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    Sunday, 26. March 2017 @ 07:13

    Die KPÖ trauert um Othmar Wundsam

    Am 27.Dezember verstarb Othmar Wundsam im 93.Lebensjahr.

    Othmar Wundsam zählt zu den vielen mutigen Frauen und Männern in den Reihen unserer Partei, die sich in der wohl dunkelsten Zeit in der Geschichte Österreichs nicht gebeugt haben, und trotz des hohen Risikos für ihre Existenz und ihr Leben, im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren. Er überlebte die Inhaftierung in mehreren Konzentrationslagern sowie den berüchtigten Todesmarsch vom KZ-Lager Buchenwald ins KZ Lager Mauthausen. Bis ins hohe Alter engagierte er sich als Zeitzeuge für die Weitergabe der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und deren Opfer an die nachfolgenden Generationen.

    Viele Donaustädterinnen und Donaustädter kennen Othmar Wundsam auch als Künstler und durch sein jahrelanges Engagement im Donaustädter Kulturverein. Legendär waren auch seine nach seiner Pensionierung langjährig angebotenen und begehrten Zeichen- und Malkurse an der Donaustädter Volkshochschule.

    Othmar Wundsam wurde am 23.Oktober 1922 in Wien geboren, wuchs in Kagran auf (welches damals noch zu Floridsdorf gehörte). Er war als Kind mit seiner Schwester Hilde viel bei den Kinderfreunden und bei den Roten Falken auch in seiner Jugend politisch aktiv.

    Ihre Eltern waren an den Februarkämpfen 1934 als überzeugte Sozialdemokraten aktiv beteiligt. Auch der Gemeindebau in der Meissauergasse Kagran, in dem die Familie Wundsam damals wohnte, wurde als „rote Festung“ von der austrofaschistischen Heimwehr und mit Unterstützung des gegen die Arbeiterbwegung in Marsch gesetzten Bundesheeres beschossen. Nachdem sowohl der Vater, der vom austrofaschistischen Ständestaat nach der Niederschlagung des ArbeiterInnenaufstandes für 6 Monate im Anhaltelager in Wöllersdorf inhaftiert wurde, als auch ihre Mutter für zwei Monate ins Gefängnis kam, blieben Othmar (damals 12 Jahre alt) und seine 14jährige Schwester Hilde, ohne ihre Eltern und auf fremde Hilfe und Unterstützung, wie z.B:. durch die „Roten Hilfe“ und auch durch eine internationale Hilfsaktion der Quäker angewiesen, daheim zurück.

    Bereits als Jugendlicher war er politisch engagiert!

    Nach dem das austrofaschistische Regime 1938 durch den Nationalsozialismus ersetzt wurde, trat Othmar Wundsam 1939, als 17jähiger, der KPÖ bei und beteiligte sich an illegalen Aktionen gegen das NS-Regime.

    Im selben Jahr wurde Othmar Wundsam wegen "Besitz eines Flugblattes mit kommunistischen Parolen" gemeinsam mit seiner Schwester verhaftet und nachdem er die Verantwortung dafür auf sich nahm, 9 Monate ohne Anklage in Haft genommen. Aus der Haft zurückgekehrt, schloss er eine nach dem Schulabschluss begonnene Lehre zum kaufmännischen Angestellten ab.

    Bereits unmittelbar nach Abschluss der Lehre wurde er zur Wehrmacht eingezogen und erlebte als Soldat die Gräuel des Krieges in Osteuropa, was ihm in seiner Haltung gegen Krieg und Faschismus weiter bestärkte.

    In Russland an der Front entstand diese Federzeichnung. (Bild links)So drückte Othmar Wundsam damals seine Abscheu gegen den Krieg aus.

    1944 (21 jährig) wurde er während eines Fronturlaubes,wie auch seine Mutter Anna und seine Schwester Hildegard (damals 23 Jahre alt) von der Gestapo wegen aktiven Widerstandes festgenommen.

    Während Mutter und Schwester ins KZ-Ravensbrück verschleppt wurden, kam er ins KZ-Buchenwald, in das von den Nazis mehr als 250.000 Menschen, darunter auch an die 6500 ÖsterreicherInnen verschleppt wurden.Von dort wurde er in das vormalige Außenlager des KZs Buchenwald, das Konzentrationslager Dora Mittelbau bei Nordhausen in Thüringen deportiert, wo er unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste. Dann mussten die Häftlinge zu Fuß weiter gehen in das 28 km entfernt gelegene Außenkommando Rehungen bei Sollstedt, wo ca. 550 Häftlinge im Winter, teilweise barfuß, einen Stollen für ein unterirdisches Materiallager, errichten mussten.

    Zeugenschaft für die und von denen, die das Konzentrationslager nicht überlebt haben…

    Als die Amerikaner 1945 näher kamen, mussten die transportfähigen Häftlinge fünf Stunden zu Fuß in die Boelcke-Kaserne marschieren. Viele überlebten diesen „Todesmarsch“ nicht. In Viehwaggons wurden die Häftlinge weiter nach Mauthausen und nach Steyer/Münichholz transportiert, wo sie am 5. Mai 1945 von den Amerikanern befreit wurden. Im Unterschied zu den vielen KZ-Häftlingen, die dabei zu Tode gekommen sind, kam er schwer krank und auf Grund der schlechten Ernährung und Strapazen auf nur noch 38kg abgemagert, im Nebenlager Steyr-Münichholz an. Nachdem er dort nur knapp einem Abtransport ins Hauptlager Mauthausen zur Tötung entkommen war, wurde er im Mai 1945 schließlich befreit.

    „… Ich habe all das selbst erlebt und mit eigenen Augen gesehen. Jahrzehntelang habe ich diese Schrecknisse verdrängt. In der Aufarbeitung des Gesehenen entstanden diese Werke. Ich lege, als zufällig Überlebender, Zeugenschaft ab, für die und von denen, die das Konzentrationslager nicht überlebt haben"
    Das hielt Otto Wundsam zu seinen Zeichnungen über die schrecklichen Erlebnisse und persönlichen Erinnerungen als politisch Verfolgter und im KZ-Buchenwald überlebender Zeitzeuge fest.

    Auch nach dem Krieg blieb Zeichnen und Malen für ihn eine Leidenschaft!

    Nach der Befreiung heimgekehrt, begann er 1945 seine künstlerische Ausbildung, u.a. bei Prof. Gerda Matejka-Felden, Prof. Josef Dobrovsky und Prof. Böckl.

    1947 heirate er seiner Frau Else. 1948 folgte die Geburt seiner Tochter Inge. Um seine Familie ernähren zu können, führte er damals seine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste nicht zu Ende. Er ging zur ÖBB und war seither bis zu seiner Pensionierung dort berufstätig. Seine Kunst übte er aber weiter, wenn auch eingeschränkt, in seiner Freizeit aus.

    Ab 1968 konnte er sich wieder intensiver mit der Malerei beschäftigen und fand in dem Salzburger Maler und Grafiker Prof. Werner Otte einen für seine weitere künstlerische Entwicklung sehr menschlichen und wichtigen Lehrer und Berater.

    Othmar Wundsam beteiligte sich an vielen Ausstellungen in unserem Bezirk, in Österreich, der Schweiz, Jugoslawien, Frankreich, der Sowjetunion (Moskau, Baku), der Bundesrepublik Deutschland und Italien. Er erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise. (Goldmedaille in Bologna/Italien)

    Bestimmende Themen für seine Bilder waren seine Erlebnisse während des Krieges und in der KZ-Haft sowie der Holocaust, außerdem befasst er sich mit „Bildern von Menschen“ (Portraits, Akten) und Landschaftsbildern, davon sehr viele mit Motiven aus der Donaustadt.

    Zwei mit parteiübergreifender Unterstützung im Bezirkslokal der KPÖ-Donaustadt stattgefundene Wundsam-Ausstellungen im Jahr 2008, die erste mit „Zeichnungen aus dem Widerstand“ und einer weiteren mit „Bildern aus der Zeit nach dem Krieg...Zeichnungen, Aquarellen und Linolschnitten mit Motiven aus der Donaustadt“ standen am Beginn des in späterer Folge gegründeten überparteilichen Vereins „Kunst in der Wurmbrandgasse“.

    Bild links: Othmar Wundsam bei der Vernissage seiner Ausstellung im Mai 2008 im Gespräch mit Karl Dampier, ehemaliger stellvertretender Bezirksvorsteher (SPÖ) und Albert Dlabaja, Obmann der österreichischen Lagergenmeinschaft des ehemaligen KZ-Buchenwald)

    Eine dritte „Wundsamausstellung“ anlässlich seines 90.Geburtstages wurde von Bezirksvorsteher Norbert Scheed eröffnet und war ein weiterer Höhepunkt in der bisherigen Ausstellungstätigkeit, des von ihm mit initiierten überparteilichen Kunstvereins.

    Die KPÖ-Donaustadt wird ihrem Mitkämpfer Othmar Wundsam stets ein ehrendes Angedenken bewahren!

    Wir verlieren mit Othmar Wundsam einen Menschen, dem bis zu seinem Ableben soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Solidarität, Frieden und die Erhaltung unserer Umwelt immer wichtig gewesen ist. Dafür hat er sich seiner Überzeugung als Kommunist folgend in und mit der KPÖ engagiert.

    Er hat, wie er es in der schweren Zeit des Widerstandes gegen den Nazifaschismus, aber ebenso in seinem späteren Lebensabschnitt als Künstler gelernt hat, mit Menschen unterschiedlicher weltanschaulicher Überzeugungen und Parteizugehörigkeiten das Gespräch und den Dialog und trotz auch bestehender unterschiedlicher Aufassungen, bei Gemeinsamkeiten, die überparteiliche Zusammenarbeit gesucht.

    Wir haben ihn als überzeugten Antifaschisten vor allem aber auch als einen lieben Menschen kennengelernt, der sich dem Leben oft unter großen Schwierigkeiten und sehr harten Bedingungen gestellt hat, den Blick auf die Vielfalt des Lebens und seine Schönheiten dabei nie verloren hat.

    Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie!

    • Im besonderen seiner Tochter Inge, die wie ihr Vater als Malerin künstlerisch tätig ist und als parteiunabhängige Obfrau des Vereins "Kunst in der Wurmbrandgasse", die von ihrem Vater in der Wurmbrandgasse gesetzten kulturellen Impulse durch ihre eigenen Beiträge und Ideen bereichern und mit und anderen KünstlerInnen fortsetzen will.

    • Und seinen beiden Enkeltöchtern, die wie viele anderer aus der Familie an der Erinnerungsarbeit von Othmar Wundsam regen Anteil nehmen.

    Wir werden Othmar Wundsam unser immer ehrenedes Angedenken bewahren!

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