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    Willkommen bei Kaktus
    Friday, 24. March 2017 @ 15:18

    LehrerInnen – Nörgler, Pessimisten, Jammerlappen.

    Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

    Vorsichtige Jubelmeldung in der Wiener Bezirkszeitung: „Druck auf Schulen entschärft – Klassenschülerzahlen in den Gymnasien in der Donaustadt gesunken!“

    Fünfundzwanzig pro Klasse – maximal!?

    Vor geraumer Zeit wurde von der österreichischen Bundesregierung beschlossen, dass alsbald in keiner Schulklasse mehr als 25 SchülerInnen sitzen sollen. Ich seh' mir also die Klassenlisten der Unterstufe an unserer Schule an und halte hiermit fest: in 14 von 23 Klassen liegt die Anzahl der SchülerInnen bei 26 oder mehr – auch 28, 29 und 30 kommen vor. Das macht 61% Überschreitungsfälle; in den zweiten und dritten Klassen steigt der Satz auf 83%. Wie war das? Druck entschärft?

    Dabei würde ich mich, mit Verlaub, gar nicht sofort der Meinung anschließen, dass kleinere Gruppen die ultimative Problemlösung wären. Noch preisgünstiger wäre es, wenigstens die Ausstattung der Schulen in Ordnung zu bringen. Dazu wollte ich Zahlen wissen und habe recherchiert: nach meinen Ergebnissen wurden in Österreich im Jahr 2011 für den sog. Sachgüteraufwand 413 Mio EUR (für alle Schulen zusammen) ausgegeben.

    Nachdem wir im Jänner zu „unserem“ Bundesheeres befragt werden, erscheint mir ein Vergleich mit dem Sachgüteraufwand für die Kollegen vom Militär zweckmäßig. Ja, natürlich sind's die Jagdbomber, mit denen ich beginnen will. Möglicherweise wurde ja bei deren Ankauf soviel Rechtswidriges getan, dass man diesen Kaufvertrag jetzt rückgängig machen könnte. Der Kaufpreis lag bei 1.700.000.000,- EUR. Wenn wir also dieses Gerät zurückgeben oder eben anderweitig verkaufen, könnten wir 15 Jahre lang gut 100.000.000,- EUR mehr für Schul- und Schülergeräte ausgeben. Und wenn ich jetzt noch an Kanonen, Panzer, Sturmgewehre, Minen, Handgranaten und Munition denke … - das sind ja alles Gerätschaften, die nur schwerlich bei Katastropheneinsätzen verwendbar sind.

    Fünfundsiebzig neue PCs müssen her – mindestens!

    Wir haben an unserer Schule (in den „Herbstferien“) das LAN (mit ca. 100 Computern und 5 Servern) aktualisiert. Dazu war ein neuer Server nötig, der hat gut 3.000,- EUR gekostet. Rund 75 PCs sind 8 – 10 Jahre alt. Für die ist Windows 7 einfach viel zu fett. Nur mit größten Mühen kann man die noch am Laufen halten. Ich bin ständig am Schrauben, entnehme Geräten mit kaputtem Mainboard Festplatten, Speicher, Netzteile, DVD-Laufwerke, um sie bei anderen Geräten einzubauen. Und dann läuft einer wieder und ein Strom der Freude durchzuckt meinen Körper. Tja, ist nur von kurzer Dauer, denn da sind ja noch 42 andere PCs, die ebenso in meine Zuständigkeit fallen. Mindestens 5 davon machen schon Mätzchen, die auf eine baldige Hardwarefehlfunktion schließen lassen.

    Gerätereserve, das wär' was, denke ich und lache mir sarkastisch zu. Es ist schon wieder 19.00 Uhr, obwohl ich meinen Leuten zu Hause versprochen habe, heute früher zu Hause zu sein.

    Für neue Geräte hat die Fr. Direktor zur Zeit kein Geld, vielleicht im Jänner. Aber wir hätten wieder eine Gerätespende in Aussicht. Ich denke an die letzte Spende und damit an den Riesenaufwand, den es bedeutet hat, daraus einen ganzen EDV-Saal zu zaubern. Und ich spüre, wie Müdigkeit meine Beine heraufkriecht und sich im Magen breitmacht – und kämpfe sie nieder. Ich bin jetzt 57. Ich kann so nicht weitermachen. Alte Lehrer gelten als ausgebrannt. Ich weiß jetzt, warum das so ist. Ich weiß auch: es waren NICHT die Schüler(innen) und ihre Anzahl, die mich ausbrennen ließen.

    Ich denke an 1.700.000.000,- EUR für 15 Kampfflugzeuge, das Stück zu 113.000.000,- EUR; 75 neue PCs würden 30.000,- kosten. So zu rechnen ist naiv, ich weiß.

    Aber wer wählt solche PolitikerInnen immer wieder? Da muss wohl Gehirnwäsche im Spiel sein – so nach dem Motto eines Liedtextes von Heli Deinboek vielleicht, wo es heißt: „Erst wenn du kannst, was du sollst, darfst du wollen, was du musst!“

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER
    schulprobleme@kpoe.at

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