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    Friday, 24. March 2017 @ 15:18

    Barbarei!

    Brief eines Lehrers - von Karl Gugler

    Es ist beeindruckend. Die Kapitalisten veranstalten eine Krise, die dieses Mal von größerer Art ist und deren Auswirkungen sich über mehrere bis viele Jahre erstrecken soll – und die Untertanen zerbrechen sich sofort den Kopf darüber, wie man sie meistern könnte. Da sage noch einmal jemand, dass die Gehirnwäsche nicht funktionierte!

    Das Sparpaket folgt auf den Fuß. Die „Beamten“ leisten natürlich wieder einen Beitrag: eine ganze und eine halbe Nulllohnrunde sind es diesmal. Nimmt man als Maßstab für die Einkommenskürzung nicht die (irreführende) Inflationsrate, sondern das Preisniveau des alltäglichen Warenkorbes als Vergleich, dann macht das gut und gerne 10% Lohnkürzung aus.

    Und ich dachte bisher, der Herr Neugebauer würde das schon zu verhindern wissen. Nein – der war diesmal rechtzeitig auf Schiurlaub. Kultur…

    Für den, der es noch immer nicht wahrhaben will: die „Beamten“, das sind zu 95% jene Mitglieder einer durchaus privilegierten Gruppe, die sich erstens um die Bildung, zweitens um die Gesundheit und drittens um die Sicherheit kümmern sollen. Warum die politischen Büttel der Kapitalisten für diese Berufsgruppen soviel eingesammeltes Geld ausgeben lassen, geschieht weder aus Edelmut noch aus Kulturbewusstsein. Vielmehr geht es um „den Rohstoff, die Humanressourcen für unsere Wirtschaft“ (siehe Artikel im letzten Kaktus).

    Dabei sollen die Lehrer/innen dafür sorgen, dass die künftigen Lohnarbeiter/innen auch für das Profit-Machen verwertbar sind. Lesen, Schreiben und Rechnen sollen die schon können; aber zu viel Bildung für jemanden, der ohnehin nur beim BILLA die Regale auffüllen soll, ist Luxus, also ökonomischer Unsinn. Solche Leute müssen deshalb von allzu langen Bildungswegen ausgeschlossen werden.

    Die Ärztinnen, Ärzte und ihr Hilfspersonal sollen abgenützte, verbrauchte Körper wieder soweit instand setzen, dass sie wieder einsetzbar sind – und das ist etwas ganz anderes als „gesund sein“. Und welche Aufgaben die Polizist/inn/en haben, das dürfte ja bekannt sein.

    Aus diesem Blickwinkel wird mir als Angehöriger der ersten „Beamten“gruppe (Lehrer) dann vieles nachvollziehbar, was auf den ersten Blick als ein Problem erscheint: dass die Arbeitsumgebung in der Schule eine Ansammlung von Mängeln ist, die derartig weit vom „eigentlichen Sollzustand“ entfernt ist; dass die Qualifikationen der Kolleg/inn/en oft schlecht ist und, wichtiger noch, dass daran auch nicht wirklich etwas geändert wird. Wozu denn, wenn doch die oben beschriebenen eigentlichen Hauptaufgaben des Schulsystems bestens erfüllt werden.

    … und Barbarei!

    Was also ist im Zuge der anstehenden „Bildungsreformvorhaben“ zu erwarten? Die Kolleg/inn/en werden zusätzliche Klassen unterrichten müssen und weniger Geld erhalten. Nichts, aber auch gar nichts wird sich an ihren Arbeitsbedingungen verbessern, solange „der Rohstoff“ geliefert wird.

    Laut Wikipedia hatten die Griechen (schon wieder die!) ein Wort dafür: BARBAREI. Umgangssprachlich übersetzt: „ungezügelte Rohheit“. Für dieses Kulturvolk war ein Barbar auch „ein Ekel, ein Lump, ein Scheusal, ein Schurke“.

    Es wäre aber recht einfach, einen ersten Schritt gegen die Barbarei zu setzen: die Kommunist/inn/en zu wählen – so, wie es, laut Zeitungsberichten, fast die Mehrheit der Wähler/innen Griechenlands anscheinend demnächst tun wird. Die Barbaren aber, die werden nichts unversucht lassen, das zu verhindern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER
    schulprobleme@kpoe.at