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    Willkommen bei Kaktus
    Friday, 28. April 2017 @ 16:05

    Neun Wochen Urlaub!

    Brief eines Lehrers - von Karl Gugler, AHS Lehrer, der für die "KPÖ und ihr Kaktusteam" für die Donaustädter Bezirksvertretung am dritten Listenplatz kandidiert

    Wer wünschte sie den Schüler/inne/n nicht? Und wenn man die sonstigen Ferien dazu addiert, dann kommt man sogar auf 14 Wochen. Vierzehn! Bleiben also 38 Wochen für Arbeit. Verdienen die Lehrer/innen dieses extreme Privileg? Das würde ich glatt verneinen! Lehrer/innen/gewerkschafter rechnen da anders. Sie gehen von einem/einer normalen Arbeitnehmer/in mit fünf Wochen Urlaub aus und kommen bei diesem/dieser auf etwa 1900 Stunden Arbeit pro Jahr. Für die gleiche Stundenanzahl müsste ein/e Lehrer/in im Schnitt 50 Stunden in jeder der nur 38 Arbeitswochen erbringen. Diese Art zu rechnen – einem/einer Saisonarbeiter/in gleich – ist nicht unfair. Die Frage ist bloß, ob sie dieses Pensum erfüllen? Auch da bin ich eher skeptisch. Will man weiter fair bleiben, so muss man zugestehen, dass 50 min Unterricht nicht einer normalen Arbeitsstunde irgendeines anderen Jobs entsprechen. Wenn man Unterricht macht, so ordentlich, wie er sein sollte, dann mag die Multiplikation mit 2 schon irgendwo gerechtfertigt sein. Also: Vorbereiten, sich um dies und das kümmern, verschnaufen usw. Jetzt liegen wir bei etwa 40 Stunden pro Woche. Fehlen noch 10! Ich glaube, wir kommen der Wahrheit recht nahe, wenn ich sage, diese fehlenden 10 Stunden Arbeit erbringen etwa 50% der Lehrerkolleg/inn/en, aber ebenso 50% tun dies nicht.

    Jetzt kommt es einmal auf die unterrichteten Fächer an. Hat man sich Deutsch oder eine Fremdsprache oder Mathematik gewählt, na dann Prost! Schularbeiten und Hausübungen zu korrigieren – das geht sich mit 50 Stunden Arbeit wöchentlich im Durchschnitt sicher nicht aus. Lehrer/innen dieser Fächer arbeiten also mehr als 1900 Stunden pro Jahr.

    Thema Informatik!

    Keine Schularbeiten, keine Hausübungen. Das riecht nach Unterbelastung. Stimmt. Aber nur, wenn man es schafft, sich von jeglicher Wartungs-, Reparatur-, Netzwerk- und Innovationsarbeit zu drücken. Konkretes Beispiel: Wir haben an unserer Schule ca. 100 PCs und 5 Server in Betrieb – und sie werden intensiv genutzt. Dafür gibt es 4 Informatiklehrer/innen, wobei 3 davon das Zeug in Schuss halten. Auch das geht sich in 1900 Jahresarbeitsstunden niemals aus. Jedes Privatunternehmen engagiert pro 30 PCs + 1 Server 1 (einen) Netzwerkadministrator. Wir haben davon genau 0 (null).

    Andere Fächer!

    Was ist mit Geografie, Geschichte, Chemie, Physik, Biologie? Na ja, jetzt wird’s spannend. Vor allem, wenn man die blutigen Dienstjahre 1 bis, sagen wir, 5 schon vorbei und keine Maturaklasse hat. Da kommt es völlig darauf an, wie viel Aufwand man für den Unterricht treibt, ob man Experimente und/oder Mikroskopie etc. betreibt, vielleicht sogar Schüler/innen das selber machen lässt, einen Klassenzweig mit Schularbeitszwang erwischt oder leider ein Zweitfach aus Sprachen oder Mathe oder Informatik zu unterrichten hat. Wenn das alles nicht zutrifft und man sich dann auch noch eines Unterrichtsstiles des 17. Jhdts. bedient (Kreide, Tafel und Palaver oder Buch vorlesen lassen), dann allerdings besteht Rechtfertigungs- und Erklärungsbedarf.

    Und zuletzt:

    Was machen die Lehrer/innen mit den Fächern Werken, Zeichnen, Sport und Religion, um auf 1900 Stunden Arbeit im Jahr zu kommen – vor allem, wenn die weiter oben genannten Zusätzlichkeiten und Organisatorisches nicht zum Tragen kommen? In dieser Gruppe sticht mir ganz besonders das Fach Religion ins Auge. Es ist zwar Pflicht in jeder (!) Schulstufe, es unterliegt nicht einmal voll dem Schulunterrichtsgesetz – man kann es als einziges also nicht kürzen, die Gruppengrößen werden kleiner, wenn sich Schüler/innen davon abmelden, was recht einfach geht, und der Lehrplan lautet: „Lasst uns meditieren“ und „Wie geht’s uns denn heute“ – wenn man’s einmal etwas pointiert ausdrückt. Na ja, vielleicht ist es ja sogar kontraproduktiv, beim Fach Religion auf 1900 Jahreswochenstunden zu beharren.

    So. Jetzt hab’ ich mir einmal selber Luft gemacht.

    Vor einigen Wochen beim Arztbesuch fiel mir nämlich das Fellner-Blattl „Österreich“ in die Hände – Seite 10: grinsender Faymann und die Schlagzeilen „Mehr arbeiten für neue Schule“ und „Lehrer-Arbeitszeit erhöhen“. Ihr geht mir nämlich allmählich ziemlich auf den Sack, Ihr Populisten! Euch interessiert es, Schule und Lehrer/innen besser zu machen? Von wegen! Euch kümmern doch die Minderleister unter den Lehrer/innen gar nicht. Und Schulqualität auch nicht! Und beim pauschalen Verunglimpfen schielt ihr auf den Popularitätszugewinn. Schließlich kommen Wahlen!

    Wie war das noch in den 60er, 70er, 80er Jahren? Zuerst zwei, dann drei, dann vier Wochen Urlaub. Zuerst 45, dann 40 und 38 Wochenstunden! Lernen S’ (sozialdemokratische) Geschichte! Und jetzt? Auspressen, Ausnützen, Niederkonkurrieren, Löhne senken, Fertig machen! Dem setz’ ich etwas entgegen: 14 Wochen Urlaub fordere ich – für alle! Wählet KPÖ!

    Mit freundlichen Grüßen
    Karl GUGLER
    schulprobleme@kpoe.at

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