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    Willkommen bei Kaktus
    Tuesday, 28. March 2017 @ 13:54

    Finalmente: Ein Sozialmarkt in der Donaustadt

    Armut und soziale Ausgrenzung Die seit langem bestehende Forderung der KPÖ-Donaustadt nach einem Sozialmarkt scheint sich nun zu erfüllen, wenn auch anders als gedacht.
    Ein Bericht von Renate Mocza

    Die wachsende Armut im Bezirk wird politisch nicht oder nur zögerlich wahrgenommen – jedenfalls sind Alleinerzieher_innen, Sozialhilfebezieher_innen, Arbeitssuchende, Kranke, Pensionist_innen und andere prekär lebende Menschen auf das angewiesen, was ihnen in der guten alten Zeit durch die Armenfürsorge der Kirche oder milde Nächstenliebe der im gesellschaftlichen Pyramidenspiel „Höheren“ dargeboten wurde. Heute heißt das „Charity“, und ich bin nicht ironisch, wenn ich sage: Ich freue mich darüber. Ja, ich freue mich, wenn am 23. April 2012 der dritte Sozialmarkt von Alexander Schiel in Wien (22. Bezirk, Ullreichgasse 13) eröffnet wird. Denn ich bin darauf angewiesen. Viele aus meinem Bekanntenkreis im Bezirk sind darauf angewiesen. Viele der ehemals mit Beamten der Buwog-Siedlung (in der sich der Sozialmarkt befindet) verheirateten und heute alleinerziehenden Frauen sind darauf angewiesen. Und Herr Schiel wirkt glaubwürdig, wenn er sagt, dass für ihn die Eröffnung dieses Sozialmarktes kein Grund zur Freude ist, sondern schlicht bittere Notwendigkeit.

    Auch in diesem dritten Sozialmarkt Schiels wird es keine abgelaufenen Waren geben. Denn das ist für ihn Verhöhnung. Rund 20 bekannte Unternehmen konnten für eine „entgegenkommende“ Preisgestaltung gewonnen werden. Konkret heißt das, wie bei der Pressekonferenz am 12. April 2012 mitgeteilt wurde, dass wichtige Grundnahrungsmittel und sonstige Artikel des täglichen Bedarfs um etwa ein Drittel billiger eingekauft werden können. „Soziale Armut“ wird definiert als Netto-Einkommen unter 900 Euro, was einmalig nachgewiesen werden soll, worauf ein Ausweis bezogen werden kann, der zum Einkauf im Sozialmarkt berechtigt. (Wocheneinkauf bis zu 45 Euro.)

    Angesprochen auf eine eventuelle Zusammenarbeit des Sozialmarktes mit den gerade in der Donaustadt noch existierenden zahlreichen Gärtnereien, sagt Schiel, dass dafür leider keine Kühlmöglichkeiten vorhanden sind.

    Eine eigene „Kaffeehausecke“ (Spende von cafè+co International Holding CEO Gerald Steger) soll zur Kommunikation einladen. Orte zur Kommunikation sind in der Donaustadt immer noch rar gesät.

    Durch Dominic Heinzls Initiative „Bekannte Menschen gegen bekannte Probleme“ konnten die finanziellen Mittel für diesen Markt aufgebracht werden. Da können einem noch mehrere Wortspiele einfallen: „Bekannte Probleme gegen unbekannte Menschen“. Oder: „Bekannte Systeme begründen bekannte Probleme“...Aber wie gesagt: Wir freuen uns ganz unironisch.

    Nur bei Sätzen wie „Sozialmarkt Wien leistet einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit“ oder bei den schönen Worten der Pressefrau abseits der Präsentation („will endlich zurück in die Zivilisation“) kann die Freude über wohltuende Teesorten, verlockende Schokolade und feine Körperpflegeprodukte doch leicht getrübt werden. Unter „Sozialer Gerechtigkeit“ verstehe ich keine Trennung in „Super“- und „Sozial“märkte, so notwendig letztere auch sind in einem Wien mit rund 200 000 Menschen, die von einem Netto-Einkommen unter 900 Euro leben. Leben...