noch viel viel mehr aus euch herausholen lasst. FĂŒr Erwachsene, so sie ĂŒberhaupt eine Arbeit haben, gilt: LĂ€nger und intensiver arbeiten (12 Stunden Tag, z.B.). Und fĂŒr Jugendliche: auch mehr herausholen! Und Testungen aller Art zwischendurch! Ihr seid der Rohstoff (Copyright by Dr. Androsch, Bildungsvolksbegehren, ehem. Vizekanzler, SPÖ). SpitĂ€ler nicht mehr fĂŒr alle, Sicherheit nicht mehr fĂŒr alle, gute Schulen nicht mehr fĂŒr alle, sondern nur noch fĂŒr „die TĂŒchtigen“ von euch oder die Braven, die eben immer ihr Bestes geben – fĂŒr das Wohl und das Fortkommen „ihrer“ Kapitalisten.

Ihr könnt euch eure Zukunft oder die eurer Kinder ja schon anschauen. Reist in die USA und macht die Augen auf! Dort findet ihr öffentliche SpitĂ€ler, in die man nur reingeht, wenn einem nichts anderes mehr ĂŒbrig bleibt und daneben LuxusspitĂ€ler fĂŒr die Reichen. Dort findet ihr Stadtviertel, in die sich nur noch John-Wayne-Typen als Polizisten hinein trauen (und das auch tun und sich dort genauso auffĂŒhren – von wegen: Rassismus) und daneben von kilometerlangen Mauern umzogene und privat bewachte schmucke Reihenhaussiedlungen. Dort findet ihr von völlig verkommenen öffentlichen Schulen alle ÜbergĂ€nge bis zu den top ausgestatteten Bildungseinrichtungen mit den top Lehrern – je nach ZahlungsfĂ€higkeit der Eltern, weil die Reichen sich das leisten wollen und können.

Aber ihr glaubt immer noch an die Sozialdemokratie. Seht ihr nicht, dass die SP-ler dem Sachzwang, den die Kapitalisten weltweit bereits durchgesetzt haben, nichts, aber schon gar nichts mehr, entgegen setzen wollen?

Also dann, beim nÀchsten Mal, die Linke, ja?

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Karl GUGLER
schulprobleme@kpoe.at


Kaktus
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