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    Sunday, 22. October 2017 @ 15:27

    Armut!

    Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

    Wer hätte in den Siebzigerjahren geglaubt, dass man sich wieder mit Armut auseinander setzen muss? Statt um 2 Wochen Urlaub ging es um 3, dann 4 und 5 Wochen. Von 45 Stunden Arbeit pro Woche waren es bald 42,5, dann 40. Neue Schulgebäude wurden in hoher Anzahl gebaut, der Transport der Kinder dorthin erleichtert, die Schulbücher waren auf einmal gratis. Und wenn man es schaffte, möglichst lange eine weiterführende Schule zu besuchen und daran nicht gehindert wurde, dann rückte da auch schöne Arbeit in Reichweite, noch dazu mit besonders guter Bezahlung.

    Na dann, nix wie hin, dachten sich wohl alle Eltern, wenn sie sich die Zukunft ihrer Sprösslinge vor Augen führten. Denn es gilt, damals wie heute: für die eigenen Kinder nur das Beste.

    Aber irgendwann in den Neunzigern kam dann die große Wende und alles wurde anders. Plötzlich hieß es, „wir“ lebten über unsere Verhältnisse, „wir“ könnten uns das doch alles gar nicht (mehr) leisten. Ist es purer Zufall, dass dieses Ereignis ziemlich genau mit der erfolgreichen Totrüstung (zitiert nach Ronald Reagan) des Ostens zusammenfällt, frage ich mich oft. Fest steht jedenfalls: von nun an geht’s bergab. Das Wort Reform erlebt einen fundamentalen Bedeutungswandel: keine Umgestaltung mehr ohne Sparpaket.

    Und 20 Jahre später stellen wir fest: Armut ist wieder da. Anders zwar als nach dem 2. Weltkrieg, vor allem nicht so deutlich sichtbar wie damals, sondern individualisiert und versteckt hinter den Fassaden glitzernder Konsumtempel. Aber sie ist da, das beweisen die regelmäßig publizierten einschlägigen Sozialdaten.

    Was bringt die Zukunft?

    Der Kapitalismus zeigt jetzt, was er ist. Wenn man das sehen und erleben will, empfiehlt sich eine ausgedehnte Reise in die USA, wobei man seine Augen nicht bloß auf die vielen Schönheiten dieses Landes richten sollte.

    Da findet man Stadtviertel, wo reihenweise Fenster und Türen von Häusern mit Holzbrettern zugenagelt sind und Sträucher und kleine Bäume daraus herauswachsen (gesehen in Philadelphia). Dann wieder schmucke Siedlungen von Einfamilienhäusern, von einer hohen Mauer umzogen, mit rund um die Uhr bewachter Einfahrt, weil die Gegend an sich unsicher ist (gesehen in Kalifornien). Für die, die sich normales Wohnen nicht mehr leisten können, finden sich ganze Parks endgültig abgestellter, baufälliger Wohnwägen als Dauerbleibe (gesehen in Washington DC).

    Ein Arzt vom Harlem Hospital erzählt, dass die meisten Menschen, die hilfesuchend in sein Spital kämen, Kandidaten fürs Leichenschauhaus seien. Spitalsbesuche vermeidet jeder Amerikaner solange es geht, weil sie teuer sind.

    Omas und Opas werden von Banken beworben, doch eine Art „Bausparvertrag“ für ihre Enkerln abzuschließen, solange die noch klein sind, damit später für die dann ein sauberer Batzen Geld da ist, wenn der Besuch einer guten Schule zur Finanzierung ansteht (gehört im Autoradio im sonnigen Florida).

    Gute(s) Wohnen, Schulen, Spitäler und Sicherheit nur für Begüterte? Ob das einzurichten in Europa, in Österreich, in Wien auch so reibungslos geht, frage ich mich und graut es mir vor diesem Gedanken. Dann fällt mir Griechenland ein und Spanien. Dort haben die Kapitalisten mit der Umgestaltung soeben begonnen! Angst kommt auf.

    Aber zum Glück gibt’s ja uns Kommunist/inn/en!

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER
    schulprobleme@kpoe.at

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