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    Sunday, 26. March 2017 @ 07:15

    Lobautunnel: Warten bis es kracht?

    Keine neuen Autobahnen!Ein Gastbeitrag von Jutta Matysek, Sprecherin der überparteilichen Bürgerinitiative „Rettet die Lobau – Natur statt Beton“

    Vor ca 100 Menschen im Publikum sprach OSenR Dr Otto Widetschek, der Gründer des Brandschutzforums zu dem Thema Lobautunnel bei einer Veranstaltung der überparteilichen BürgerInneninitiative BIM-Marchfeld Donauauen.

    Er beruft sich auf Aristoteles: „Es gehört zum Wesen des Wahrscheinlichen, dass das Unwahrscheinliche passieren kann.“

    Risiko setzt sich bei der Feuerwehr immer aus Wahrscheinlichkeit mal Schadenswirkung zusammen. Sie müssen immer von dem größten anzunehmenden Unfall ausgehen. Immer gibt es allerdings ein Restrisiko, das kleiner als ein festgelegter Grenzwert ist. Wie hoch dieser Grenzwert als zumutbar eingestuft wird, ist eine politische Entscheidung. Ein GAU (Begriff urspr. aus der Atomenergie) gilt als der größte anzunehmende Unfall, der noch mit vorhandenen Mitteln bekämpft werden kann. Für Tunnel heißt das: Ein LKW im Vollbrand, der keine gefährlichen Güter geführt hat, ist ein GAU. Er ist mit Hilfe einer Rauchentlüftungsanlage mit ca. 120 Kubikmeter/min von der Feuerwehr noch beherrschbar. Wenn allerdings noch ein PKW oder ein weiterer LKW oder mehr dazukommt, dann ist die Feuerwehr machtlos. Ein brennender Tankwagen in einem Tunnel wäre ein nicht löschbarer Tunnel-SUPERGAU.

    Die Rauchentwicklung ist das Hauptproblem im Tunnel. Deshalb müsste man unbedingt redundante Systeme bauen wie z.B. Doppelte Stromversorgung.

    Lückler, jahrelang Vorstandsmitglied der Asfinag, habe sogar einmal zu ihm gesagt „Wir haben zu viele Tunnel gebaut“.

  • 1995 bei einem Unfall im Pfändertunnel starben 3 Menschen und die Decke des Tunnels brach durch die Hitzeentwicklung ein.
  • 1996 im Kanaltunnel geriet ein LKW, der auf einem Zug Huckepack geladen war, in Brand.
  • 1999 beim Brand im Mont Blanc Tunnel gab es 39 Tote. Widetschek sagte diesen ersten großen Kathastrophenbrand voraus und ihm wurde nicht geglaubt. Diese und ähnliche Fälle bewogen ihn dazu, das Buch „ Die Kassandra vom Dienst“ zu schreiben.

    Was er aus Feuerwehrsicht am geplanten Lobautunnel kritisiert:

  • Keine automatische Löschanlagen vorgesehen und keine Sprinkleranlagen im Tunnel geplant. (Eine Hochdrucknebelanlage, wie sie in Australien Standard ist, bei uns aber bisher nirgendwo gebaut wurde, würde1 Mio Euro pro Kilometer Tunnel kosten.)
  • Keine eigene Betriebsfeuerwehr für den Tunnel vorgesehen!
  • Zu starke Fixierung der Rettungskonzepte auf Selbstrettung (die Opfer sollen rausrennen)! Was machen aber gebrechliche Leute, Kinder, Verletzte oder jemand, der in seinem Auto eingeklemmt wurde?
  • In einem Tunnel sind keine Brandabschnitte wie in Gebäuden möglich. Die einzige Möglichkeit wäre, bei den Verbindungstunnel Schleusen gegen den Rauch einzubauen; aber da sind nur normale Türen geplant (dh. der Rauch wird von einer Tunnelröhre in die andere hinüberziehen. Annmerkung der Autorin). Die Hitzeentwicklung bei einem Tunnelbrand ist viel schneller und heißer als normalen Bränden. Nach 5 Minuten hat es bereits 12000 Grad. Die Feuerwehr hat sehr oft keine Flucht- und Angriffswege, vor allem wenn die Decke einstürzt. (Bromatplatten als Feuerschutz auf der Decke könnten 120 Minuten standhalten, sind aber sehr teuer).
  • Fluchtweglänge: Es müsste alle 250 Meter eine Fluchtmöglichkeit in die andere Tunnelröhre geben (beim Lobautunnel nur alle 500 Meter vorgesehen). Die Menschen müssten die Möglichkeit haben, in durch Schleusen abgedichtete Rettungszellen zu fliehen.
  • In der Bauphase ist zwar noch kein Verkehr, aber die Löscharbeiten bei einem Brand sind sehr schwierig, solange noch keine Löschvorrichtungen und Hydranten gebaut sind.

    Die geplante Zahl von 60000 Fahrzeugen täglich, die für 2025 prognostiziert ist, ist für Widetschek „unheimlich viel – mit der Menge der Fahrzeuge steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Unfällen.“

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