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    Friday, 28. April 2017 @ 16:07

    Bildungs“volks“begehren!

    Brief eines Lehrers – von Karl Gugler

    Na gut, die Beteiligung des Volkes am Bildungsvolksbegehren war ja nicht gerade berauschend. Ich werde den Eindruck nicht los, dass das Volk teilweise der Meinung anhängt, dass die Inhalte eines solchen Begehrens nicht zum Allerwichtigsten zählen.

    Worum es gehen hätte können

    Geht man etwas träumerisch durch die Welt, vielleicht, weil man die Zeiten Bruno Kreiskys erlebt hat, dann denkt man bei Bildungsoptimierungsvorhaben an individuelle Entwicklung, an Freiräume zum gegenseitigen Austausch von Gedanken und Ideen, an persönliche Reifung verbunden mit Gelassenheit und Ruhe, an Selbstverwirklichung vielleicht auch.

    Worum es bei diesem Volksbegehren ging

    Schon die ersten 3 Zeilen des Textes zum Volksbegehren belehrten einen eines Besseren: „Bildung bestimmt die Zukunft jedes Einzelnen, somit der Gesellschaft insgesamt und ihres wirtschaftlichen Wohlstandes. Wir sind ein Land ohne Rohstoffe, die Fähigkeiten unserer Jugend sind eine wichtige Voraussetzung für unsere Zukunft.“

    Ist das nicht eine recht sonderbare Einleitung für ein Bildungsvolksbegehren: Zukunft – Wirtschaft – Rohstoff? Gut, ich geb' es zu, nur aus dem Blickwinkel eines Kommunisten ist das sonderbar. Für die Kapitalisten ist das schon eine stimmige Gleichung! Wer mehr kann und/oder mehr gelernt hat, der kriegt unter Umständen ein bisserl mehr Lohn und eine bisserl bessere Arbeit, kann dafür ein bisserl besser essen und wohnen, ein bisserl besser autofahren, ein bisserl besser Urlaub machen und vieles, vieles mehr. So haben sie's ja auch eingerichtet für uns. Wir dürfen – wenn sie uns denn brauchen können – für sie ordentlich schuften. Und den Löwenanteil des ganzen Reichtums, den behalten sie natürlich ein, der gehört natürlich ihnen. Damit gehen sie dann an die Börsen, um ordentlich zu zocken. Daneben – für sie selber nur das Beste: den besten Lohn, das beste Essen, die beste Wohnung, das beste Auto, den besten Urlaub.

    Deshalb verausgaben sich Eltern in der Regel ja auch bis an die Grenze des Leistbaren, wenn es um ihre Kinder geht. Mehr Lernen per Nachhilfe, mehr Druck, mehr Ernst, Anstrengung, Härte, manchmal bis zur tränenreichen Verzweiflung. Da stehen sie dann da mit ernster Miene, die Kapitalisten und ihre Politikerknechte, mit ihrer Wirtschaftskompetenz, heben den Zeigefinger und drohen mit: Zukunft! Wirtschaft! Rohstoff!

    Ja, es gibt nicht recht viel Erdöl oder Kohle oder Erze oder Seltene Erden in Österreich.

    „Jeder die Nummer 1, keiner eine 0!“

    Deshalb müsst ihr, liebe Kinderlein, jetzt einspringen für unsere national österreichische Wirtschaft. Humankapital oder Humanressourcen nennen sie das. Und wir Lehrer/innen haben den Auftrag und kriegen ihn immer heftiger aufgebrummt, euch so zu formen. Ihr seid der Rohstoffersatz. Ihr sollt unsere Wirtschaft endlich auf die Siegerstockerl bringen – und nicht an den (griechischen?) Stränden liegen und mit der Seele baumeln. Ihr sollt euch neue Produkte und Dienstleistungen ausdenken, erforschen und entwickeln, die besser sind als die der Chinesen oder Amerikaner, weil sonst Schluss ist mit dem Wirtschaftsstandort Österreich! Schließlich haben wir weder Erdöl noch Kohle, mit deren Verkaufserlösen wir euch sonst durchfüttern könnten.

    Deshalb fordern wir die totale Schule, ob Kindergarten, ob Volks- und Mittelschule, ob Hochschule und Erwachsenenbildung: mehr, besser, schneller, effizienter – aber kostengünstig! Also, ab sofort gilt: „Jeder die Nummer 1, keiner eine 0!“

    Wenn da jetzt jemand von den Leser/inne/n einwendet, was das denn für ein Leben sein soll, meint, dass das eigentlich schrecklich ist, dass er/sie das eigentlich nicht will – dann bin ich ganz bei ihm/ihr: WIR machen Schule! ICH mache NICHT mit!

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER
    schulprobleme@kpoe.at

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